Reidar Engesbak schreibt für Norwegens größte schwule Zeitschrift BLIKK. Er ist öfters in Berlin und beehrte uns mit einem Besuch in unserem Büro für ein wenig pinkes Bettgeflüster. Der große, hoch-energetische Skandinavier hat einige sehr aufregende Piercings und erzählt leidenschaftlich von der Osloer Szene, Sex im Wald und erklärt uns, warum Norweger so gute Liebhaber sind – zumindest außerhalb ihres Heimatlandes.

Erzähl mal … die Szene in Oslo. Was geht da ab?

Nun, im Vergleich zu Berlin, wo alles öffentlich geschieht und sich scheinbar niemand wegen irgendetwas schämt, geht es in Oslo wesentlich privater zu. Schwule und Lesben haben sich aber eine Szene aufgebaut und diese etabliert. Es gibt einen großen Club, den „London Pub“, wo alle hingehen. Es ist eigentlich ein Dreckloch, in dem der Wahnsinn herrscht, aber wir lieben es. Dort gibt es die trashigsten Drag Queens der nördlichen Hemisphäre und der Laden bildet das allzu verlockenden Gegengewicht zu dem sonst so hochentwickelten norwegischen Lebensstandard. Ansonsten haben wir sehr beliebte Saunen, wo es viele Schweden hin verschlägt, weil schwule Saunen in Schweden illegal sind. Allerdings war nie so viel los, als während des Eurovision Contests, bei dem euer Mädchen Lena gewonnen hat. Überall waren Schwule – es war genial!

Wo geht man in Oslo zum Ficken aus?

Es gibt einige Bars und Fetisch-Clubs mit Darkrooms und Slings wie etwa das SLM Oslo, wo ich auch als DJ auflege. Da ist es immer sexy und geil. Wenn man auf Natur steht, kommt man in Oslo voll auf seine Kosten. Wir mögen einfach gerne Frischluft und daher gibt es einige Cruisingstrände und -waldgebiete ungefähr zehn Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Da hängen auch überall Vogelhäuser mit Kondomen gefüllt und die Heten wissen auch , wofür die sind, und niemand beschwert sich.

Vogelhäuser mit Kondomen gefüllt?

Ja, eine fast poetische Art, um Safer Sex zu promoten.

Wie würdest du den durchschnittlichen schwulen Norweger beschreiben?

Nun ja, wir sind alle sehr hoch gewachsen und haben große Schwänze – sorry, aber das ist eine Tatsache, haha. Die Twinks sehen eher aus wie schwedische Upper-Class-Kids mit vielen Labelklamotten, aber der Rest von uns ist eher normal. Wir treiben gerne Sport und reden nicht viel über Sex. Was das angeht, sind wir ein bisschen spießig und reisen deshalb oft nach Amsterdam, Kopenhagen oder Berlin, um unsere verruchten Seiten auszuleben. Da lassen wir dann die Sau raus, was ein bisschen zum Problem geworden ist. Es geschieht immer häufiger, dass Leute mit sexuell ansteckenden Krankheiten wie etwa HIV zurückkehren.

Würdest du dir also einen offener Umgang mit Sex in Norwegen wünschen?

Sagen wir mal so: Wenn meine Leser nach Berlin kommen und ein Exemplar vom BONER Magazin in die Finger bekommen, werden sie es augenblicklich lieben. Wenn wir jedoch auch nur einen einzigen harten Schwanz in BLIKK abdrucken, gäbe es ein riesiges Theater und viele Leute würden garantiert ihr Abo stornieren. Es ist ein bisschen wie bei Dr. Jekyll und Mr. Hyde – daheim sind sie alle ganz artig, mutieren aber zu wilden Fickern, wenn sie in Berlin ankommen. Ich würde mir vielleicht wünschen, dass wir nicht so sehr um Anpassung bemüht wären – wir sind doch schwule Männer!

Dein nächstes Abenteuer?

Ich werde versuchen eine Karaoke-Sex-Party zu organisieren, nachdem ich eine hier in Berlin erlebt habe – ich hatte ewig nicht so viel Spaß wie an dem Abend!

Was denkst du darüber?

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