Manchmal will man raus und ficken, aber sein Gesicht dabei wahren. Damit meine ich, nicht die oft spöttisch-notgeilen Blicke der Jungs an der Bar ertragen zu müssen, wenn man sich an ihnen vorbei in den Darkroom schleicht. Die Lösung dafür bietet eine Masken-Sex-Party. Gleich mehrere Veranstalter in Berlin wie beispielsweise auch das CDL oder die Reizbar, laden wöchentlichen zur Gruppen-Maskierung ein. So schlage ich ganz im Sinne der Party anonym am Freitag im Cocks auf der Greifenhagener Straße in Prenzlauer Berg auf.

Die Schliessfächer für die Garderobe stehen direkt am Eingang und ich werde von einem bereits maskierten Mann wortkarg dazu aufgefordert, mich auszuziehen, mein Zeugs wegzuschliessen und die Stoffmaske überzulegen. Folge leistend begutachte ich mich im Spiegel hinter mir: Ein nackter Bankräuber sieht mich an und ähnelt mir bis auf die Statur kein bisschen. Ich vergewissere mich noch, dass er unbewaffnet ist und begebe mich an die Bar, vorbei an mehreren kleinen Separees, in denen vermummte Männer gemütlich an ihrem Bier oder einer Zigarette nuckeln.

Auf dem Schwimmbad-Schlüssel an meinem Handgelenk steht die Nummer, die ich beim Bestellen angebe. Schon jetzt merke ich: Die Idee geht auf. Ich werde natürlich von oben bis unten abgecheckt, aber die Tatsache, dass ich erröte, als ich plötzlich hart werde, spielt keine Rolle, denn niemand kann es sehen. Der Club ist schummrig genug, gut geheizt und übersichtlich, bietet aber genügend Raum, um auch mit einer Vollerektion durch die schmalen Gänge zu wandeln. Es ist sauber und das Bier schmeckt durch die Maske intensiver als sonst. Eine eigene Badewanne für Freunde von Wassersport steht zur Benutzung bereit und ist klar und deutlich mit dem Wort: PISS! gekennzeichnet. Ausserdem finde ich zwei Darkrooms mit Sling und freue mich wie ein Weihnachtsengel, dass ich den Weg nach P-Berg gemacht habe. Und wieder: Keiner kann das breite Grinsen auf meinem Gesicht sehen.

Geredet wird hier wenig und die Musik ist gerade laut genug, um die eigenen Gedanken nicht ständig hören zu müssen. Hier zählt Körpersprache, eine Form der Kommunikation, die angezogen leider viel zu selten angewandt wird. Schnell ist klar wer mit wem und auch was geht. Ich streife umher und muss gar nicht erst in den Darkroom, um fündig zu werden. Ein kerniger Typ in Sportsocken legt selbstbewusst Hand an und bevor ich es merke, sind wir auch schon dabei. Schnell mischen sich mehrere Kerle ein und so gebe ich alles, bis ich eine Pause brauche. Man soll sein Pulver ja nicht gleich verschiessen.

Erst mal zurück an die Bar, wo ich bemerke, dass es bereits voller geworden ist, aber nicht lauter. Der maskierte Barmann reicht mir ein weiteres Bier und ich mache es mir in einer Ecke bequem. Die kernigen Sportsocken folgen mir, setzen sich neben mich und fangen an zu reden. Er stellt sich als Tourist heraus, der mehrmals im Jahr extra dafür Urlaub nimmt, um in Berlin so etwas wie heute zu erleben. Nun da wir reden, fällt mir auf, dass seine Stimme enorm sexy ist und ich würde gerne seine Maske abnehmen. Aber ich halte mich an die Spielregeln des Abends: Die Maske bleibt bis 1 Uhr an. Wir machen weiter rum und ich wünschte nur, dass hier Kondome in Reichweite rumlägen – sind hier wohl nicht so wichtig – aber man kann ja auch safe ohne Gummi Spaß haben. Ich habe ausreichend Sex an diesem Abend, und es ist ein saugeiles Gefühl, nackt und dennoch unerkannt zu bleiben.

Nachdem ich fertig bin,gehe ich zurück zur Bar und will zahlen. „Willste nicht erst mal dein Geld holen?“, werde ich charmant aufgefordert mich erst zu bekleiden. Einen Eintritt zahle ich nicht, dafür einen fairen Mindestverzehr von 8 Euro. Dann der Moment in dem ich die Maske an der Bar abgebe – alle in Sichtweite schauen mich an, und ich muss wieder grinsen, denn:

die Reaktionen hinter den Masken kann ich nicht mal im Ansatz deuten. Fazit: Ein geiles Erlebnis und bis zurück zur U-Bahn vermisse ich die Maske noch. Aber nicht, weil ich mein Gesicht wahren will, sondern weil es langsam echt schattiger draussen wird. (ts)

Cocks Berlin | geschlossen seit Dezember 2014

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