Laut Gerichtsbeschluss liegt die Versorgung mit PrEP in den Vereinigten Königreichen nun in der Hand des öffentlichen Gesundheitssystems NHS (National Health Service). Sollte die NHS zustimmen, PrEP zugänglich zu machen, könnte bereits in naher Zukunft die Zahl der Neuinfektionen um bis zu 86% zurückgehen.

Zu Beginn des Jahres hat sich die britische NHS (National Health Organisation) gegen eine sofortige Ausgabe der PrEP gewehrt und wollte zunächst eine zweijährige Testphase verhandeln. Dieser Vorschlag wurde jedoch abgelehnt, was dazu führte, dass die NHS die Verantwortung in die Kommunen verlagern wollte, mit der Begründung, dass es sich bei der PrEP um eine Form von Intervention des öffentlichen Gesundheitswesens handele, wie etwa bei einer seltenen Grippe, die nur in gewissen Landstrichen auftrete.

die Verlagerung der eigenen GesundheitsVORsorge auf den Schwarzmarkt kann nicht im Sinne des Erfinders sein

Schliesslich schaltete sich der National Aids trust ein und brachte die Sache vor das oberste Gericht, welches nun erklärte, dass die PrEP sehr wohl die Aufgabe der NHS sei. Die NHS ist zuständig ist für die gesamte gesundheitliche Versorgung der ca. 65 Millionen Einwohner des Inselreiches und ist somit auch damit beauftragt, die geschätzten 2500 (nur MSM) Neuinfektionen mit HIV nach bestem Gewissen zu vermeiden. Nun muss die NHS entscheiden, ob sie die PrEP tatsächlich fördern wird.

In Deutschland wird weitläufig noch die Wirksamkeit der PrEP diskutiert, jedoch ist sie rezeptpflichtig erhältlich. Wegen der hoher Kosten bestellen viele schwule Männer die PrEP verbilligt im Internet und nehmen sie meist ohne ärztliche Aufsicht ein. Die PrEP sollte betroffenen Risikogruppen umgehend zugänglich gemacht werden, da billige Medikamente und deren unkontrollierte Einnahme zusätzliche Risiken bergen. Auch die Verlagerung der eigenen Gesundheitsvorsorge auf den Schwarzmarkt kann nicht im Sinne des Erfinders sein.

Die Pre-Exposition-Prophylaxe (PrEP) reduziert – bei regelmäßiger Einnahme –nachgewiesenermaßen das Risiko einer Ansteckung mit HIV um bis 86%. Die Vorsorge-Therapie wird sowohl von der Weltgesundheitsorganisation als auch von führenden Fachkräften weltweit empfohlen.

Die mit einer HIV-Infektion verbundenen direkten Kosten für die vergleichsweise teuren antiretroviralen Substanzen fallen dauerhaft an und verursachen hierzulande derzeit etwa zwei Drittel aller direkten Behandlungskosten von etwa 20.000 bis 30.000 € pro Fall und Jahr. In Deutschland leben rund 83.400 Menschen mit HIV oder AIDS. Etwa 480 HIV-In­fi­zierte sind 2014 gestorben. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen im Jahr 2014 wird auf 3.200 geschätzt und bleibt damit gegenüber 2013 unverändert. Quelle: Robert Koch-Institut 

HINTERLASSE EINE ANTWORT