Lust auf einen neuen, spannenden Job? Oder Angst vor der Kündigung in Zeiten von Corona?

Mehrere Millionen Menschen befinden sich aktuell in Kurzarbeit – so die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Dabei trifft die Krise gerade auch viele schwule Clubs, Bars, Saunen und kleine Szeneläden. Es ist von fundamentaler Bedeutung, dass wir unsere Szene unterstützen – trotzdem werden wahrscheinlich nicht alle Jobs erhalten bleiben können.

Eine Möglichkeit, sich nach einem neuen, spannenden Job umzusehen, bietet aktuell die Job-Messe STICKS & STONES. Europas größte Job- und Karriereveranstaltung für LGBTQ-Menschen wurde allerdings auch von der Corona-Krise erfasst. Anstatt einer Messe in Berlin wird es nun die weltweit erste virtuelle Job-Börse geben.

Im November ist dann in der Münchner Tonhalle eine zweite Messe geplant – Face to Face mit den Unternehmen. Man kann networken, schwulenfreundliche Firmen unter die Lupe nehmen oder auch ein Karrierecoaching machen.

Die Spannweite der teilnehmenden Unternehmen ist dabei mannigfaltig – von Porsche, Lidl und Ebay über die Deutsche Post und den Otto Versand bis hin zu Coca Cola, BMW oder Amazon. Im Schnitt sind zuletzt Jahr für Jahr rund einhundert Firmen mit dabei.

Seit zehn Jahren gibt es die Jobmesse, die inzwischen rund dreitausend Besucher jedes Jahr anlockt – angefangen hat dabei alles an einem tief verschneiten Wintertag in München. Gründer und heutiger CEO Stuart Cameron erinnert sich:

„Die Messe hieß damals noch MILK und war ein ganz schöner Flop: Nur sechs Unternehmen wollten bei uns ausstellen und nur 200 Gäste sind erschienen – die Reinigungskräfte mit eingerechnet. Mittlerweile fühlt sich die STICKS & STONES an wie eine große Party mit sehr vielen Gästen.“

Stuart Cameron

Auch die Arbeit hinter der Messe ist mit den Jahren gewachsen – was als One-Man-Show begann, entwickelte sich bis heute zu einem Großprojekt mit elf Mitarbeitern, die an vierzehn verschiedenen Projekten arbeiten. Darunter auch Proudr – eine App für LGBTQ-Menschen, die gemeinsam mit Schwerpunkt auf Business und Jobs networken und in Kontakt mit Firmen treten können.

Aber warum ist eine Jobbörse für LGBTQ-Menschen überhaupt wichtig? Gibt es nicht genug andere Portale?

Mit dieser Frage wird Stuart Cameron auch heute noch ab und an konfrontiert:

„Viele Arbeitgeber haben erkannt, dass sie die besten Talente nur mit einer offenen Unternehmenskultur für sich gewinnen können. Trotzdem belegen Studien immer wieder, dass LGBT+ im Berufsleben benachteiligt werden. Sie verdienen zum Beispiel weniger als ihre heterosexuellen Kollegen, werden zu 50 Prozent seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen und sie haben 11 Prozent geringere Chancen, in eine Führungsposition zu gelangen.“

Diese Schatten über der Berufswelt von schwulen Männern bewirkt zudem auch ein weiteres Versteckspiel:

„Es verwundert also kaum, dass junge Menschen das Coming Out in Deutschland immer noch als Karriererisiko betrachten. 42 Prozent belügen ihre Vorgesetzten im Bezug auf ihre sexuelle Orientierung. Für echte Chancengleichheit haben wir also noch alle Hände voll zu tun.“

Positiv lässt sich festhalten, dass immer mehr Firmen die Angst davor verlieren, offen zur Community zu stehen und diese aktiv zu fördern – auch abseits der reinen Jobvergabe.

Ein Ranking um die besten LGBTQ-freundlichen Arbeitgeber gibt es nicht, es lässt sich allerdings durchaus festhalten, dass der Softwarekonzern SAP mit Sitz in Baden-Württemberg ein Vorzeige-Unternehmen ist. Dabei ist Cameron wichtig, eines zu betonen:

„Ein gutes Diversity Management ist keine Frage des Geldes. Schon mit einfachen Maßnahmen können Unternehmen ein wertschätzendes Arbeitsumfeld schaffen!“

Und wie schafft man es nun am besten in ein schwulenfreundliches Unternehmen?

Nebst der klassischen Bewerbung ist Networking zu einem zentralen Element geworden – jeder dritte Job wird hier über persönliche Kontakte vergeben. Dabei zeigt sich aber auch, dass in der schwulen Arbeitswelt noch vieles besser werden kann, so Cameron abschließend:

 „Heutzutage wird unsere Arbeit nicht mehr mit Aussagen wie „bei uns arbeiten leider keine Schwuchteln” infrage gestellt. Viele Entwicklungen beobachten wir aber mit Sorge. Zum Beispiel, dass sich mehr als 80 Städte in Polen zu „LGBT-freien Zonen” erklärt haben.

Oder die steigenden homo- und transphoben Übergriffe in Berlin. Bedenklich finden wir auch, wenn Homosexuelle wie Alice Weidel (AFD) eine rassistische Politik vertreten. Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Wir hoffen, dass die progressiven Kräfte auf lange Sicht stärker sein werden!“

Sei dabei:  STICKS AND STONES DIGITAL  | 23.-29. Juni 2020 |

 

Du willst noch mehr ändern? Packe das Problem bei den Wurzeln:

Brauchen wir schwule Wurzeln?

Was denkst du darüber?