Auf eine Zulassung der PrEP müssen wir in Europa wohl noch lange warten. Nur die Pharma-Konzerne selbst können die dazu erforderlichen Anträge stellen. Der Machtlosigkeit zum Trotz handeln nun Viele, die verstehen, dass man nicht länger warten kann. Denn die PrEP wirkt bereits mitten unter uns.

Die internationale Debatte um die PrEP mal nicht im Internet oder auf einer Fachtagung verfolgen! Warum nicht? Das dachten wohl auch die über zwanzig interessierten Männer, die sich zu der Veranstaltung „Blank macht Spaß“ am 26. Mai im Berliner Cafe Kuchus einfanden. Bei der Diskussion standen weniger die Resultate der verschiedenen PrEP-Studien im Vordergrund als viel mehr die Frage: wie geht man mit der „Pille davor“ verantwortlich um?

Männer, die hierzulande den neuen HIV-Schutz in Anspruch nehmen wollen, müssen derzeit einen gewissen Grad an Kriminalisierung in Kauf nehmen. Auf dem Schwarzmarkt ist die PrEP in Form von Truvada unlängst erhältlich. Diesen Abstieg in die Partydrogen-Liga kann man sich jedoch nicht wirklich leisten. Eine unkontrollierte Einnahme gefährdet nicht nur die angestrebte Schutzwirkung einer PrEP, sondern kann zu sogenannten Resistenzen im Körper des Konsumenten führen. Im Extremfall wirkt das Medikament dann gar nicht mehr, auch nicht in der Zukunft.

Bevor der Mythos einer „Wunderpille“ entstehet muss dringend Aufklärungsarbeit geleistet werden. Das findet auch Rolf de Witt vom Projekt Mancheck: „Die Informationen zur PrEP müssen verbreitet werden. Es handelt sich um eine sehr effektive Form der HIV-Prävention, die zum Einsatz kommen wird. Es ist nur eine Frage der Zeit.“ Scheinbar auch eine Frage des Anstands. Gegenwärtig festigt sich die Meinung, PrEP sei was für Drogentypen, die zu verpeilt und notgeil sind, um sich ein Gummi überzuziehen. „Wo Präventions-Maßnahmen nicht greifen, also Kondome oder Abstinenz nicht helfen, muss die Ergänzung in Form der PrEP her. Aber es ist einem fast unangenehm, darüber zu sprechen. Diese neue Spießigkeit in der Szene erstaunt mich“, so de Witt.

Letzten Endes geht es uns alle etwas an. Die PrEP birgt die Möglichkeit HIV-Ansteckungen drastisch zu reduzieren und es hilft nichts, Konsumenten bereits jetzt zu stigmatisieren. Als Reaktion auf den mittlerweile weit verbreiteten „PrEP-Missbrauch“ soll das Beratungsnetzwerk nun zügig ausgebaut werden. Für einen verantwortungsbewussten Umgang mit den Medikamenten, für eine faire Debatte und auch, um einem Abrutschen in die Illegalität vorzubeugen.

Torsten Schwick

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