Das Debütalbum des New Yorker Singer-Songwriters Samuel Hope „Other Man“ ist eines dieser seltenen Werke, die einen nicht loslassen. Mit seiner Stimme verleiht er großen Gefühlen wie Schmerz, Liebe, Leidenschaft und Frust viel Klarheit und Schönheit. Hope, also Hoffnung, kann man auch haben, wenn man mit ihm redet. Zur Veröffentlichung von Other Man sprechen wir über Musik, Beziehungen und Berlin.

Du hast gerade dein Debütalbum Other Man herausgebracht, wie fühlt sich das an? Es ist sehr aufregend, ich habe schon lange darauf gewartet und freue mich, dass es nun soweit ist.

Eigentlich stammst du aus New York, wohnst aber derzeit in Berlin. Hier geht es eher um laute, elektronische Musik, ganz anders als deine Stücke. Magst du den Gegensatz? Was sind die Gründe, weshalb du hier lebst? Berlin ist sehr viel ruhiger, kleiner und billiger als New York, was vieles erleichtert. Ich wollte eh in Europa leben und einige meiner Freunde sind damals hierher gezogen, also bin ich auch los. Ich wollte raus aus New York. Die elektronische Musik ist dann in meine Musik eingedrungen und ich begann, mehr mit Programming und elektronischen Instrumenten zu arbeiten. Auf Other Man hört man diese neuen Einflüsse, zuvor habe ich meine Songs analog eingespielt.

Mit dabei war auch Mike Hedges, der bereits mit The Cure, U2, Travis und Siouxsie And The Banshee produziert hat. Wie war die Zusammenarbeit? Super interessant! Wenn man mit Mike arbeitet, bekommt man ein komplettes Team mit dazu. Dieses Team ist allerdings auf der ganzen Welt verstreut. Er selbst kam nach Berlin, um mich kennenzulernen und in den ersten Session hat er unglaublich viel aus mir heraus holen können. Wir haben das meiste im Studio X von Dirk Feistel aufgenommen, aber abgemischt wurde vieles von einem Produzenten aus Stockholm. Manche Pianosequenzen wurden in New York aufgenommen, die Streicher alle in London, und das finale Abmischen und Mastering haben zwei verschiedene Typen in Dublin übernommen. Ich habe diese Leute nie persönlich kennengelernt, was das Ergebnis für mich umso verblüffender macht. Im Inlay des Albums findet man die Namen und wo genau die Musiker gearbeitet haben.

Eine internationale Produktion mit einer globalen Message. Die meisten deiner Songs handeln von Beziehungen, wieso gerade das Thema? Es geht viel um meine eigenen Erfahrungen mit Beziehungen oder die von Freunden. Manche Lieder handeln von meiner Beziehung zur Musik, andere handeln von Trennung oder davon, wie es ist, etwas hinter sich zu lassen. Runaway etwa habe ich geschrieben, kurz nach dem ich New York verließ, das ist jetzt fast zehn Jahre her. In meinen Lyrics rede ich eigentlich viel mit mir selbst, vieles davon ist chaotisch. Aber generell geht es immer um Beziehungen, die mir etwas bedeuteten und mit denen ich mich auseinandersetzen muss. Wenn man das macht, kommt es auch zum Streit.

Du selbst bist nicht schwul. Aber Hand aufs Herz: Wieviel Homophobie bekommst du so mit? Ich hatte das Privileg, in einem sehr offenen, nicht-diskriminierenden Umfeld aufzuwachsen. Auch heute bewege ich mich in solchen Kreisen. Ich kenne es nicht anders, dass Hautfarbe, Geschlecht oder Sexualität keine Rolle spielen, aber ich bekomme schon mit, dass Menschen Ausgrenzungserfahrungen machen. Aus sozialen Medien halte ich mich eher raus und lebe in der realen Welt, daher kann ich nur das wiedergeben, was ich persönlich erlebe. Ich wurde in Berlin auch schon angemacht, weil ich Ausländer bin. Freunde von mir werden wegen ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts angemacht. Was das angeht, unterstütze ich jeden, der so etwas erleben muss. Ich finde, dass wir alle im Grunde nicht sonderlich verschieden sind.

Interview: Torsten Schwick

 

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Web:
www.samuelhopeofficial.com
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www.instagram.com/samuelhopeofficial/

SAMUEL HOPE: Other Man Tour 2018

08.10.18 – München, Orangehouse

10.10.18 – Berlin, Privatclub

11.10.18 – Hamburg, Häkken

12.10.18 – Köln, Studio 672

Tickets: https://bit.ly/2LrAakM

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