Wer im September durch die Straßen von Berlin oder San Francisco geht, verfällt gerne einmal dem Trugschluss, dass mit der Fetisch-Szene doch alles zum besten stehe. Nicht selten begegnet man in dieser Zeit binnen weniger Minuten ein paar hundert Kerlen in hautengen Leder-Outfits. Doch wie sehr der Schein trügt, merkt man schnell, wenn man sich außerhalb dieser Filterblase begibt.

Noch immer haftet selbst unter Homosexuellen der Liebe zum Leder etwas sexuell Verruchtes, Verbotenes und irgendwie auch Trashiges an.

Nichts könnte dabei ferner von der Realität liegen, denn wer Leder liebt, ist bereit, viel Zeit und Geld dafür zu investieren. Die Lederszene ist viel mehr als nur ein sexueller Fetisch von einem Haufen Sexsüchtiger, die auf Lustschmerz und Fesselspiele stehen. Diese Sichtweise zu ändern und gerade auch jungen Männern die ersten Berührungsängste zu nehmen, ist eine der zentralen Aufgaben, die sich Mr.Leather Europe zum Ziel gesetzt hat. Der sechsundzwanzigjährige Italiener Stevio Blackhart vertritt in diesem Jahr die europäische Leder-Community.

Ihm ist die Jugendarbeit ein besonderes und sehr persönliches Anliegen:

„Ich war selbst einer dieser jungen Kerle, die anfangs echte Berührungsängste mit der Szene hatten. Für mich wirkte das damals alles sehr sexualisiert. Ich wusste nicht, dass BDSM auch eine menschliche Komponente hat. Es geht beim Leder-Fetisch um tiefes Vertrauen und eine innige Verbindung zwischen zwei Männern. Oder natürlich auch gerne mit mehr als zwei Kerlen. Und heute frage ich mich noch immer ab und an: Warum zum Teufel habe ich nur so lange gewartet?“

Wenn Stevio lächelt, kann man verstehen, warum dem jungen, heißblütigen Italiener gerade die Herzen vieler Männer zufliegen. Nicht wenige davon betteln um ein Sexdate. Bei der Preisverleihung meinte ein Gast mit einem Augenzwinkern sogar zu ihm: Du wirst jetzt verdammt viel Sex  haben.

Doch Stevio ist viel wichtiger, immer und immer wieder zu erklären, wie geborgen man sich in der Szene fühlen darf:

„Ich habe mit einem jungen Kerl gesprochen, der nie zuvor eine BDSM-Erfahrung gemacht hatte. Er war sehr neugierig, hatte aber bis dato nicht den Mut, es einmal selbst zu versuchen. Ich erklärte ihm, dass er sich vor nichts fürchten muss, denn ein guter Master versteht instinktiv, wo die Limits seines Sklaven sind.“

Sex spielt natürlich auch eine Rolle bei der Faszination Leder. Doch die Community darauf zu reduzieren, wird ihr nicht im Ansatz gerecht, so Stevio weiter:

„Wir verstehen uns mehr als das sonst irgendjemand kann! Gerade auch deswegen, weil wir oftmals das Gleiche durchgemacht haben. Ich habe so viele Leder-Männer getroffen, die mein Leben für immer verändert haben und ich werde einige von ihnen für immer im Herzen tragen!“

Die Lederszene, einst geboren aus der amerikanischen Motorradfahrer-Subkultur, ist es wert, neu und vorurteilsfrei entdeckt zu werden, damit auch junge Männer den Mut aufbringen, bei Interesse den ersten Schritt zu tun.

„Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns! Es ist unsere Aufgabe. Und sie ist wirklich wichtig!“

Wie sehr ihm diese Botschaft am Herzen liegt, hat Stevio scherzhaft kurz vor der Wahl selbst unter Beweis gestellt: Mitten in Rom posierte er mit einem großen Schild, auf dem stand: Vanilla Sex is boring!

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