Im Mai ist es wieder soweit: Im Münchener Glockenbachviertel wird das Rosa Stangerl aufgestellt. Der schwule Maibaum am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz blickt bereits auf eine zehnjährige Geschichte zurück und gehört mittlerweile zu den wichtigsten schwulen Aktionen im öffentlichen Raum. Ein kurzes Gespräch mit Organisator Michael Baumgartner.

Der schwule Maibaum steht für Selbst­bewusstsein und Eigenständigkeit der Gemeinschaft. Erzähl uns bitte etwas über die Hintergründe.

Der Maibaum wurde vor zehn Jahren von den Betreibern der Deutschen Eiche ins Leben gerufen. Einen Tag, bevor er aufgestellt wird, wählt unsere Community die neue Selige Maikönigin, deren Aufgabe es ist, den symbolischen Charakter des Rosa Stangerls nach außen hin zu kommunizieren. Ich habe die Organisation vor zwei Jahren übernommen, und den weltweit einzigen schwulen Maibaum quasi gerettet. Geldmangel und Argwohn, besonders aus der Szene, hatten die Aktion an den Abgrund getrieben. Aber mit viel Entschlossenheit und Hartnäckigkeit geht es weiter. Dieses Jahr erhielt ich sogar völlig anonym eine Spende eines schwulen Münchners in Höhe von 6000 Euro. Ich hoffe, dass ich mich bei ihm einmal persönlich bedanken kann.

Das Rosa Stangerl mit den Plaketten der Sponsoren

Du warst im letzten Jahr Finalist bei der Mister Bear Germany Wahl in Köln, was waren deine Erfahrungen?

Nun, um ehrlich zu sein, habe ich von Beginn an dort ziemlich viel Kälte und Hass erfahren, sogar Drohungen aus verschiedenen Städten erhalten. Ich habe mir auch anhören müssen, dass ich doch gar kein Bär sei, weil ich so hässlich bin. Aber auf der anderen Seite hatte ich richtig liebe Fanclubs und tolle Unterstützung von Freunden. Ich hatte im Vorfeld sehr viel Schlechtes gehört, und dass es dort nur um Schönheit gehe. Aber ich wollte die Erfahrung selbst machen und war total überrascht, dass ich ins Finale kam.

Das Glockenbachviertel ist der schwule Kiez in München. Wie denkst du über eure Szene?

Das Viertel ist mittlerweile sehr offen geworden, wir wollten mehr Akzeptanz für unsere Rechte und jetzt haben wir selbst kaum einen Rückzugspunkt mehr, wo nur noch wir Männer unter uns sind. Das macht mir Angst. Unsere Community hat sich, in meinen Augen, in den letzten acht Jahren sehr negativ verändert. Die meisten reden aber darüber nicht öffentlich. Auch unsere Szene-Wirte könnten mehr zusammenhalten, aber je kleiner unsere Szene wird, desto mehr macht jeder sein eigenes Ding. Es wäre schön, wenn vor allem die jüngere Generation wieder für mehr schwule oder lesbische Kneipen sorgen würde. Ich würde mir generell mehr Interesse aus der Community fürs Rosa Stangerl München wünschen, vor allem die Schärpenträger aus der internationalen Gemeinschaft glänzen durch ihre Abwesenheit und setzten somit ein Zeichen des Desinteresses. (ts)

Integrationsmaibaum & Rosa Stangerl
1. Mai (bei Regen 5. Mai)

Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz, München

Was denkst du darüber?