Die sexy Klamotten von Maskulo sieht man derzeit wirklich überall. Wie erschafft man eine Marke, die Gays auf der ganzen Welt begeistert. Der Marketing-Chef und Eigentümer von Maskulo, Bulat Barantaev, hier im BONER-Interview. 

Wie seid ihr darauf gekommen, Maskulo ins Leben zu rufen? Das war im Juni 2014. Mein Freund Artem und ich waren zum CSD in Berlin. Beim Shopping stießen wir auf ein Paar Fetisch-Shorts, die uns beiden sehr gefallen haben. Artem meinte dann: „Die sind so einfach genäht, aber kosten trotzdem 100 Euro!“ Darauf fragte ich ihn: „Kannst du die selber machen?“ Artem ist ein Experte für Modedesign und ich ein Experte für Marketing. Die Geschäftsidee ergab sich an dem Tag. Es folgten die ersten Verkäufe bei eBay, etwas später fanden wir den Namen für das Unternehmen und entwarfen das Logo. Danach ging die Website live. Ich erinnere mich noch, wie wir die ersten Fotoshootings durchgeführt haben – alles direkt in unserer Wohnung gedreht und mit Models, die wir über über Social Media gefunden haben. Sowohl Artem als auch ich mögen fleischige und muskulöse Männer, und dies ist auf den ersten Fotos auf der Maskulo-Instagram Seite zu sehen. Dann wurde uns klar, dass alle Jungs verschieden sind und jeder seine Männlichkeit zeigen möchte. So entschieden wir uns, verschiedene Designs zu probieren.

Was war dein bisher schönster Moment mit der Firma? Ich glaube, das ist momentan. Helsinki, Los Angeles, Bangkok, Berlin – überall trägt man Maskulo. Wenn ich in die Clubs gehe, freue ich mich, viele unserer Klamotten zu sehen. Die Nachfrage ist sehr hoch. Und in jedem Land gibt es Maskulo-Fans, obwohl die Marke erst 4 Jahre alt ist! Normalos, Models und sogar Pornostars lieben die Marke. Es gibt übrigens viele Pornostars, die mir Angebote machen, um eine gute Zeit miteinander zu verbringen. Das schmeichelt mir natürlich. Ich genieße gerade auch sehr, dass die Geschäftsprozesse mittlerweile in unserem Unternehmen strukturiert sind. Profis arbeiten in jeder Abteilung: Entwicklung, Marketing, Online-Werbung, Fotoshootings, Produktion, internationale Lieferungen und Verkauf – wir sind bereit, dieses Jahr große Sprünge zu machen.

„Es ist ein Geschäft und ich zahle Steuern an die russische Staatskasse. Deshalb lassen sie mich in Ruhe.“

Wo lebst du jetzt? Wir haben ein Büro und ein Lager in Berlin sowie ein Back Office und eine Produktionsstätte in Sibirien. Artem und ich fliegen also viel hin und her. In Deutschland können wir näher am Kunden sein. Es herrscht hier eine entspanntere Atmosphäre, es gibt weniger Stress. Unsere russische Dynamik und unser Unternehmergeist passen gut dazu. Ich werde oft gefragt, wie man in einem Land schwule Fetischbekleidung produzieren kann, in dem die Gesellschaft so intolerant gegenüber Homosexualität ist. Tatsächlich hat es die schwule Community in Russland schwer. Ich selbst wurde vor einigen Jahren verfolgt und angegriffen, als ich zu den Wahlen der Staatsduma der Russischen Föderation kandidierte. Jetzt bin ich nicht mehr in der Politik und mache Maskulo. Es ist ein Geschäft und ich zahle Steuern an die russische Staatskasse. Deshalb lassen sie mich in Ruhe. Trotz meiner Abkehr von politischen Angelegenheiten unterstützen Artem und ich weiterhin einige demokratische Organisationen. Und seit Mai 2018 finanzieren wir die Hotline für die russische LGBT-Gemeinschaft, die die russische LGBT+-Community und Freunde von LGBT+-Leuten unterstützt. Sie bieten psychologische, rechtliche und sonstige Unterstützung.

Wer ist für das Design verantwortlich? Artem entwirft die Sachen und leitet die ganze Abteilung, in der es Designer, Näherinnen und viele andere Kollegen gibt. Der größte Teil unseres Teams ist heterosexuell. Aber es gibt ein paar Schwule und Lesben, alles echte Experten auf dem Fetisch-Gebiet. Einige von ihnen stehen auf Skinhead-Looks, andere bevorzugen Spandex und Gummi, wieder andere auf Street Culture. Aus dieser Vielfalt an Vorlieben ergibt sich das Maskulo-Sortiment. So entstehen unterschiedliche Kollektionen für unterschiedliche Zielgruppen. Bei uns kann jeder etwas finden.

„Der größte Teil unseres Teams ist heterosexuell. Aber es gibt ein paar Schwule und Lesben, alles echte Experten auf dem“ 

Was bringt das Jahr 2019 für euch? Wir erhalten ständig neue Angebote von Käufern. Manche wollen unsere Designs verbessern oder völlig neue Modelle entwerfen. Vieles läuft über unsere Social Media Kanäle. Ganz oft sind diese Vorschläge völlig genial. Wir wollen dieses Jahr noch mehr zuhören und uns auf die Meinung unserer Verbraucher verlassen. Wer also Ideen hat, bitte bei uns melden. Wir planen für 2019, unsere Marke bei Fetisch-Festivals und großen Gay-Events weltweit zu etablieren. Maskulo wird dort also auch als Partner und Sponsor auftreten. udem wollen wir unsere Kunden weiterhin mit unseren Kollektionen begeistern: Uniformen, Sportbekleidung, Clubwear. Als Überraschung kommt auch eine eigene Strandkollektion. Wir alle wissen, dass es einige Körperteile gibt, bei denen man gerne etwas mehr Volumen zeigt! Ich will aber nicht zu viel verraten.

Wenn du eine Vision für die schwule Community hättest, wie sehe die aus? Ich bin eigentlich kein Träumer, eher eine Person mit einem logischen Verstand. Ich sehe, dass wir uns gerade in einem historischen Prozess befinden. Ich bin überzeugt, dass die LGBT+-Gemeinschaft in den nächsten fünfzig Jahren zuerst in den am meisten entwickelten Ländern und dann überall voll integriert sein wird. Außer vielleicht in stark unterentwickelten Zivilisationen. Wir werden uns in der Gesellschaft auflösen, da die Menschen uns auf dieser Basis nicht mehr unterscheiden werden. Wir können das bereits in Pionierländern wie Spanien beobachten, wo mehr als 80% der Bevölkerung LGBT+-Menschen ganz neutral behandeln. So ist etwa die Relevanz von Gay-Bars bereits rückläufig. Heteros, Schwule und Lesben können sich auf denselben Partys vergnügen, und es gibt keine großen Dramen mehr, wenn ein Schwuler mal aus Versehen einen Hetero anbaggert. Vielleicht müssen mittlerweile nur noch Trans-Leute kämpfen.

Interview: Torsten Schwick

Was denkst du darüber?