Ja, wir müssen alles dafür tun, um den COVID19-Virus in Schach zu halten. Es wird auch vieles getan. Gerade die Unternehmen, die von Schließungen betroffen waren und teilweise immer noch sind, sind daran interessiert, dass diese Pandemie auch weiterhin in Deutschland so gut im Griff gehalten werden kann. Es geht für viele Unternehmen und den Menschen, die dahinterstehen, um die wirtschaftliche und finanzielle Existenz.  Es geht aber auch darum, dass wir Orte gerade für die Community nicht verlieren, die für viele sehr wichtig sind.

Zum Leben gehört es dazu, dass sich Menschen nahekommen, dass sie intim werden – ja es geht auch um Sex. Gerade die Frage des sexuellen Miteinanders hing von Anfang an wie ein Damoklesschwert im Raum. Einige konservative Politiker mahnten an, dass man in dieser Zeit auf die körperliche Nähe ganz verzichten sollte. Sogar alte, eingestaubte Forderungen wurden in neue Kleider gehüllt und mit Corona begründet – so forderte zum Beispiel der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, dass Sexarbeit verboten werden soll und damit in die Illegalität getrieben werden würde. Wie bei der Prostitution sind auch Gay-Clubs und Gay-Saunen mit Play-Room für viele Politiker ein Dorn im Auge.

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Nun trifft es eine der bekanntesten und beliebtesten Gay-Saunen in Deutschland – die Phoenix-Sauna in Köln. Die Stadt Köln hat die Schließung der Sauna verordnet, aufgrund angeblicher Verstöße gegen die Corona-Vorschriften. Die Stadt Köln begründet die Schließung der Sauna aus Gründen des coronabedingten Infektionsschutzes vor allem damit, dass in der Sauna sexuelle Kontakte zwischen Gästen geduldet würden.

Des Weiteren vertritt die Stadt Köln in ihrer Ordnungsverfügung die Auffassung, dass die Phoenix-Sauna mit einem Prostitutionsbetrieb vergleichbar ist. Die Stadt Köln nimmt zudem an, dass das Land NRW als Schöpfer der Coronaschutzverordnung die Männersaunen in den Bestimmungen „ungewollt“ nicht beachtet hat.

© Phoenix Sauna

Die Geschäftsführung der Phoenix Sauna-Fitness-Studio Gmbh & Co. KG hat fristgerecht Klage beim Verwaltungsgericht Köln eingereicht. Der Anwalt der Phoenix-Sauna, Bastian Geringer, ist gegenüber dem Boner Magazine der Ansicht, dass eine Regelungslücke durch den Verordnungsgeber gerade nicht besteht:

„Der Verordnungsgeber hätte hier eine konkrete Regelung treffen müssen, damit die Stadt Köln berechtigt wäre, die Sauna zu schließen. Dies gilt umso mehr nach einem halben Jahr des Bestehens der Coronaschutzverordnung, sowie unzähliger daran, von der Landesregierung NRW vorgenommenen Änderungen.“

Dass der Fall in der Politik angekommen ist, zeigen die ersten Reaktionen. So will sich die Oberbürgermeisterin von Köln, Henriette Reke, mit den Betreibern an einen Tisch setzen. Ob dieses Treffen noch vor der Oberbürgermeisterwahl dieses Wochenende stattfinden kann, wird von Phoenix-Geschäftsführer Bernt Ide bezweifelt. Der Kölner Bundestagsabgeordnete Sven Lehman von Bündnis90 die Grünen erklärt dazu:

„Orte der queeren Community, kommerzielle wie nichtkommerzielle, stehen gerade in Zeiten von Corona extrem unter Druck. Sie müssen unbedingt erhalten bleiben. Dazu gehören selbstverständlich auch schwule Saunen wie die Phoenix in Köln! Im konkreten Fall bleibt die rechtliche Entscheidung abzuwarten. Es ist gut, dass die Phoenix eine rechtliche Klärung herbeiführt. Wir Grüne setzen uns dafür ein, dass queere Vielfalt erhalten bleibt und auch der CSD Köln in anderer Form stattfinden kann. Gerade mit Blick auf den Colognepride im Oktober freue ich mich, dass die Oberbürgermeisterin zusammen mit der Community am Runden Tisch pragmatische Lösungen dafür finden möchte.“

Noch klarer drückt auch Ulrich Breite, Geschäftsführer der FDP im Rathaus der Stadt Köln, seine Verwunderung über die Entscheidung der Stadt aus:

„Wir sind sehr überrascht über unser Ordnungsamt. Wir sind überrascht, dass man eine Gay-Sauna als Puff bezeichnet. Wir dachten, dass gerade Köln weiter ist, denn dies ist eine Rolle rückwärts.“

Oberverwaltungsgericht NRW kippt generelles Prostitutionsverbot!

Sex kann man nicht verbieten!

Am 8. September 2020 hat das Oberverwaltungsgericht NRW das generelle Prostitutionsverbot in NRW außer Kraft gesetzt, daher besteht in Bezug auf die angebliche Prostitution in Gay-Saunen keine Begründung mehr für eine Schließung der Einrichtungen. Abgesehen davon, dass sich einvernehmlicher Sex auch mit wechselnden Partnern nicht per se verbieten lässt, ist dieser auch nach den aktuell geltenden Coronaschutzregeln nicht verboten. Auch für Homosexuelle nicht!

Durch die Schließung von Gay-Saunen und Clubs mit Play-Rooms fehlt es sogar genau an den Schutzräumen, die für viele Schwule immer noch sehr wichtig sind. Es ist außerdem zu befürchten, dass durch die Schließung der Gay-Locations Sex noch weiter in die Anonymität rutscht. Gerade für eine Nachverfolgung einer Infektion sind Parks, Privaträume und durch das Internet privat-organisierte Sexpartys keine Alternativen.

Die Geschäftsführung der Phoenix-Sauna weist darauf hin, dass man die angeordneten Hygiene-Maßnahmen mit dem besten Gewissen umsetzt, versichert Bernt Ide:

„Mit einer Maskenpflicht, einem Einbahnstraßensystem und mit zusätzlichen Mitarbeitern, die permanent die Einhaltung der Maßnahmen kontrollieren, wollen wir maximale Sicherheit für unsere Gäste garantieren.“

Dass dieses Konzept bereits Erfolg hat, zeigt schon allein die Tatsache, dass es in der Sauna keinen einzigen Corona-Fall gibt – weder bei Gästen noch bei den Mitarbeitern.

Link: PHOENIX SAUNA

Autor: Sebastian Ahlefeld

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