Neonazis und PEGIDA-Anhänger fluten die Straßen der Republik. Wo immer sie sich zusammenfinden schreien sie Parolen heraus, und verlangen nach einer besseren Welt. Eine, in der es in Ordnung ist,  steuerzahlende Mitbürger, die nicht ihre Weltauffassung teilen, zu beschimpfen und zu bedrohen. Wer den Nachrichten nicht glaubt, sollte einmal selbst zu einer Kundgebung gehen und sich ein Bild davon machen wie diese hochdynamische Bewegung versucht, die Würde des Menschen antastbar zu machen. Doch Vorsicht ist geboten, da sich leider die Erfahrungen mehren, dass die Polizei im Notfall nicht unbedingt dein Freund und Helfer ist. Die Berlinerin Patsy l‘Amour laLove wagte diese Begegnung dennoch …

Für die Unwissenden: Wann und warum bist du nach Dresden?

Am 19. Oktober feierte PEGIDA das Einjährige. Ich war bei den Gegendemonstrationen dabei, um gegen Rassismus und gegen die Nazis auf die Straße zu gehen. Bei den letzten Gegendemos waren leider nur sehr wenige Menschen dabei. Diesmal waren es an die 15.000 Leute.

Wie war die Stimmung bei diesem riesigen Aufmarsch von Pegida? Wie hast du die Demonstranten wahr genommen?

Die vielen Menschen, die gegen PEGIDA demonstrierten, waren erfreut darüber, dass so viele gekommen sind. Der Eindruck hingegen, dass man es bei PEGIDA nur mit ungefährlichen Wutbürgern zu tun hat, ist falsch. Das ist etwas, was ich in Dresden gemerkt habe. Es sind gewalttätige Bratzen, die da auf die Straße gehen – sie hassen alles, was anders ist, sind rassistisch, homosexuellenfeindlich und so weiter. Das waren keine ‚Kritiker‘ von irgendetwas. Das war ein feindseliger, gefährlicher Mob.

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Ihr seid dann in Schwierigkeiten gekommen und wurdet von der örtlichen Polizei nicht geschützt?

Wir sind falsch gelaufen und waren inmitten der abreisenden PEGIDA-Nazis. Und die ließen uns spüren, was sie von Homosexuellen halten – beschimpften und bedrohten uns schwulenfeindlich. Wir kamen ewig nicht aus der Situation, die Taxiunternehmen konnten niemanden vorbeischicken. Also wählte ich die 110 – die Polizistin am Apparat meinte, dass man mit einem Einsatzwagen kommen kann und wahllos Menschen vernehmen würde. Ich fragte sie, ob wir aus der Gefahr herausgeholt würden. Da sagte sie: „Nein, das geht nicht“ und „Was weiß denn ich?“ In einem Gespräch mit einem Notruf-Polizisten von „Velspol“ wurde mir versichert, dass es eigentlich ihre Pflicht gewesen wäre, uns zu helfen, da rauszukommen. Das hat sie nicht getan und ohne Verabschiedung aufgelegt.

Hast du mit Leuten aus der örtlichen Community gesprochen? Was sagen die über den starken Rechtswind im Osten Deutschlands?

Schwule, Lesben und Trans*Leute in Sachsen haben in der Regel schlechte Erfahrungen mit der Polizei. Das gilt nicht nur für Sachsen, dort ist es aber besonders ausgeprägt. Es gibt dort nicht einmal eine Ansprechperson für Homosexuelle. Insgesamt habe ich wieder gemerkt, dass sehr viele LGBTI* den Notruf nicht anrufen, da sie Angst haben, dass ihnen nicht nur nicht geholfen, sondern auch davor, dass die Situation durch die Polizei noch verschlimmert wird. Daran muss sich unbedingt etwas ändern. Wir alle müssen solche und ähnliche Erfahrungen, auch wenn sie Jahre zurückliegen, der Polizei, den Behörden, den Parteien und Verbänden melden.

Die LSBTI*-Gemeinde sieht sich auf vielen Ebenen immer größeren Herausforderungen ausgesetzt. Wo würdest du die Schwerpunkte legen, um mehr Akzeptanz zu schaffen?

In Bezug auf den Notruf ist es mir jetzt sehr sehr wichtig, dazu aufzurufen, alle Fälle, in denen Gewalt passiert ist, man sich bedroht gefühlt hat, man von der Polizei keine Hilfe bekommen hat unbedingt zu melden. An so viele Stellen wie möglich. Insbesondere aber an die Polizei selbst. Da muss sich dringend etwas ändern, damit wir in Notsituationen auch Schutz bekommen. Außerdem merke ich, dass es auch unter uns Schwulen, Lesben und Trans*Menschen noch einiger Arbeit bedarf. Wenn jemand von solch einem Erlebnis erzählt, dann ist es weder respektvoll, noch hilft es irgendwem weiter, der anderen Person zu unterstellen, dass sie das Alles erfunden habe. Am Verhalten von Polizei und Notruf lässt sich nur langfristig etwas ändern, das ist mir klar. Aber damit müssen wir unbedingt jetzt anfangen. 

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Interview: Torsten Schwick

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