Henning von Berg – ein Mann, der heute zu den weltbesten Fotografen gehört. Seine Fotografien wurden in über 570 Publikationen und mehr als 60 Büchern veröffentlicht, zudem kann er auf Dutzende Ausstellungen in berühmten Galerien und Museen verweisen und das auf fünf Kontinenten.

Heute lebt der ehemals als Autodidakt gestartete Weltenbummler die Sommermonate über in Berlin. Die restliche Zeit des Jahres verbringt er in Kalifornien und Florida oder ist auf Reisen unterwegs. Wovon träumt ein so erfolgreicher Künstler in den besten Jahren? Er würde gerne in Asien und auf dem Mond noch Aktbilder fotografieren. Wir sind uns sicher, diesem Mann gelingt auch das noch. Mit seiner Lebensfreude hat er uns im Interview auf alle Fälle bereits begeistert.

Deine Bilder haben dich definitiv in der Welt bekannt gemacht. Jahr für Jahr bewerben sich bei dir auch mehr als 1.000 Models. Was muss ein Model haben, damit du mit ihm arbeiten kannst?  

Die Männer müssen eine besondere Ausstrahlung haben. Augen sind zum Beispiel immer spannend. Nach einer Vorauswahl lade ich die Models immer zu einem persönlichen Casting ein. Ich muss immer schauen, ob die Chemie stimmt. Gerade bei der Aktfotografie ist das sehr wichtig. Und ich muss sehen, wie sie sich bewegen. Das können ja traumhafte Muskelpakete sein, aber die Männer agieren trotzdem vielleicht steif und verkrampft. Wenn ich weiß, wie sich die Leute bewegen, entstehen bei mir Bilder im Kopf von der Location. Ich habe dann Ideen für verschiedene Motive, oftmals ergibt sich aber auch etwas direkt vor Ort. Es gibt meistens sowieso nur zwei Arten von Fotografen: Die einen geben ganz strikt vor, was das Model zu machen hat. Die anderen sagen einfach: Mach mal! Und beides ist sehr anstrengend für die Modelle. Ich versuche das zu kombinieren, lasse also gerne das Model mit seinen Ideen kommen und greife aber auch korrigierend ein.

In der Printausgabe des Boner Magazine konnten wir ja auch deine Bilder unzensiert zeigen – inklusive großer und sehr harter Schwänze. Wie läuft das beim Shooting selbst ab? Erregt dich manchmal ein Model?  

Nein. Beim Shooting on Location bin ich überhaupt nicht geil. Da habe ich manchmal die schönsten Männer der Welt vor mir, aber es rutscht bei mir in diesem Augenblick nie ins Sexuelle. Ich denke viel zu sehr an die Technik, die Inszenierung, das Licht, welche Einstellung, welche Farben oder Winkel ich benutzen möchte. Erst später, beim Ansehen der Bilder, denke ich mir manchmal, wow, das ist ja ein toller Kerl!

Für dich ziehen ja sowohl schwule wie heterosexuelle Männer gerne blank. Gibt es da für dich in der Arbeit einen Unterschied?  

Heterosexuelle Models agieren tatsächlich ganz anders vor der Kamera als schwule Männer. Die meisten heterosexuellen Kerle haben eine andere Herangehensweise. Die ziehen sich aus und haben sofort ein Rohr! Aber wegen der Spannung, der exhibitionistischen Situation, sie möchten gerne angestarrt werden. Erregt nur durch die Szene selbst. Schwule Männer dagegen haben oft ein Klischee im Kopf und meinen, sie müssten das bedienen und sich auf eine spezielle Art vor der Kamera bewegen. Aber das ist natürlich gekünstelt und dadurch falsch. Viele machen mich auch an, weil sie denken, sie kommen dann schneller in ein Buch. Ich trenne das aber sehr scharf, es würde ja auch sofort in der Community gequatscht werden. Ich habe genügend Spaß privat, ich brauche wirklich keine Models im Bett.

Stichwort Freiheit: Du hast mir erzählt, dass es selbst für dich manchmal schwierig ist, explizite Männerakte auszustellen. Gleiches berichten uns ganz viele Künstler!

Diese Prüderie nehme ich ganz deutlich wahr. Es beginnt ja schon in den Sportstudios, wo sich viele Männer unter der Dusche gar nicht mehr ausziehen wollen. Man sieht diese Entwicklung überall. Nacktheit wird immer mehr wieder zum Tabu. Es gibt da gerade in der jungen Generation eine große Form der Prüderie. Am Wannsee im FKK-Bereich zum Beispiel präsentieren die jungen Männer zwar gerne ihre Gucci-Badehosen, aber sie wollen sich nicht nackt zeigen. Dabei geht es bei FKK gar nicht um perfekte Körper oder große Schwänze, sondern um Natürlichkeit. Egal, wie man aussieht. Freiheit in der Natur.

Besuche Henning: http://www.henning-von-berg.com/