Der eine ist ein junger Pornostar, gerade einmal 24 Jahre jung. Sein Name: Sean Ford. Aktuell arbeitet er als Darsteller für das Studio Cockyboys. Der andere: Peter Berlin – die mythische Kultfigur, inzwischen 77 Jahre alt.

Er war wohl der erste wirkliche Influencer, lange bevor der Begriff überhaupt existierte. Der blonde Pagenkopf wurde durch seine hautengen, selbst entworfenen Kostüme und einer neuen Form von Männlichkeit berühmt, die er äußerst freizügig zelebrierte.

Seine vielen Selbstporträts dominierten in den siebziger und achtziger Jahren die Titelseiten der meisten schwulen Magazine und beeinflussten maßgeblich Künstler wie Robert Mapplethorpe, Andy Warhol oder auch Tom of Finland. Bis heute eine Ikone, deren Leben zuletzt im limitierten Kunstbuch „Peter Berlin: Icon, Artist, Photosexual“ ( ARTBOOK ) festgehalten wurden.

Und so kamen Sean Ford aus New York und Peter Berlin aus San Francisco in einem amüsanten Telefongespräch zusammen. Im Interview Magazine plauderten sie über die heutige Pornoszene, die sexuelle Befreiung und den Mythos Monogamie, den Peter Berlin bis heute für verlogen hält:

„Ich denke mir immer, was für eine Tragödie ist es, wenn sich Menschen verlieben. Ich weiß nicht einmal, was das bedeutet, weil ich mich nie verliebt habe. Ich hatte Lust auf Menschen, aber ich wollte nie sagen: Jetzt möchte ich dich für den Rest meines Lebens haben, du bist mein Freund!“

Sean Ford, der aktuell selbst in einer offenen Beziehung mit einem jungen Franzosen lebt, stimmt dem deutschen Model und ehemaligen Superstar zu.

„Exklusivität in einer Beziehung ist langweilig und schädlich. Offenheit, Ehrlichkeit und Kommunikation sind für mich die einzigen wichtigen Dinge in einer Beziehung.“

Peter Berlin wirkt im Interview in Gesprächslaune. Allerdings beklagt er auch, wie sehr sich die Zeiten geändert haben.

„Ich habe viel über dieses Wort „Liebe“ nachgedacht, weil es überall verwendet wird. Die Menschen lieben sich und doch sehe ich auf diesem Planeten nicht mehr viel Liebe. Es ist jetzt eine andere Welt als in meiner Jugend. Ich schäme mich, aus der Generation zu sein, die den jungen Menschen heute diese Welt so übergibt. Es ist unglaublich, was Menschen diesem Planeten und sich selbst angetan haben. Es ist so eine Tragödie. Leider sieht die Zukunft nicht allzu rosig aus. Also versuche einfach, dir selbst und deinen Gefühlen treu zu bleiben.“

Von der Heirat halten beide nicht wirklich viel, zu sehr sei sie einengend und ein Konstrukt, das keine tiefere Bedeutung mehr hat. Stattdessen sollte Sean versuchen, einfach eine gute Zeit zu haben, so Peter Berlin weiter:

„Sei einfach immer ehrlich – zu dir selbst und zu deinem Partner. Fürchte dich niemals vor Betrug. Ich war niemals eifersüchtig in meinem Leben, ich weiß gar nicht so genau, was das ist. Aber ich habe gesehen, was es den Menschen antut. Damals war das einzige, was ich tat, nach Sex Ausschau zu halten. Wenn du ein gutes Leben haben willst, schau einfach in dich hinein und finde deine eigenen Antworten. Nur dort wirst du erfahren, wer du wirklich willst. Niemand da draußen wird jemals sehen, wer du wirklich bist, wenn du dich selbst nicht kennst.“

Weiter rät Peter Berlin dem jungen Darsteller, viel zu reisen – vor allem nach Europa. Und sich von niemandem etwas Falsches einreden zu lassen.

„Wir werden in jungen Jahren einer Gehirnwäsche unterzogen und glauben an alles, was uns die Erwachsenen erzählen, besonders wenn es um Religion geht. Gott sei Dank war ich nicht katholisch, denn was die katholische Kirche in den Köpfen junger Menschen anrichtet, ist meiner Ansicht nach kriminell.“

Man merkt Sean Ford an, wie viel Ehrfurcht er vor Peter Berlin hat. Trotzdem schlägt sich der junge Pornodarsteller sehr gut in seinem allersten Interview.

Das Geld ansich heute wie damals nicht der treibende Motor ihrer Darstellung ist, bestätigen dann ebenso beide. Selbst Ruhm sei für ihn nicht so wichtig, so Sean Ford. Viel wichtiger dagegen seien Freunde und Erfahrungen zu sammeln – und an dieser Einstellung ist maßgeblich unbewusst auch Peter Berlin beteiligt:

„Dieses Bild der sexuellen Freiheit, für das Peter Berlin stand, ist von zentraler Bedeutung für mein Leben. Das geht weit über Pornos hinaus und erstreckt sich auf Mode, Fotografie und viele andere Bereiche. Ich denke, dies gilt insbesondere für viele der jüngeren Generation Z, die weniger Probleme mit Sexualität und Identität haben. Diese jungen Menschen haben angefangen, die Last der eigenen Unterdrückung abzuwerfen – und alles hat mit Peter Berlin begonnen.“

Der heute 77jährige Mann, einstmals geboren als Armin Hagen von Hoyningen-Huene, ist sich dagegen nicht so sicher, was er wirklich in dieser Welt bewirkt hat. Er würde sich heute wünschen, dass wieder mehr schwule Männer so mutig und befreit durch die Welt laufen, auch wenn das sicherlich nicht immer einfach ist.

„Peter Berlin war eine Rolle, eine Person, die ich spielte und verinnerlichte. Damals war ich immer Peter, sobald ich mein Haus in Amerika verließ. Doch so offensichtlich und auffällig und provokativ zu sein, verursachte natürlich auch alle möglichen Probleme. Trotzdem, ich vermiss Peter. Ich vermisse ihn sehr.“

Da können wir ihm nur zustimmen – auch wir vermissen Peter Berlin und würden uns etwas mehr Mut in der Welt wünschen.

Bilder Sean Ford: Cockyboys

Bilder Peter BerIin: BUCH Icon, Artist, Photosexual

Das ganze Interview findest du hier: INTERVIEW MAGAZINE

Lust auf einen anderen sexy Pornostar? Wie wäre es hiermit?:

Cockyboys-Newcomer Avery Jones: Der Power-Bottom mit der Gänsehaut

Was denkst du darüber?