Der zwanzigste Geburtstag der Weltaidskonferenz war zwar überschattet vom Flugzeugabsturz der MH17 über der Ostukraine, bei dem sechs Aids-Forscher und Aktivisten starben. Doch ließen sich weder Teilnehmer noch Besucher von der Katastrophe beirren. Eröffnet wurde die fünftägige Veranstaltung mit einer Schweigeminute, die offizielle Ansprache mit ermutigenden Worten.

„Gestern schrieb mir ein Bekannter auf Twitter und fragte mich, ob die feierliche Eröffnung wie geplant stattfinden wird. Mehr denn je war meine Antwort“, sprach James Chao, Chinas erster UN-Sonderbotschafter für AIDS, vor einem sichtlich gerührten Publikum. Und er sollte Recht behalten. Neben dem Austausch über medizinische, therapeutische und technische Neuerungen fand auch dieses Jahr ein umfassendes kulturelles Rahmen-Programm statt.

Lesungen, Sonderaustellungen und Schreibworkshops standen auf der Agenda. Sogar ein Projektionsfestival gab es, bei dem über vierzig Gebäude sowie Landschaften zu Leinwänden von Lichtprojektoren wurden. Unser Mann in Melbourne sah sich für uns bei dem Street Art Projekt YEAH um. Unter dem Motto „Towards a HIV-free Generation“ organisierte die Stadt Melbourne mit den Initiativen Youth Empowerment Against HIV/AIDS (YEAH) und Melbourne Youth Force (MYF) eine öffentliche Wand am Queen Victoria Market, auf der sich eine junge Generation von Aktivisten verewigen konnte. Die Atmosphäre war trotz des Winters auf der Sübhalbkugel und der vorausgegangen Tragödie hoffnungsvoll. Einige der teilnehmenden Jugendlichen hatten entweder Elternteile oder Geschwister durch AIDS verloren. Im Vorfeld bereiteten sie bekannte Straßenkünstler auf die Arbeit an dem Kollektivkunstwerk vor. Es galt eine Bildsprache zu entwickeln, die inhaltlich überzeugt und von zeitloser Wirksamkeit ist. Der Queen Victoria Markt erstreckt sich über zwei Häuserblocks und bildet seit über einem Jahrhundert das historische Herzstück von Melbournes Innenstadt.

Der richtige Ort, nicht nur um ein Zeichen der Solidarität zu setzen, sondern auch, um dem Kampf gegen HIV und AIDS ein modernes Antlitz zu schenken.

Torsten Schwick für Boner Magazine

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