Das begriffliche Konzept der Homo­sexua­lität sowie der sexuellen Orientierung wurde erstmalig 1869 vom ungarischen Schriftsteller Karl Maria Kertbeny verbreitet. Nicht um den Geschlechtsverkehr zwischen gleichgeschlechtlich Liebenden zu denunzieren oder herabzuwürdigen, sondern um die Strafbarkeit vorgeblich „widernatürlicher Handlungen“ zwischen Männern abzuschaffen. Mit Richard von Krafft-Ebing, einem deutsch-österreichischen Psychiater, Neurologen und Rechtsmediziner beginnt die wissenschaftliche Verbreitung des Begriffs der Homosexualität. Seine Motive dafür bleiben allerdings mehr als fragwürdig. 

Im 19. Jahrhundert galt und gilt Homo­sexualität in der Öffentlichkeit und vor allem innerhalb der christlichen Kirchen bis heute als eine unsittliche Geisteshaltung und Lebensweise. Auch der scheinbare Reformer Papst Franziskus bezeichnete bei seiner Amtseinführung Homosexualität als „Teufelswerk“. Krafft-Ebing war durch langjährige Forschung in der Psychiatrie zu dem Schluss gekommen, dass Homosexuelle erblich belastete Perverse seien. In seiner 1886 erschienenen wissenschaftlichen Abhandlung  „Psychopathia sexualis“ definiert er die Homosexualität als eine angeborene neuropsychopathische Störung – also als eine erbliche Nervenkrankheit. Zudem vertrat er die Ansicht, dass Lesben und Schwule für diese angeborene „Um­kehrung“ des Sexualtriebes nicht verantwortlich seien und Homosexualität in der Folge nicht strafbar sei.

Seine Diagnose sorgte dafür, dass Homo­sexualität pathologisiert und homosexuelle Menschen offiziell für unzurechnungsfähig erklärt wurden. Damit ebnete er den Weg für Neurologen und Psychiater, Homo­sexuelle für Zwangsbehandlung und Forschungsexperimente zu missbrauchen.

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