Wer kennt das nicht: Man sieht einen leckeren Kerl, spricht ihn an und er hat nichts besseres zu tun, als einem die kalte Schulter zu zeigen. Aber so schmerzlich und frustrierend das auch ist, es macht einen stark und festigt den Charakter. Ausserdem wäre es mit so einer Zicke im Bett eh nichts geworden. Doch genau diese Erfahrung machen immer weniger junge Männer. Nun warnen Wissenschaftler vor einer Krise, der in erster Linie ein Mangel an positiven männlichen Vorbildern zu Grunde liegen soll.

Der US-Psychologe Philip Zimbardo hat sich Anfang der Siebzigerjahre mit dem Stanford-Prison-Experiment einen fast geschichtlichen Namen gemacht. Die wahre Geschichte der Studienteilnehmer, die in einem simulierten Gefängnis Wärter und Gefangene „spielten“, landete sogar im Kino („Das Experiment“, Regie: Oliver Hirschbiegel). Der Versuch musste seinerzeit abgebrochen werden, da die Wärter sadistische Neigungen entwickelten und die Situation außer Kontrolle geriet. Im Mai erschien sein neues Buch. „Man (Dis)connected“, in dem er fragt, inwiefern Technologie die männliche Identität sabotiert.

Der Konsum von Computer-Spielen und Internet-Pornografie findet zunehmend in sozialer Isolation statt, die jungen Männer werden somit einsam und in der Folge scheu. Sie verlernen wie man kommuniziert, wirbt, verführt und auch Rückschläge einsteckt. Dies leitet er aus einer Umfrage mit über 20.000 Beteiligten ab, von denen fast 40% unter 25 Jahre alt sind. Angeblich zeichne die Teilnehmer eine Gemeinsamkeit aus: Es fehlen die Väter, also männliche Vorbilder, die Ihnen die Vorzüge echter sozialer Interaktion vorleben. #Und wo ist das Problem? Der Trend zur und die Wichtigkeit einer digitalisierten Kommunikation sind nicht von der Hand zu weisen. Doch spricht Zimbardo auch immer wieder gerne öffentlich von dem „Niedergang der Jungs“*, da im Cyber-Leben echter Austausch fehlt. Ein Gefühl für eigene und fremde Körpersprache werde nicht entwickelt, was wiederum die sozialen Fähigkeiten einschränke und zu noch mehr Isolation führe.

Viele junge Männer fremdeln im Umgang mit einem potenziellen Partner, und leiden unter Unbehagen in Gesellschaft, Erektionsstörungen und Angst vor Intimität. Die Gehirne würden „digital neu vernetzt“, sagt er deutlich, und beschreibt eine Art von Umprogrammierung dieser speziellen Gruppe. Das Belohnungszentrum des Gehirns reagiert auf gewisse Reize in einer zwischenmenschlichen Beziehung und diese werden zunehmend durch digitale Reize ersetzt. Eine Lösung für dieses Problem hat er aber auch nicht. „Mein Job ist es, darauf hinzuweisen, kümmern müsst ihr euch darum“.

Es liegt ja in der Natur der Sache, dass Schwule selten zufällig Väter werden. Aber auch schwule Jungs brauchen Vorbilder im echten Leben, die sich versammeln, flirten, diskutieren und vor allem rauskommen. Zum CSD etwa, aber auch auf den Straßen, in den Bars und Clubs im Alltag. Das Stanford-Gefängnis war simuliert. Die Umstände bei dieser Umfrage nicht und dieses Experiment kann nicht abgebrochen werden. Wir können uns alles leisten, aber keine Generation mit Erektionsstörungen.

Torsten Schwick

*Videolink zu Dr. Philip Zimbardo: www.youtube.com/watch?v=FMJgZ4s2E3w

© Bilder 1 +2 Archiv Schwules Museum Berlin

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