Maksim Mrvica ist das kroatische Pianisten-Ausnahmetalent. Er zählt zu den ersten Crossover-Musikern, die sich gewagt haben die Virtuosität der klassischen Musik mit elektronischer zu vermischen. Mit seinem 10. Album „New Silk Road“ und der gleichnamigen Tournee kommt er nach seinem ausverkauften Konzert im Opera House Sydney am 10. März 2019 nach Berlin.

Maksim Mrvica spielt gerne Klassiker wie Prokofjew, Rachmaninow oder Strawinsky. Da viele seiner Freunde DJs sind, hat ihn aber auch immer schon elektronische Musik inspiriert. Die Verschmelzung beider musikalischen Richtungen, die erst später als Crossover bezeichnet wurde, war schon seine Besonderheit, als er zum ersten Mal 2002 in Hongkong, Japan und China Konzerte gab.

Seine letzte Veröffentlichung „New Silk Road“ ist sein 10. Album, von dem er bereits vier Millionen Stück in 57 Ländern verkauft hat. Auch seine aktuelle Tournee bringt ihn in vier Monaten in 56 Städte in sieben Länder, darunter auch ins ausverkaufte Opera House Sydney. Er kombiniert eigene Kompositionen mit Klassikern und tritt mit einer ausgesuchten Auswahl an Musikern auf. In Deutschland wird er in drei Städten Konzerte geben und er wird zum ersten Mal in Berlin am 10. März im „Heimathafen Neukölln“ Anker werfen.

Bisher ist der 42-Jährige vor allem im fernen Osten zu Ruhm gekommen. China und Japan sind die außergewöhnlichsten und vielfältigsten Länder, die er kennt. Er liebt Hongkong und „diese Kombination aus Ost und West, die sich dort in Kultur und Mentalität manifestiert“ hat. Er meint, dass China sehr auf die westliche Kultur fixiert ist, Japan vielleicht sogar noch mehr. In der japanischen Kultur fasziniert ihn deren „edle Feinheit, ihre Perfektion und gleichzeitig kindliche Neugier“. Das beeindruckte den geborenen Dalmatiner, da „die Uhren in Dalmatien anders ticken als in Japan“, wo es keine Minute Verspätung gibt, wie er lächelnd ausführt.

Die meisten Engagements hat der Pianist auch heute noch in China. Er wird regelmäßig zu Konzerten und auch zu großen Veranstaltungen eingeladen. Eines seiner größten Highlights war ein Auftritt in der „Großen Halle des Volkes“ am Tiananmen Peak Square, dem Ort, an dem Mao Zedong seine berühmten Reden hielt, und auch heute noch der aktuelle Präsident Xi Jinping. In dieser „phänomenale Location“ fühlte er Ehrfurcht vor der Geschichte und sich selbst ein wenig wie ein „Auserwählter“. „Alles war etwas verrückt. Für mich war es eine große Ehre“.

Auch sein Auftritt in der “Spring Gala Show” wurde von knapp 200 chinesischen Fernsehsendern ausgestrahlt und von über einer Milliarde Zuschauern verfolgt. Er war damit der dritte ausländische Musiker, der zu dieser äußerst prestigereichen Show eingeladen worden war. Die Sonne über Maksim Mrvica schien nicht immer so warm und angenehm. Ganz im Gegenteil. Am Anfang des Balkankrieges musste er sich in Kellern oder Schutzräumen verstecken, wo er fast verrückt wurde, bis er sich – trotz Bomben und Schüssen – entschloss, sein normales Leben weiterzuführen. „Es war besonders schwierig während des Krieges, eine echte Depression“, erinnert er sich, „aber ich habe nie daran gedacht, aufzugeben. Mama sagte immer: Sohn, macht das denn Sinn, suche dir doch was Vernünftiges zum Arbeiten“. Mit 27 Jahren hatte er dann seinen ersten Plattenvertrag unterschrieben und konnte seitdem von der Musik leben. Sein Durchbruch kam schließlich durch die Begegnung mit dem weltbekannten Produzenten Mel Bush, der stets nach außergewöhnlichen Klavierspielern Ausschau gehalten hatte. Sein Leben hat sich von Grund auf verändert. „Ich lebte damals mit in Paris und das Tagesbudget betrug zehn Euro.

Ich muss oft an diese Zeiten denken. Jemand der reich geboren ist, weiß davon nichts, man schätzt den Erfolg ganz anders, wenn man von Null angefangen hat“. Wenn Maksim Mrvica auf Tournee geht, spielt er jeden zweiten Abend. Hierzu hat er eigene Rituale etabliert. An den freien Tagen geht er in die Natur, „um den Menschen ein wenig zu entkommen“.

Da er viele Städte schon von vorherigen Auftritten kennt und die Konzerte all eine Kräfte fordern, entspannt er auch gerne in Ruhe am Pool. Manchmal, sagt er, „verliere ich mich auf der Bühne, getragen von dem Moment, und dann kommt es dazu, dass Blut aus meinen Fingern auf die Tasten des Klaviers fällt“. Der Tag vor einem Konzert dient stets ganz seiner inneren Vorbereitung; keine Zigarette und keinen Alkohol gönnt er sich, dem Rat eines Professors aus der Akademie folgend. „Ich muss völlig frei in meinem Kopf und ausgeruht sein.“ Überhaupt zieht er das einfache Leben ohne dekadente Ansprüche vor, nur nach dem Konzert bewahrt er sich ein weiteres Ritual mit seinem Manager Antonio: ein Glas Champagner und eine Zigarette.

Obwohl er über Monate ein Weltenbummler ist, gehört der Sommer ganz allein Kroatien. Dann fährt er nach Hause auf eine der kleinen dalmatinischen Inseln bei Šibenik und bewegt sich nicht von dort fort. Das ist sein Paradies. Freunde und Familie kommen dann und besuchen ihn und er entspannt von seinen kräftezehrenden Tourneen und Auftritten.

Text: Dalibor Pezer

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