„Sonnenseite!“, ächzt Veronika. Sie ist die Kraft hinter dem Club Culture Houze direkt am Görlitzer Park, Südseite. Aber jetzt in der Hitzewelle, die Berlin in ein Koma kickt, sind wir verabredet und müssen beide unseren Mann stehen. Es ist noch früh am Abend, aber die ersten Gäste sind schon da, und Veronika führt mich in den kühleren Teil des Clubs, mit den geilen Spielwiesen. Die Spielregeln: das Prinzip von Respekt. Ehrlich und herzlich!
Es ist Donnerstag, und die Veranstaltung „Piglets and Pervs“ steht im Kalender. Was ich nicht wusste: heute gehören viele Heteropärchen zu den Gästen. Schlecht recherchiert, denke ich mir, und tue so, als wäre ich nicht überrascht, als auf einmal sehr attraktive Frauen hier nackt ihr Terrain erkunden. Alle sind hier selbstbewusst, nur ich bin es nicht. Meine kurzen Ledershorts geben mir noch das Gefühl zu sehr bekleidet zu sein. Veronika durchsschaut mich, aber ihr Charme lässt mich schnell spüren, dass ich willkommen bin, und so reden wir.

Was verbindet Deine Gäste?

Wir haben natürlich rein schwule und rein lesbische Veranstaltungen, aber eben auch Bis und Heterosexuelle und Transgender als Gäste an anderen Tagen. Von daher schon sehr unterschiedlich. Wir bieten einen safe space. Die größten gemeinsamen Nenner wären aber: sexy, frei und ergebnisorientiert. Hier geht keiner ungefickt raus!

Ihr feiert demnächst Geburtstag?

Im November gibt es uns 15 Jahre. Aber zum ersten Mal feiern wir einen Geburtstag überhaupt. Das Team hat sich das so sehr gewünscht, das wir eine ganze Woche lang besondere Veranstaltungen machen werden, aber noch will ich nicht zuviel verraten.

„Hier geht keiner ungefickt raus!“

Was hat es mit dem merkwürdigen Namen auf sich?

Ha, das weiss eigentlich keiner. Er war als Hommage an Culture Club und Boy George gedacht, der sich nie definieren wollte. Und Houze wegen elektronischer Musik, gern Deep House etc aber da sind wir ebenso wenig festgelegt. Ich selbst finde es überholt sich einzuordnen und einordnen zu lassen, sexuell sowie gesellschaftlich. Wir wollten damals einen Ort schaffen, an dem das nicht nötig ist.
Veronikas Blick schweift ab als immer mehr unbekleidete, sehr gut gebaute Männer sowie Frauen nach und nach eintreffen. Sie blicken mich neugierig an und ich zurück. Verschmitze Menschen, die mich auf Sex untersuchen. Ich bin weniger nervös als vorher, aber frage mich, was ich hier eigentlich suche, stelle mein Bier ab und nehme meinen Fragebogen zur Hand.

Was liebst Du an Berlin?

Dass man hier interessant ist, unabhängig von Leistung. Ich mag die Berliner Mundart, und dass es hier nichts bringt zu lügen. Man muss nett sein, um etwas zu erreichen.

Wie bist Du dazu gekommen, das Club Culture Houze zu betreiben?

Man hat meinem besten Freund Bernd den Laden angeboten. Das Konzept hatte sich ergeben. Damals hat man eben Sex-Clubs wie u.a. das Kit Kat gegründet. Ich denke wir waren offen dafür und verrückt genug, es selbst zu machen. Nach Bernds Tod war ich nicht sicher, was wird. Wir waren uns sehr nahe und ich habe ihn bis zum Schluss begleitet. Ich wusste nicht, ob ich weiterziehen sollte. Aber das Club Culture Houze war da schon lange ein Zuhause für mich. Mit Freunden, die ich seit vielen Jahren kenne und liebe.

Wir sind durstig und beschliessen an die Bar zu gehen, und ab jetzt privat zu sein. Am Tresen wird es schnell voll und gesellig. Stammgäste und Personal feiern gemeinsam und wir lachen viel. In einer Ecke sitzen drei kerlige schwule Norweger. Aus dem Playroom am anderen Ende der Bar tönen extatische Schreie einer wohl sehr glücklichen Frau.

Plötzlich tritt ein nackter Typ an mich und meinen Nebenmann heran, fasst uns in den Schritt und grinst dabei herausfordernd. Ich lache, packe seinen harten Schwanz und wichse ihn ein wenig, worüber er sich sehr freut. Ein paar Barhocker hinter ihm beobachtet uns eine Frau amüsiert. Ich verstehe: Hier hat jemand auf Anweisung gehandelt. Gerade eben war es noch lustig, jetzt wird das Ganze auf einmal sehr sexy. Weit nach Mitternacht verlasse ich das Club Culture Houze.
Manchmal denkt man, dass Leben ist verrückt. Als Schwuler erlebt man echt andere Abenteuer, als die Heteros, Lesben oder Bis oder Transgender oder… was überhaupt? Aber Veronika weiss es besser. Das Leben ist nicht verrückt, sondern genial, wie mein heutiger Abend. Und sie hat nicht zuviel versprochen: Keiner geht hier ungefickt raus.

Torsten Schwick für Boner Magazine

Club Culture Houze | Görlitzer Straße 71 | 10997 Berlin – Kreuzberg
Tel. 617 09 669 | www.club-culture-houze.de | kontakt@club-culture-houze.de

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