Die Bundesregierung warnt und Drogenfahnder sehen eine Welle auf Berlin zukommen: Crystal Meth ist seit etwa zwei Jahren in Berlin wieder häufiger in der Szene anzutreffen, auch in der schwulen Party-Szene und ganz besonders in den Grenzregionen zu Tschechien. Manch einer fragt sich allerdings: War „die Christel“ jemals weg?

Erst neulich sah ich meinen ehemaligen Dealer, wie er das Zeugs auf dem dunklen Club-Klo rauchte. Er sah schlechter aus als sonst. Selbst probiert habe ich es auch schon einmal – und es sehr bereut. Nach 15 Stunden war ich immer noch bis oben zu und geil wie nichts. Dann habe ich mich beim Leistungssport-Ficken übelst verrenkt, so dass ein Nerv eingeklemmt wurde und ich mein linkes Bein einen ganzen Tag nicht mehr spüren konnte. Vier Tage im Krankenhaus waren die schmerzhafte und peinliche Folge. Dieser Schuss vor den Bug hat mit Sicherheit mein Konsumverhalten verändert – und mein Ischiasnerv warnt mich jetzt zuverlässig vor weiteren Doping-Eskapaden.

Wir erkennen sie nicht immer sofort. Sie wollen es auch nicht, aber es gibt viele unter uns, die mit Drogen unsouverän umgehen. „Weniger ist mehr“ bleibt eine aktuelle Botschaft. Und „gar nichts“  ist natürlich eine legitime Alternative: Auch und gerade mit einem klaren Kopf machen Partys Spaß, solange man nicht als einziger nüchtern bleibt. Was aber, wenn jemand die Grenze vom „Recht auf Rausch“ überschreitet mit klarem Kurs in den unkontrollierten Konsum? Muss da jeder selber durch, oder soll man sich einmischen, wenn einer in der Szene abschmiert?

Meistens sind die bissig wirkenden Meth-Nutzer, oder Tweaker, wie sie in Amerika genannt werden, einfach überfordert. Dort gibt es die Online-Plattform Tweaker.org und sie gibt eine unorthodoxe Antwort auf die Frage: einmischen oder ignorieren? In der Tweak-Projektgallerie werden User dazu eingeladen, ihre Kunstwerke, die sie unter dem Einfluss von Crystal Meth fertigen, dort hochzuladen und auszustellen. Dieser integrative Ansatz ist so naiv wie auch effektiv: Zwar bleibt es den Usern freigestellt, sich im Netz auch anonym zu präsentieren, aber die Person hinter dem Pseudonym identifiziert sich offenbar nicht mehr nur mit der Droge, sondern zunehmend mit dem eigenen Schaffensdrang und entdecken darin persönliche Stärke. Vielleicht ist das ein Weg, einem Freund mit Drogenproblemen zu begegnen: Investiere ein bisschen Zeit und rede mit ihm über schöne Dinge – irgendetwas, nur nicht über Drogen.

Die beissen schon nicht gleich. (ts)

Wer selber Hilfe braucht oder jemanden kennt kann sich deutschlandweit unter 01805 – 313031* informieren. Mit Notfällen und Überdosierungen kennen sich Berliner Notaufnahmen mittlerweile leider bestens aus.

* 0,14 €/Min. aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 0,42 €/Min.

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