Die Sticks & Stones ist Europas größtes LGBTI-Karriere-Event mit über dreitausend Besuchern. Die einzigartige Jobmesse bietet engagierten Unternehmen eine Plattform und möchte ein Zeichen setzen, um LGBTI im Arbeitskontext sichtbarer zu machen. Ein Gespräch mit Gründer Stuart Cameron.

Welche Vorurteile über queere Personen in der Arbeitswelt kannst du nicht mehr hören? Schwule „sind zu weich“, Lesben „schauen aus wie Männer und vor denen muss man Angst haben“ und Bisexuelle hätten angeblich „Glück gehabt.“ Zu Transpersonen höre ich bisher kaum Vorurteile, da es bisher im Allgemeinen an Berührungspunkten mangelt. Auf jeden Fall ist zu sagen, dass ihre Arbeitsleistung häufig mit Vorurteilen herabgesetzt wird.

Welchen Personen aus der LGBT-Community fällt am schwersten in der Berufswelt Fuß zu fassen? Das hängt von der Branche, dem Land und dem jeweiligen Arbeitgeber ab. Ich würde allerdings sagen, dass es vor allem Transmenschen sehr schwer haben, einen geeigneten Arbeitgeber zu finden.

Warum hast du queere Jobbörsen ins Leben gerufen? Anfangs ging es wohl eher um meine eigene Neugier. Ich wollte einfach herausfinden, welchen Arbeitgebern es wirklich egal ist, ob man homo, hetero, trans, bi etc. ist. Bei der ersten Sticks and Stones hatten wir im ersten Jahr acht Unternehmen, mittlerweile sind es über 100 Arbeitgeber, die bei uns ausstellen und sich für LGBT einsetzen.

Wie empfindest du das heutige Verhalten von Mitarbeiten, Kollegen und Führungskräften in puncto sexuelle Orientierung am Arbeitsplatz? Ich kann nur für LGBT sprechen. Und hier sind nach wie vor mehr als die Hälfte der Mitarbeiter nicht geoutet. Selbst bei Unternehmen, die sich für LGBT einsetzen, outen sich viele Mitarbeiter nicht. Sie befürchten, dass sich ihr Outing negativ auf ihren Job auswirkt.

Welche Vorgehensweise würdest du Mitarbeitern empfehlen, um ihre Arbeitgeber bezüglich Diversity-Management zu sensibilisieren? Zahlreiche Studien belegen: Teams mit unterschiedlichen Persönlichkeiten finden kreativere Problemlösungen. Unternehmen, die die Vielfalt der Mitarbeiter wertschätzen, haben produktivere und loyalere Angestellte. Und die meisten Großunternehmen halten Diversität im Unternehmen mittlerweile für wichtig. Und wer möchte nicht gerne an einem Ort arbeiten, der von Toleranz und Respekt geprägt ist? Das versteht jeder Arbeitgeber.

Welche Organisation ist für dich ein absolutes Vorbild, was die LGBT-Kultur im Unternehmen betrifft? Es gibt mittlerweile zahlreiche Unternehmen, die sich für LGBT einsetzen. Hier fällt es mir schwer, nur einen Arbeitgeber zu nennen. Natürlich kann ich jedes Unternehmen empfehlen, das auf der STICKS & STONES ausstellt oder im HRC Corporate Equality Index aufgelistet wird.

Hast du für die Zukunft neue Projekte geplant? Wir veranstalten im Juli erstmals RAHM. Das ist der weltweit erste LGBTI Leadership Contest. Diesen organisieren wir mit der Unterstützung unserer Partner Google, McKinsey und SAP. Mit dem Wettbewerb bauen wir ein internationales Exzellenznetzwerk für LGBTI auf mit dem Ziel, die Sichtbarkeit von LGBT Vorbildern zu erhöhen.

www.sticks-and-stones.com

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