Ein sorgenfreies, bequemes Leben zu führen, alle Annehmlichkeiten zu genießen und von einem älteren Mann auch noch gefördert zu werden – klingt das nicht gut? Was für die einen eine Form der Prostitution darstellt, ist für die anderen einfach eine andere Art einer intimen Beziehung. Gab es nicht bereits im alten Rom ältere Männer, die junge Kerle in die Geheimnisse von Sex und Liebe eingeführt haben?

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Rechtlich bedenklich ist eine Sugardaddy-Beziehung nicht, solange der oftmals als Toyboy titulierte Junge volljährig ist. Die Rollen zwischen dem meist finanziellen Förderer und dem jüngeren Mann scheinen indes erfahrungsgemäß klar verteilt. Wer eine solche Verbindung allerdings nur auf die einfache Formel Sex-gegen-Geld herunterbricht, wird vielen dieser Beziehungen nicht gerecht.

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Natürlich spielt Sex auch eine Rolle, doch meistens dominieren darüber hinaus Themen wie Gedankenaustausch und ein gemeinsames Erleben der jeweils anderen unbekannten Lebensrealität. Ein älterer Mann kann Ruhe und Geborgenheit, Sicherheit und Weisheit weitergeben, während der junge Kerl die Leichtigkeit und Lebensfreude ins Rennen führen kann.

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Der eine gibt Stärke und Halt, der andere vertreibt vielleicht die Einsamkeit des Alters. In schwulen Metropolen wie Berlin, Wien oder Zürich zum Beispiel hört man auf Rückfrage auch oft die Antwort, dass junge Männer aus einer Laune heraus damit begonnen haben und inzwischen das Gefühl, begehrt zu werden, als äußert reizvoll empfinden.

Durch die Wisch-und-Weg-Mentalität vieler App-Nutzer ist es für manche Jungs sehr ansprechend geworden, ein Gegenüber zu erleben, das längerfristig und intensiv Interesse hat.

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Ein Sugardaddy ist gut für das eigene Selbstwertgefühl.

Die Gründe, warum zwei Männer unterschiedlichen Alters freiwillig eine solche Beziehung eingehen, sind sicherlich mannigfaltig. Fakt ist allerdings, dass diese Gemeinschaft immer gesellschaftsfähiger wird – egal ob homo- oder heterosexuell. Das ergab auch eine Umfrage des Portals MARKT.DE.

Demnach haben über vierzig Prozent der Befragten kein Problem mehr mit solchen, eher unkonventionellen Beziehungen. Jeder fünfte Kerl könnte sich auch problemlos vorstellen, selbst einmal ein Sugardaddy zu werden.

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Vielleicht ändert sich das Bild vom Sugardaddy auch deswegen innerhalb der Szene, weil der Wunsch nach einer festen Beziehung gerade bei jungen Schwulen von Jahr zu Jahr auf einem sehr hohen Level verweilt.

Rund neunzig Prozent der Jungs unter dreißig Jahren wünschen sich eine feste und vor allem auch längerfristige Beziehung, so eine Studie der Deutschen Aidshilfe. Dabei sind heutzutage drei von vier Jungs Single. Und selbst wenn sie eine Beziehung eingehen, dauert diese meist nicht länger als ein Jahr.

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Ganz anders sieht es da bei älteren Männern aus – neunzig Prozent der Männer über vierundvierzig Jahre blicken auf längere Partnerschaften zurück. Die Hälfte all jener älteren Kerle ist sogar seit mehr als elf Jahren mit dem Freund zusammen. Insgesamt sind beinahe sechzig Prozent der Daddys in einer Beziehung. Die Argumente von Langlebigkeit und Erfahrung sind also nicht von der Hand zu weisen.

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Trotzdem bleibt für manche der Beigeschmack einer gekauften Beziehung bestehen, in der der Jüngere ausgenutzt wird. Fragt man betroffene junge Männer selbst, sehen sie die Situation oftmals deutlich differenzierter. Zu einem wirklichen Abhängigkeitsverhältnis komme es nur, wenn es ein sehr starkes Gefälle zwischen arm und reich gibt.

Kurz gesagt, wenn dem jungen Mann keine andere Möglichkeit bleibt, seinen Lebensunterhalt zu verdienen und er im Härtefall sonst auf der Straße landen würde. Abseits dieser Extremsituation kann ein solches Verhältnis aber durchaus auf Augenhöhe stattfinden, wenn beide Partner auch Vorteile daraus ziehen und darüber hinaus emotional eine Verbindung aufbauen.

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Besteht nicht sogar ein ganz ähnliches bindendes Miteinander bei vielen älteren, heterosexuellen Paaren, wenn der Mann noch ganz klassisch zur Arbeit geht und die Frau zu Hause bleibt und die Kinder erzieht? Das Abhängigkeitsgebilde ist ähnlich, nur gesellschaftlich deutlich stärker akzeptiert unter dem schweren Mantel der althergebrachten Traditionen.

Bleibt also vorerst der Altersunterschied als Kritikpunkt bestehen und vielleicht die als Provokation empfundene Tatsache, dass hier zwei Menschen sehr klar ihre Gemeinsamkeit definiert haben. Ehrlicher als in vielen anderen konventionellen Beziehungen wahrscheinlich. Aber dürfen Lebensjahre oder Aufrichtigkeit wirklich noch immer als Gegenargumente im 21.Jahrhundert Bestand haben?  

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Kommen wir noch einmal zurück zum Thema Sex – wie sieht es da im Detail aus, wenn man genauer nachfragt? Einige junge Männer finden gerade ältere Kerle sehr attraktiv, anderen ist jede Form von Alterserscheinung ein Dorn im Auge. Ein junger Berliner, der seit einigen Jahren mit einem Sugardaddy zusammenlebt, bringt es gegenüber dem Boner Magazine so auf den Punkt:

„Der Sex macht Spaß, einfach auch, weil ich generell gerne Sex habe. Trotzdem ist das eine Sache von vielleicht zwanzig Minuten. Die restlichen Stunden verbringen wir mit Gesprächen und tausend anderen Dingen. Sex ist also wirklich nicht das zentrale Thema!“

Befragt man auf der anderen Seite auch Sugardaddys zeigt sich ein ähnliches Bild: Natürlich ist Sex mit einem jungen Mann positiv besetzt, doch viele ältere Männer wünschen sich eine feste Bezugsperson und sind ständige kurzlebige Dates leid. Es erscheint logisch, denn würde es sich nur um Sex drehen, wäre ein Callboy mit Sicherheit die kostengünstigere und schnellere Alternative.

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Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass eine Sugardaddy-Beziehung durchaus seine Berechtigung haben darf, wenn beide gleichberechtigt und freiwillig daran teilhaben. Wenn Ehrlichkeit und Offenheit die Eckpfeiler sind und von beiden Seiten keine gesteigerte Abhängigkeit vorhanden ist.

Wer sich aus blanker Not heraus einen Sugardaddy sucht, läuft Gefahr, auf Dauer gerade auch emotional Schaden zu nehmen. Ähnlich verhält es sich bei jungen Männern, die sich nur mit Ekel dazu überwinden können, mit einem älteren Mann Sex zu haben. Wer allerdings als junger Mann gefallen an Älteren findet und einen Sugardaddy als Spielart seiner eigenen Wünsche und Bedürfnisse definiert, kann auch längerfristig Freude und Erfüllung finden.

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Wenn wir eine Beziehung ernsthaft führen, erleben wir immer Abhängigkeiten – ein ganz automatischer Vorgang, weil wir im positiven Sinn abhängig von einem Mann werden, den wir emotional in unsere Welt hineinlassen; der uns wichtig ist.

Doch sollten wir nicht den Fehler begehen, leichtfertig ein pauschales Urteil über andere Formen von beziehungsgebundenen Verbindlichkeiten zu fällen – denn eine Beziehung zwischen zwei Menschen ist immer auch genau das: eine persönliche und individuelle Entscheidung, die auch nur diese beiden Menschen interessieren sollte.

 

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