Der Kölner Apotheker Tenberken hat eine Lösung gefunden, um die HIV-Prophylaxe in Form der PrEP bezahlbar anzubieten: Das Medikament kauft er zum Vorzugspreis beim Generika-Hersteller Hexal und verpackt es neu in Durchdrückverpackungen, sogenannte Blister. Es entsteht somit ein neues Präparat, das nur für die Prophylaxe zugelassen ist. Der Verkauf des HIV-Medikaments für die Therapie bleibt unberührt. Für die Prophylaxe kann Tenberken darum 28 Tabletten für 51 Euro anbieten.

Das soll noch diesen September geschehen. Bislang waren Truvada und ein Generikum zu diesem Zweck für Menschen mit hohem HIV-Risiko zwar zugelassen, mit mehr als 800 beziehungsweise 600 Euro für die meisten Menschen aber unerschwinglich. Auch Ulf Hentschke-Kristal, Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) freut sich: „Die 50-Euro-PrEP ist ein Durchbruch. Sie verschafft Menschen endlich Zugang zur Prophylaxe, die sie dringend brauchen. Die Lösung ist dieses Modell aber noch nicht: Zum einen ist die PrEP nicht überall verfügbar, zum anderen können sich auch 50 Euro nicht alle Menschen leisten. Wir brauchen einen flächendeckenden, über die Krankenkassen finanzierten Zugang zur HIV-Prophylaxe.“

Die PrEP könnte in Deutschland bis zum Jahr 2030 rund 9.000 HIV-Infektionen verhindern

Eine neue Studie zur Kosteneffizienz, die ebenfalls auf der dagnä-Tagung vorgestellt wurde, zeigt zugleich: Die PrEP könnte in Deutschland bis zum Jahr 2030 rund 9.000 HIV-Infektionen verhindern und damit auch Therapiekosten; sie rechnet sich auch ökonomisch. Sinkt der Preis unter 500 Euro pro Monat, spart die PrEP unterm Strich Kosten.

Bisher kostet das Originalpräparat Truvada mehr als 800, das Hexal-Generikum rund 600 Euro pro Monat. Immer mehr Menschen weichen darum auf Generika aus dem Ausland aus, die sie online bestellen. Wenn sie diese Medikamente dann ohne ärztliche Begleitung einnehmen, können mangelnder Schutz, weitere Gesundheitsrisiken und Resistenzbildungen die Folgen sein. Regelmäßige HIV-Tests und andere medizinische Untersuchungen sind bei der PrEP unerlässlich, auch wegen möglicher Nebenwirkungen und anderer sexuell übertragbarer Infektionen.

Chancen der PrEP ergreifen

„Deutschland muss die enormen Chancen der PrEP endlich ergreifen, statt die Risiken einer Anwendung im Graubereich in Kauf zu nehmen“, betont DAH-Vorstand Ulf Hentschke-Kristal. „Ein regulärer Zugang würde auch die ärztliche Begleitung absichern.“

Andere Länder profitieren bereits von der PrEP, so zum Beispiel die USA, wo sie für Menschen mit hohem HIV-Risiko sogar offensiv beworben wird. In Europa ist sie bereits in Frankreich, Schweden und Norwegen über das jeweilige Gesundheitssystem erhältlich.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Truvada (beziehungsweise die Kombination der beiden darin enthaltenen Wirkstoffe) im Juni auf die Liste der unentbehrlichen Medikamente aufgenommen.

Die Prophylaxe bietet vor allem jenen Menschen einen wirkungsvollen Schutz vor HIV, für die Kondome aus verschiedenen Gründen keine praktikable Möglichkeit sind. Sie ist eine weitere Möglichkeit für eine überschaubare Gruppe und wird Kondome als am weitesten verbreitete Schutzmethode nicht ersetzen.

Für manche Menschen ist die PrEP jeoch die beste Schutzstrategie, für einige sogar die einzige Möglichkeit, dauerhaft HIV-negativ zu bleiben.

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