An einem Namen kommt man in Wien derzeit nicht vorbei: Damien Thorn. Tänzer, Performance-Künstler, Fotomodell, Event-Veranstalter, Night Host, It-Boy und fast schon Botschafter der Gayszene.  Wer ist er, was auf seiner Party „Pitbull“ geht und wo man privaten Twerking-Unterricht bei ihm nehmen kann? Boner hat nachgefragt. 

Damien, wenn man durch die Wiener Gayszene streift, kommt man an dir nicht vorbei. Was macht dich zum It-Boy der Wiener Partyszene? Die Gayszene in Wien hat sich drastisch zum Besseren verändert, im Vergleich zu vergangenen Jahren. Ich kenne die Szene auch zu der Zeit, wo es hier nur eine Why Not Disco und ein paar Bars gab. Heute bietet Wien seinen Touristen regelmäßige Partys verschiedener Thematiken. Wir kooperieren mit internationalen Stars aus dem Entertainment Life. Ob DJs, Tänzer, Actors oder Moderatoren. Unter allen diesen Leuten findet man auch mich, wenn die Nacht über die Stadt zieht. 

Schon von Anfang an versuchte ich immer, ich zu sein. You know, not pretending, just me – stripped. Meine Ausstrahlung, Freiheit, Offenheit, SexDrive, PartyEnergie  und gute Laune und Vibes, die ich an die Leute weitergebe sind die Hauptmerkmale, die mich zu einem It-Boy machen, wie du das so schön gesagt hast. Ich war nie der Hübscheste, aber wohl einer der Coolsten. Die Menschen wollen jemanden, der real, nett und spürbar ist. Wenn du die drei Wörter in the mix bringst, kriegst du das gewisse Etwas – was man nicht oft findet. Heutzutage leben wir in so einer Welt, die oft mit Stress, Angst, Aggressivität und Unzufriedenheit verbunden ist. Die Leute kommen zu den Partys, um sich zu amüsieren, Sorgen zu vergessen, sich zu unterhalten, ein schönes Wort zu hören. Genau das ist es, was denen morgen helfen wird – um einen beschissenen Tag zu überstehen. Daher ist es wichtig für uns, die in der Szene arbeiten, nett, authentisch und professionell zu sein. Kindness is the new cool.

„Ich lebe nur einmal und wenn ich heute entscheide ,dass ich wie eine Prinzessin ausschauen will, dann werde ich eine verdammte Prinzessin sein.“

Also eine Rampensau?
Jappp. Eine große Rampensau. Das war schon immer so. Seitdem ich zehn war, war die Bühne mein zweites Zuhause. Ich liebe die Lichter, die Bühne und vor allem Tanz. Ich lebe für Tanz. Wenn man mich beim Tanzen beobachtet, kann man sehen, wie Sex, Sinnlichkeit, Kunst, Geborgenheit aus meinem Körper fließen. Ich bin ein ewiger Sklave des Rhythmus.

Wo kommst du ursprünglich her und was hat dich nach  Wien verschlagen?
Ich komme aus Bosnien und Herzegowina, und zwar aus dem westlichen Teil (Velika Kladusa). Dort bin ich geboren und teilweise aufgewachsen. Während des Krieges zog ich mit der Familie nach Serbien, wo ich sieben Jahre gelebt habe. Mein Blut ist gemischt.

Nach meinem 19. Lebensjahr, bevor ich zu studieren anfing, hatte ich die Wahl: Wien oder Sarajewo? Da ich damals in der Provinz lebte, ungeoutet und schwul, wusste ich, dass ich eine Zukunft als freier Mensch nur in einer Großstadt habe. Und das war die perfekte Entscheidung. In Wien habe ich auch sehr viele Verwandte, was meine Wahl erleichtert hat. Hierher kam ich, um Publizistik und Kommunikationswissenschaft zu studieren, mich zu entfalten und ein neues Leben zu beginnen. Wien hat mich geändert, verbessert und meine Augen weit geöffnet. Ich lebe gerne hier und betrachte dieses Land als meine Heimat.

Dein Party- und Kleidungsstil ist stark an die New Yorker Party Szene angelehnt. Wie lange brauchst Du, um dich für eine neue Party vorzubereiten?
New York ist eine Stadt, die mich sehr beeinflusst. Ich bin Wiener Botschafter der Marke Slick it Up. Ich liebe David, seine Kostüme und coole Fetisch Bodysuits aus Spandex. Vor allem mag ich etwas tragen, was die Leute nicht kennen oder tragen.

Mein Outfit hängt immer von dem Thema des jeweiligen Abends ab. Ich bevorzuge sexy Sachen, die den Körper betonen, Fetisch-Klamotten mit gewissem artistic touch, Gothic Elegance und Candyboy Fashion. Ich kann alles sein! Diese Freiheit nehme ich mir. Ich lebe nur einmal und wenn ich heute entscheide ,dass ich wie eine Prinzessin ausschauen will, dann werde ich eine verdammte Prinzessin sein. Und keiner wird mich daran hindern. 

Wenn wir eine große Party haben, plane ich meine Outfits schon zwei bis drei Wochen im Voraus. Ich bestelle die aus New York, Paris oder London. Wo ich shoppe verrate ich sicher aber nicht, denn ich will nicht, dass ich die Sachen morgen in Wien an jemanden anderen sehe. Ein cooles, extravagantes und geiles Outfit ist einfach ein MUSS. Es gibt der Party das besondere Etwas, an das sich die Leute gerne erinnern. In Wien bin ich auf Partys NIE normal gekleidet. Wie oft hat mir meine Mirzellia gesagt: „Kannst du einfach nicht etwas Normales anziehen?“ – Aber das geht einfach nicht.

Man kenn dich von vielen Veranstaltungen wie etwa Pittbull, Circus oder Heaven, Ist Wien nun Europas heimliche Party-Hauptstadt?
Es gibt fast keine Party in Wien auf der ich nicht war. Wie gesagt, ich bin aktiv in der Szene seit 2007 und sah, wie die Wiener Gay Szene wächst. Ich bin so stolz, dass ich ein Teil davon bin und auf alle unsere Veranstalter. Pitbull ist mein Baby, wo ich seit Anfang an dabei bin: Clubbing für Bear- und Butch-Liebhaber für men only mit einer familiären Atmosphäre, guten Beats und viel Sex Appeal. Hier bin ich Resident-DJ und da kann man mich jeden Monat sehen. Diese Party ist höchst empfehlenswert! Ich arbeitete natürlich auch für Circus, die größte Party in Österreich. Das Team ist sehr gut vorbereitet und professionell.
Der LoveBall in der WUK Konzerthalle ist unsere größte Silvesterparty. Wer über Silvester in Wien ist sollte unbedingt vorbeikommen. Es ist so schön, wenn man an jedem Wochenende überall feiern kann. Wien wird nie Berlin, Barcelona oder Tel Aviv sein, aber Wien schläft auch nicht! Nicht mehr.

Du bist Performance-Künstler, Tänzer, Host, Fotomodell, Gay Aktivist und so viel mehr. Wie machst du das und was treibt Dich an?
Sagen wir es so: Ich bin tagsüber meistens ein braver junge im Anzug, der am Flughafen Wien arbeitet, Passagiere eincheckt, VIPs begleitet oder Arrival macht. Nachts jedoch iwird Damien ein Engel der Nacht – oder ein Bengel.

Dein Tip für Wien-Touristen.
Die Touristen in Wien müssen sich auf jeden Fall Zeit tagsüber und nachtsüber nehmen. In Wien gibt es über 120 Museen, viele Kaffeehäuser und traditionelle Bäckereien. Architektur, Theater, Oper und verschiedene Bälle. Für einen Wochenend-Trip empfehle ich die innere Stadt, den Prater, Schönbrunn oder Belvedere. Eine Sachertorte im Hotel Sacher, tollen Cafe im Cafe Zentral und den genialen Kuchenladen Demel.

Shopping auf der Mariahilferstrasse oder Kärtnerstrasse, perfektes Abendessen im Motto oder traditionelles im Plachutta. Ein Cocktail auf dem Dach des Melia Hotel mit tollem Blick über die Stadt. Wenn es Zeit zum Feiern ist, empfehle ich den Schwestern einen Drink im Felixx Cafe: echt gemütlich, elegant und es gibt sehr schöne Cocktails. Wer es männlicher haben will, geht ins Cafe Savoy – innen schön barock eingerichtet, freundliches Personal mit 98% männlichen Gästen. Why Not ist die älteste Disco in Wien. Hier hat wirklich alles angefangen damals, gemeinsam mit Heaven im U4Wer es in die Richtung Fetisch gehen will, HARd On by LMC ist a place to be: regelmässige Partys mit Dresscode. Wem das zu streng klingt kann ruhig ins Eagle oder Sling gehen und dort Spass haben. Die passende Ausrüstung findet man schnell bei Clonezone Wien – vom Harness über Jocks bis zu den Boots bekommst du da eigentlich alles. Oder auch im Spartacus Shop auf der Mariahilferstrasse. Wer auf Südländer steht und arabische, türkische oder Balkan-Musik mag, wird eher beim Ballcancan Clubbing fündig.

Mir fallen noch so viele tolle Sachen ein, die es hier zu erleben gibt. Am besten ihr kommt einfach mal nach Wien:-)

Interview: Ernesto Klews 

Pitbull Vienna: 6. Januar 2017 · 22 Uhr · Club Titanic, Theobaldgasse 11, 1060 Wien

Facebook-Link: https://www.facebook.com/events/1784828905112241/

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