Schlag mich! Los, zeig´s mir!

Die Lust an der gewaltvollen Züchtigung – was bei einigen nur ratlose Blicke auslöst, sorgt bei anderen für freudig schimmernde Augen. Und in der Tat lässt sich viel Faszinierendes finden, begibt man sich einmal auf die Suche nach den Ursprüngen und der heutigen Herangehensweise des Spankings.

Religiös motivierte Flagellanten in der Chronik von Hartmann Schedel (1440–1514)

Der Begriff selbst ist ein relativ neuer und fand erst in den letzten dreißig Jahren Einzug in unseren Sprachgebrauch. Im Englischen stand Spanking ursprünglich für die Züchtigungen an den Schulen, speziell in Großbritannien war der Schlag mit dem Rohrstock gängige Praxis.

Die Lust daran ist indes viel älter, es gibt bereits etruskische Wandmalereien, die vor rund 2.600 Jahren entstanden sind und von meist religiös geprägten Züchtigungen und Selbstgeißelungen, den sogenannten Flagellanten, Zeugnis geben.

Etruskische Wandmalerei im „Grab der Züchtigung“,Tarquinia (IT), ca. Ende 600 v. Chr.

Jahrhunderte später bekannten sich berühmte Persönlichkeiten wie zum Beispiel der schweizerisch-französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) oder auch die deutsche Museumsgründerin Charlotte von Mahlsdorf (1928–2002) zu dieser sexuellen Spielart.

Andere begeisterte Anhänger waren der Marquis de Sade oder der Schriftsteller Algernon Swinburne. Er verband auf lustvolle Weise das Spanking mit den Erlebnissen, die er als Junge am Eton College erlebt hatte.

Und in der Tat scheint bei den meisten heutigen Anhängern des Spankings, das Gedankenspiel rund um die schulischen Züchtigungen eine wichtige Rolle zu spielen, so Spanking-Fachmann Robert Silbermann vom Berliner SM-und Fetischclub Böse Buben:

„Die Männer, die das vermehrt wollen, gehören meistens der älteren Generation an. Oftmals kennen die noch Schläge zur Züchtigung von ihrer Jugend her. Wer nicht brav ist, bekam einen Klatscher auf den Arsch. Die fanden das damals irgendwie schon spannend, viele hatten auch eine Erektion dabei. Wenn die heute bei uns gezüchtigt werden und Schläge auf den Arsch bekommen, dann werden sie plötzlich in ihre Jugendzeit zurückversetzt. Sie können dann noch einmal die Rolle eines Jugendlichen einnehmen, der etwas angestellt hat. Das ist wirklich eine Zeitreise.“

Martin und Robert von den Bösen Buben Berlin

Dieser Trip in die Vergangenheit ist allerdings für immer weniger Männer noch von Interesse, denn die Generation derjenigen, die noch gewaltsam gemaßregelt wurden, stirbt langsam aus. Das Interesse selbst ist indes eines, das sich auch bei jungen Männern findet und der Böse-Buben-Verein ist deutschlandweit hier der wichtigste Ansprechpartner.

Vorstand Martin Schenk von Waldow fasst es mit einem verschmitzten Lächeln so zusammen:

„Wir sagen immer, wir sind der Club voll fürn Arsch. Bei uns gibt es was drauf und was rein. Die Kernkompetenzen der Bösen Buben sind Spanking und Fisting. Und in der Regel sind die Leute, die zu uns kommen, sehr aufgeschlossen und neugierig.“

Angst zu haben braucht niemand, der einmal unbefangen und interessiert in diese Fetischrichtung hineinschnuppern will.

Doch was ist Spanking eigentlich genau und wie funktioniert es wirklich?

Das erotische Spanking kann sehr unterschiedlich ausgeübt werden und reicht von leichten Klapsen bis zu härteren Gangarten. Die Schläge können dabei mit der flachen Hand oder mit einem Hilfsmittel wie etwa einem Rohrstock, einer Peitsche oder einem Teppichklopfer ausgeteilt werden. Dabei konzentriert man sich im Wesentlichen nur auf den Arsch.

Für Robert Silbermann ist dabei der Rohrstock die erste und einzige Wahl:

„Du hast da eine sehr begrenzte Spielfläche von vielleicht zwanzig Zentimetern und ich kann damit jeden Schlag genau dort platzieren, wo ich ihn haben will. Das ist sehr präzise. Bei einer Peitsche geht das nicht. Du kannst bei dem Rohrstock auch eine enorme Spannung herstellen, denn so ein Rohrstock pfeift ja richtig, wenn er durch die Luft saust. Da schwingt immer die Frage durch den Raum: Schlägt er jetzt wirklich zu, oder nicht?“

Auch Martin Schenk von Waldow findet diese Anspannung besonders prickelnd:

„Man kann auch ordentlich durchziehen und kurz vorher abrupt stoppen oder nur ganz kurz drüberziehen. Erfahrungsgemäß kneift man beim ersten Schreck den Arsch zusammen. Am besten funktioniert es aber, wenn man sich komplett entspannt. Locker lassen und einfach geschehen lassen.“

Genau diese entspannte Grundeinstellung ist für beide Seiten wichtig, wenn es wirklich Spaß machen soll. Robert Silbermann:

“Der Fehler, der vielen anfangs passiert, ist, dass sie es nicht mit Gefühl machen. Man muss sich langsam daran tasten, langsam anfangen, damit der Po ein wenig warm wird. Erst leichte Schläge mit der Hand und erst dann kann man das nach und nach steigern. Wichtig sind auch gleichmäßige Schläge, sodass man sich daran gewöhnen kann. Kerle mit wenig Erfahrung schlagen oft einfach wild drauf los, dann erschreckt sich das Gegenüber meistens, es entstehen ungewollte Schmerzen – gerade mit dem Rohrstock. Und der Spaß bleibt so dann auf der Strecke.“

Wie in vielen anderen Fetisch-Spielarten ist es also ratsam, sich Zeit zu lassen und von den Profis zu lernen. Am besten einfach erst einmal bei einer Spanking-Veranstaltung zuschauen. Hat man danach Lust auf mehr bekommen, sollte man sich einen ordentlichen Rohrstock anschaffen.

Dieser muss an den Enden abgerundet sein. Zudem sollte er so lang sein, dass er über die Hüften hinaus geht. Ein guter Rohrstock muss zudem auch gepflegt werden, also regelmäßig gewässert und mit Sandpapier geschliffen werden. Martin Schenk von Waldow dazu:

“Ach, so ein Baumarkt ist ja eigentlich ein einziges SM-Ausstattungsstudio, wenn man da einmal genauer hinguckt.“

Neben der Ausstattung trägt allerdings auch der aktive Part viel Verantwortung mit sich. Man muss den Empfänger der Schläge auffangen, anleiten und mit ihm gemeinsam die Hürden nehmen. Es verbieten sich zudem natürlich auch Schläge abseits des Arsches wie zum Beispiel auf die Nieren.

Und auch beim Spanking gilt es, ein Safe Word oder anderweitig klare Regeln festzulegen, so Robert Silbermann weiter:

„Wenn jemand gespankt wird, dann gibt es da bei mir „Stopp“ und „Halt“. Bei „Stopp“ gibt es eine kleine Pause, wobei ich die Länge bestimme. Bei „Halt“ dagegen ist es erst einmal vorbei.“

Robert Silbermann greift gerne auch kurzfristig bei Veranstaltungen ein, wenn klar wird, dass die Beteiligten keine Ahnung haben, wie es richtig geht oder einfach wild drauf losschlagen. Spanking ist nicht nur eine Fetischspielart, sondern auch eine Kunstform, die sich stetig verfeinern lässt.

Und wie sieht es mit den Schmerzen aus? Wenn man es richtig macht, sind diese gar nicht so dramatisch, zudem ist der Striemen auf dem Arsch normalerweise in drei Tagen verheilt. Silbermann weiter:

„Wenn man langsam anfängt, dann bekommt der Arsch so ein richtiges Polster. Er wird rot, die Durchblutung wird stark gefördert und zum Schluss hast du so eine richtige harte Platte auf dem Arsch. Hinterher hast du einen ganz heißen Arsch und wenn du dich hinsetzt, entsteht da ein richtig angenehmes, warmes Gefühl. Ich fühle mich danach immer sehr befreit!“

Natürlich ist das Schmerzempfinden bei jeder Person anders, zudem kommt es auch darauf an, welche Gegenstände man benutzt. Ein Teppichklopfer schmerzt da deutlich mehr, weil er eine größere Fläche abdeckt. Ein Holzpaddel ist etwas sehr starres, sodass es mehr Prellungen erzeugt. Der Rohrstock ist ein dünnes und präzises Instrument, im besten Fall greift man zu einer hochwertigen Variante wie einer Weidenrute.

Bis heute ist das professionell betriebene, moderne Spanking noch eine Nischenleidenschaft, in Ländern wie Frankreich oder den Niederlanden gibt es spezielle Treffen dieser Art. In Deutschland decken die Bösen Buben den Markt ab. Martin Schenk von Waldow dazu:

„Bei uns ist das durchschnittliche Alter der Besucher 35+ und bei den Spanking-Abenden ist es noch einmal deutlich älter. Aber, es gibt durchaus Jüngere, die auch diesen Erziehungs-Kick suchen. Da kommen dann die Jungs zu uns und sagen: Ich brauch´ mal wieder den Arsch voll. Zudem gibt es noch jüngere Kerle, die einen Kick dabei erleben, wenn sie einem gestandenen Mann eins drüber wischen. So oder so, Spanking ist eine sehr spezielle Sache, aber wer das einmal raushat, dass es wahnsinnig geil machen kann, der ist wirklich fasziniert davon.“

Trotz alledem fehlt auch bei den Spanking-Freunden der Nachwuchs. Viele junge Männer betreiben das Spanking nicht ernsthaft, sondern es reicht ihnen, eine Peitsche zu kaufen und zwei Minuten lang diese ins Liebesspiel einzubauen. Im Grunde wird das Spanking hier zu einem von vielen möglichen und austauschbaren Dominanz-Spielchen. Robert Silbermann noch einmal:

„Je jünger man ist, desto mehr ist man aufs Ficken und Abspritzen fixiert. Und wenn man das nicht bekommt, geht man unglücklich nach Hause. Die älteren Männer sind dagegen oftmals schon glücklich, wenn sie zuschauen oder jemanden anfassen können. Da überträgt sich etwas zwischen zwei Menschen. Wir haben alte Männer jenseits der achtzig Jahre, die uns erzählen: Die sexuelle Phantasie findet immer statt. Das Alter spielt da keine Rolle. Es ist eine Kopfsache. Der Brainfuck ist dabei immer das Wichtigste!“

So zeigt sich am Ende, dass die Leidenschaft fürs Spanking wie so viele andere Fetische oftmals falsch interpretiert und leichtfertig und unverstanden in eine Schmuddelecke abgeschoben wird. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall:

Männer, die eine Liebe für das Spiel mit der Züchtigung ausleben, erleben den größten Kick nicht physisch, sondern mental. Ein Erlebnis, das oftmals den normalen Sex in den Schatten stellen kann. Martin Schenk von Waldow:

„Ich war damals wahnsinnig stolz nach meiner ersten Session. Hinterher bin ich durch die Stadt gelaufen und habe all meinen Freunden den Striemen gezeigt.“

Durch die Corona-Krise ist auch der Böse-Buben-Verein arg gebeutelt worden – wenn du Fragen hast zum Spanking, den Club unterstützen willst oder anderweitig Lust auf den Bereich Fetisch hast, klick dich einfach zu den  BÖSE BUBEN BERLIN.

Copyright Bilder: Helix Studios

 

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