In diesen Tagen feiern wir ein besonderes Jubiläum – 20 Jahre Mr.B Deutschland. Die Marke und auch die drei Haupt-Stores in Amsterdam, Antwerpen und Berlin sind aus der nationalen wie internationalen Gay-Community nicht mehr wegzudenken. Wie kein Zweiter hat Mr.B Fetisch-Freunden auf der ganzen Welt eine neue Heimat gegeben.

Inzwischen haben viele Läden weltweit das mannigfaltige Sortiment von Mr.B ins Programm genommen. Von Leder über Rubber, Boots, Dildos, Masken, Cockringen und vieles mehr gibt es wirklich alles, was das schwule Herz begehrt. Eine Erfolgsstory für die Community und die Köpfe dahinter. Wir haben uns mit Heiko Stratmann vom Berliner Store unterhalten.

Heiko, gegründet wurde Mr.B in Amsterdam. Wie ging es von dort an weiter?

Es war sehr schnell klar, wir müssen nach Berlin! Berlin entwickelte sich gerade zur aufstrebenden Fetisch-Metropole. Wir haben dann hier einen ersten kleinen Laden aufgemacht – und bald sind wir in größere Räume umgezogen. Jetzt feiern wir Jubiläum und natürlich werden wir das ganze Jahr durch mit vielen Aktionen und Überraschungen auffahren. Aber in diesem Monat legen wir uns besonders ins Zeug. Wer neugierig ist, sollte einfach mal einen Blick auf unsere Facebook-Seite werfen. Wir werden auch weiterhin mit der Zeit gehen und uns weiterentwickeln. Wir wollen kein Museumsstück werden, sondern wollen am Puls der Zeit bleiben.

Hat sich denn die Lederszene in den letzten zwanzig Jahren verändert? Und gibt es Unterschiede zwischen der Community in Berlin und Amsterdam?

Ja, definitiv! Die Szene hat sich sehr stark gewandelt. Amsterdam war seit den siebziger Jahren die Leder-Hauptstadt. Mit dem Berlin-Hype um die Jahrtausendwende änderte sich das etwas. Heute gibt es viele Gemeinsamkeiten, aber auch Eigenheiten. In Punkto Leder ist Berlin sehr klassisch, wir verkaufen sehr viel schwarze Kleidung. In Amsterdam trauen sich die Leute dagegen mehr, auch einmal eine andere Farbe reinzubringen. In Berlin bleibt es dagegen weiterhin schwarz, schwarz, schwarz!

Kann man sagen, euer Herz schlägt nach wie vor für Leder?

Natürlich sind wir bis heute eine Ledermarke, das sind unsere Wurzeln und da sind wir auch sehr stolz darauf. Unsere Qualität und unser Design finden wir bis heute richtig gut. Aber die Szene ändert sich und wir sind offen für vieles. In den letzten Jahren sind zum Beispiel die Puppys dazu gekommen, wir haben auch sehr viel Fetisch-Sportsware jetzt dabei. Wir gehen mit der Zeit, aber unser Herz schlägt natürlich nach wie vor für Leder.

Wie würdet ihr die Kerle beschreiben, die zu euch kommen?

Unsere Kundschaft ist wirklich querbeet. Es gibt einfach nicht den einen typischen Fetischkunden. Es gibt die jungen Leute, die die Tom-of-Finland-Bilder im Kopf haben und zu uns kommen. Dann sind da die Männer, die schon seit zwanzig Jahren Leder tragen und auf der Suche nach spannenden Neuerungen sind. Wir haben Schlipsträger im schicken Anzug genauso wie Kunden in Engelbert-Strauss-Hosen. Obwohl ich nicht genau weiß, ob die nicht auch aus Fetischgründen getragen werden.

Du hast es eben angesprochen – gibt es, abgesehen vom Alter, noch andere Unterschiede zwischen älteren Freunden von Mr.B und junger Kundschaft?

Die jungen Leute sind sehr viel freier im Umgang mit Leder. Sie mixen sehr gerne. Da mag der traditionelle Mann vielleicht etwas die Nase rümpfen. Aber die Jungs tragen dann zum Beispiel eine Lederhose und dazu ein Paar Turnschuhe und ein Neopren-Oberteil. Die sehen das nicht so streng und klassisch. Die wollen natürlich Fetisch und sind auch so orientiert, aber die Old-School-Regeln brauchen sie nicht.

Wird Mr.B nur von schwulen Männern besucht oder habt ihr auch ein anderes Publikum?

Unsere Kernkundschaft sind und bleiben natürlich schwule Fetisch-Freunde, aber es kommen auch viele Heteropärchen zu uns, die zum Beispiel ein Outfit für den Besuch des KitKat-Clubs suchen. Wir freuen uns da immer sehr und sind auch definitiv heterofreundlich. Das ist immer auch ein großer Spaß, wenn die Frauen ihre Männer mit einer guten Hose oder einem Harness einkleiden, auch wenn die Jungs da meistens etwas schüchtern sind, weil sie sich erst einmal so angegafft fühlen.

Gab es einen besonders lustigen Kunden, an den du dich erinnerst?

Da gab es diesen einen Touristen, der kaum Englisch sprechen konnte. Er ging mit großen Augen durch den Laden und sagte immer wieder mit starkem Akzent: This is so naughty! Am Ende hat er sich einen Slip gekauft, der seinen blanken Arsch zeigte. Und er fühlte sich so naughty dabei. Sowas gefällt mir immer am meisten, denn er hatte einfach sichtlich Spaß an unseren Artikeln. So ein cooles Accessoire kann einfach mehr aus dir machen. Ich freue mich zum Beispiel auch immer, wenn ich in meine Fxxxer-Jeans schlüpfe, auch wenn meine Plauze etwas rüberhängt. Denn genau darum geht es bei Mr.B: Wir wollen, dass sich die Leute in ihren Fetisch-Klamotten gut fühlen – so wie sie sind!

Ist Leder nur etwas für Männer mit einer dicken Brieftasche oder findet jeder Mann etwas, das passt?

Jeder kann sich Leder leisten. Natürlich ist eine Hose erst einmal eine Anschaffung, aber so eine Hose hält dann ja auch einige Jahre. Und man kann immer auch erst einmal klein anfangen. Eingefleischte Lederfetisch-Freunde sparen zum Beispiel auch gerne auf eine coole Hose. So eine gute Lederhose macht einfach auch einen wirklich sexy Arsch.

Im letzten Jahr seid ihr einmal mehr ausgezeichnet worden – dieses Mal zur Gay-Pleasure Products Company des Jahres. Was bedeuten euch diese Ehrungen?

Das freut uns natürlich jedes Mal. Eben gerade auch, weil das einfach das gute Standing zeigt, das wir in der Szene haben. Wir wollen immer in Punkto Qualität und Design richtig gute Ware abliefern. Wir sind zudem sehr stark in der Lederszene vertreten, allein schon mit unserem Sponsoring. Wir sind zum Beispiel der Hauptsponsor für die Wahl des Mr.Leather Berlin. Und wir engagieren uns gerne in der Community, lokal wie weltweit. Die Leder-Szene ist einfach sehr offen, sehr einladend. Man heißt hier andere Menschen sehr gerne willkommen. Das merke ich allein schon daran immer, wenn Leute zu uns in den Laden kommen – da ist sofort eine Verbindung da. Nach dem Motto: Du trägst ne Lederhose, ich trage eine, ach, wie schön!

Seid ihr denn auch Anfeindungen ausgesetzt? Wir bekommen immer mal wieder auch Feedbacks von einzelnen Lederclubs, die merken, wie ihnen gesellschaftlich wieder mehr Gegenwind entgegen bläst.

Man merkt schon allgemein diese schizophrene Atmosphäre. Auf der einen Seite wird alles immer liberaler – Stichpunkt Filme wie 50 Shades of Grey. Und auf der anderen Seite sind da die sehr Konservativen. Wir haben aber zum Glück noch keine wirklichen massiven Anfeindungen mitbekommen, wir bilden aber auch mit den anderen Lokalen im Kiez in Schöneberg eine starke Einheit. Wir stehen hier Seite an Seite zusammen!

Fotos: Alle Rechte liegen bei Mr.B

Lust auf Fetisch? Einfach vorbeischauen bei Mr.B

 

Mehr Boner? Mehr Fetisch? Wie wäre es hiermit:

Unser Filmtipp: Mr. Leather!

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