Nach einer erfolgreichen Aktion zu Fasching arbeiten die S’AG und Milady Charleen Bla Bla wieder unermüdlich für mehr Akzeptanz und Herz in und für Münchens queere Community. Im Zwiegespräch erzählt Milady über die Kampagne, die schöne Isarstadt und wie es dort um das gemeinsame, offene Miteinander steht.

S’AG: Du machst mit der S’AG gemeinsam die diesjährige Aktion mit dem Motto “Gemeinsam geht’s besser – Gemeinsam für ein München mit Herz”. Wie bist du dazu gekommen, mit der Safety-Aktionsgruppe diese Aktion auf die Beine zu stellen?

Milady Charleen Bla Bla:Von der S’AG hatte ich schon eine Menge toller Sachen gehört und habe sie auch schon oft live in Aktion erlebt. Ich muss gestehen, ich bin ein Fan ihrer Arbeit und möchte in dieser Sache langfristig und nachhaltig unterstützen. Ich kann mich mit dem, was sie machen, sehr gut identifizieren. Ich finde es ganz toll wie sie, ich nenne sie mal Kollegen, wir sind ja eine große Familie (lacht), miteinander etwas auf den Weg bringen. Man hat mich gefragt, und ich habe ja gesagt. So ist diese Aktion entstanden, “Gemeinsam für ein München mit Herz”. Wir haben das Motto mit einem Brainstorming zusammen erarbeitet und ausformuliert. Da haben wir auch gemerkt, dass wir für die gleichen Ziele einstehen.

S’AG: Welchen Verbesserungsbedarf in Bezug auf Toleranz, Akzeptanz und Gemeinsamkeit siehst bei uns in München? Was müssen wir tun? Welche Arbeit muss geleistet werden?

Milady Charleen Bla Bla: Du nennst gleich zwei wichtige Schlagworte in deiner Frage. Toleranz, finde ich persönlich, ist heute nicht mehr so zeitgemäß. Das war damals der erste Schritt in die richtige Richtung. Heute möchte ich, wie viele andere, nicht mehr nur toleriert, sondern akzeptiert werden. Es sollten Zeichen gesetzt und Aktionen gestartet werden, gemeinsam für eine gute Sache einzustehen. Die Safety-Aktionsgruppe sieht ihre Aufgabe darin, zu beraten und aufzuklären. Aber auch darin, uns alle darüber zu informieren, wie wir uns und andere schützen können, also eben auch füreinander einzustehen. Diese Arbeit möchte ich unterstützen.

S’AG: Unser Aktions-Flyer zeigt verschiedene, menschliche Charaktereigenschaften und kommuniziert, dass wir so, aber eben auch mal ganz anders sein können. Welche dieser Eigenschaften passen denn zu Milady Charleen Bla Bla?

Milady Charleen Bla Bla: Mit fällt es immer ein bisschen schwer, mich selbst zu beschreiben und zu sagen, das bin ich und das bin ich nicht. Weil so, wie die Milady sich über all die Jahre als Kunstfigur entwickelt hat, erfüllt sie viele Facetten und kann sich mit ganz unterschiedlichen Menschen identifizieren. Wichtig ist mir, dass sie sich nicht all zu ernst nimmt. Warum zwischendurch nicht auch mal ganz anders sein dürfen? Viele Menschen sind eben nicht hunderprozentig sportlich oder hunderprozentig verrückt. Man ist nicht immer hunderprozentig aufgeschlossen. Man soll sich und seine Mitmenschen in den Begriffen des Flyers wiedererkennen und sich dabei in sie hineinversetzen und sie so annehmen, wie sie sind. Sie also so akzeptieren, wie sie sind. Daher das Motto “Manchmal sind wir auch anders” und die damit verbundene Fragestellung “Wie bist du? Wie fühlst du dich?”. Die meisten Begriffe im Flyer treffen auf die Kunstfigur Milady Charleen, also auch auf die Person, die hinter ihr steckt, zu. Und ich glaube eben auch, dass sie auf eigentlich alle anderen auch zutreffen. Mal so und mal so.

S’AG: Wir sind ja viel in der Szene unterwegs, machen Verteilaktionen und führen Gespräche mit Leuten über Prävention und Safer Sex. Wie wirst du mit der S’AG zusammen diese Akzeptanzkampagne jetzt in die Community transportieren?

Milady Charleen Bla Bla: Ich werde diese Kampagne mit Leib und Seele unterstützen und mittragen. Ich werde die schönen Safety-Päckchen mit unserer Botschaft auch verteilen. Aber es ist ganz klar, dass dieses Thema zu jeder Zeit wichtig. Die Bedeutung unserer Botschaft geht JedeN an. Wir wünschen uns eine gewisse Nachhaltigkeit für unsere Botschaft. 2015 wird ein sehr interessantes Jahr werden. Diese Aktion ist ein toller Start.

S’AG: Du genießt ja als Maikönigin und durch den CSD in der Münchner Szene eine gewisse Bekanntheit. Wie erlebst du persönlich diese Szene? Spürts du dort ein Miteinandergefühl?

Milady Charleen Bla Bla: Das Amt der Maikönigin habe ich sehr gerne angenommen. Es zeigt mir, dass man mir durch die erneute Wahl Vertrauen schenkt. Als Milday Charleen habe ich ein sehr interessantes Jahr hinter mir. Ich wurde von der Community ohne Anfeindungen angenommen. Ich komme gerne ins Gespräch mit den Leuten. Ich gebe mich sehr offen. Und diese Offenheit kommt eigentlich in der Regel wieder zu mir zurück.

gemeinsam gehts besser kampagne

S’AG: Merkst du einen Unterschied im Gespräch mit verschiedenen Generationen in der Szene?

Milady Charleen Bla Bla: Es ist manchmal ganz bemerkenswert. Entweder sind es die Älteren, die mir zum Beispiel wie beim CSD sehr positiv und mit Komplimenten begegnen, oder es sind die ganz jungen Leute, die an mir schätzen, dass ich mich für Werte einsetze. Obwohl die Milady natürlich auch ihre lustigen und verrückten fünf Minuten hat, bin ich doch ein sehr besonnener Mensch. Ich mache mir viele Gedanken zu meiner Wirkung auf mein Gegenüber. So erreiche ich, glaube ich, ein sehr breites Spektrum an verschiedenen Menschen. Ich fühle mich dabei sehr wohl. Was ich damit zurück bekomme ist besonders wertvoll.

S’AG: Deine Wirkung hat natürlich auch etwas mit deinem Look zu tun. Wie entsteht das Styling der Milady Charleen Bla Bla?

Milady Charleen Bla Bla: Ich bin sehr selbstkritisch. 2015 feiere ich mein zehnjähriges Jubiläum als die Kunstfigur, die ich heute in Vollendung darstelle. Ich mache keinen Riesenhype aus meinem Look. Ich mache meine Haare und das Make-Up selbst. Wir Männer, den Begriff hier bewußt gewählt, sind oft sehr narzistisch und möchten rausgehen und strahlen. Es geht darum, wie man da draussen wahrgenommen werden will. Das gleiche gilt auch für die Frau, die Kunstfigur, in mir. Alleine schaffe ich die Darstellung aber natürlich nicht. Ich habe liebe Freunde, die mich mit dem Styling und der Garderobe beraten und unterstützen. Der Hut auf dem Kampagnenbild zum Beispiel ist meine Eigenkreation. Vielleicht ist er deshalb auch etwas schief geraten (lacht).

S’AG: Eine Lady mit Bart. Da überlegen sicher viele Leute und fühlen sich an Conchita erinnert. Wirst du oft darauf angesprochen?

Milady Charleen Bla Bla: Da muss ich schmunzeln, diese Reaktionen in Bezug auf Conchita Wurst kommen sehr oft. Ich finde es ganz toll. Denn Conchita wurde ja auch akzeptiert und angenommen. Das macht mich stolz. Ich bewundere Conchita, das möchte ich gar nicht verstecken. Großartig, dass in zwei Ländern fast parallel, ich habe in 2010 begonnen und trug damals schon den Bart, zwei solche Figuren auftauchen. Wir hatten eben beide die gleiche Idee. Das hat vielleicht auch etwas von einer Seelenverwandtschaft. Auch hier sehe ich den Aspekt der Gemeinsamkeit. Und das wünsche ich mir wiederum für die Community, etwas gemeinsam auf den Weg zu bringen. Vielleicht machen Conchita und Milady Charleen mal etwas zusammen (schmunzelt). Beim CSD in Innsbruck war ich ja schon einmal dabei und habe dort auch München vertreten.

S’AG: Ich möchte nochmal zu unserer Faschingsaktion zurück kommen. Was möchte Milady, ganz direkt, der Community sagen? Appelle? Message?

Milady Charleen Bla Bla: Die Community ist Teil von einem Ganzen. Wir sollten uns nicht ausschließen. Wir sollten gemeinsam mit ganz München mitgestalten. Wir, das Wort “wir” ganz bewußt im Vordergrund, wir sollten von innen nach außen wirken. Ich lebe als Franke seit 10 Jahren in München. Es ist eine ganz tolle Stadt. Jeder nach seiner Façon, lasst uns das Leben in unserer Stadt miteinander interessant gestalten. Dann sind wir auf dem richtigen Weg.

S’AG: Milady, lieben Dank für das Gespräch. Auf eine spaßige gemeinsam Zeit und eine gelungene Kampagne miteinander. Bis bald.

Milady Charleen Bla Bla: Liebe S’AG, vielen Dank für die Zusammenarbeit und dir, lieber Frank, vielen vielen Dank für deine Zeit und das herzliche Interview. Busserl

 

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