Eine Amsterdamer Arbeitsgruppe berichtet vom Fall einer HIV-Infektion mit einem Virus ohne Resistenzen gegen die PrEP-Pille und einem eigenartigen Muster der Antikörperbildung bei wohl dauerhaft guter Einnahmetreue. Der 50-jährige schwule Mann nahm seit acht Monaten eine tägliche PrEP. Er berichtete über zahlreiche Sexkontakte, davon häufig mit aufnehmendem, kondomlosen Analverkehr. Auch verschiedene Drogen wurden dabei konsumiert, zum Teil mit intramuskulärer Injektion von Ketamin. Hier wurden aber nach seinen Angaben jeweils sterile Utensilien verwendet.

Der HIV-Test war am Tag des PrEP-Beginns, sowie nach ein, drei und sechs Monaten negativ. Nach 8 Monaten kam der Mann in die Klinik, weil er Fieber und Probleme beim Wasserlassen hatte. Der HIV-Antikörpertest erwies sich als positiv, zudem wurden eine anale venerische Lymphknotenentzündung sowie eine E.coli-Infektion in der Harnröhre diagnostiziert.

Ein Fall, der unterstreicht, wie wichtig die regelmäßigen HIV-Tests während einer PrEP – aber insbesondere auch vor Einleitung der PrEP – sind.

Um die Diagnose einer HIV-Infek­tion zu sichern und eine mögliche Resistenz­entwicklung zu verhindern, wurde die PrEP abgesetzt. Nach 27 Tagen war die Viruslast positiv (und es wurde eine Behandlung mit TDF/FTC/DRV/r (Truvada®/Prezista®/Norvir®, einmal täglich) und DTG (Tivicay®, zweimal täglich) eingeleitet. Die Autoren mutmaßen, dass vielleicht die große Menge an übertragenem Virus (der Mann hatte wirklich viel Sex …) gepaart mit Schleimhautverletzungen durch sexuelle Aktivität und sexuell übertragene Infektionen zu einer lokal begrenzten Infektion geführt haben könnte, die erst nach Absetzen der PrEP systemisch wurde.

Eine viel näher liegende Vermutung diskutieren die Autoren leider nicht: Der Mann könnte sich in den Tagen unmittelbar vor Einleitung der PrEP infiziert haben. Durch die PrEP blieb die Infektion dann eben zunächst begrenzt – mit einer minimalen Reaktion des Immunsystems – und erst nach Absetzen kam es zur Vermehrung des Virus im ganzen Körper und Ausbildung weiterer Antikörper.

Insgesamt ist dies ein interessanter Fall, der unterstreicht, wie wichtig die regelmäßigen HIV-Tests während einer PrEP – aber insbesondere auch vor Einleitung der PrEP – sind. (pi) 

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