Eine „funktionelle Heilung“ von HIV wurde bei einem Affen mit genau dieser Methode erreicht, die ihn dazu veranlasste, zwei neutralisierende Antikörper gegen das Virus herzustellen. Der Forscher José Martinez-Navio von der University of Miami bestätigte, dass der Affe keine klassische HIV-Behandlung erhalten hatte sondern zwei Injektionen, die diejeniogen Gene enthalten, die zur Produktion von Antikörpern führen. Damit sei seit fast drei Jahren die Viruslast des Affen nicht nachweisbar

Das Experiment mit einem therapeutischen Impfstoff (der eigentlich kein wirklicher Impfstoff ist, sondern eher eine Gentherapie) wurde durch ein vorhergehendes Experiment inspiriert. In diesem Versuch erhielten zwei Affen einen präventiven Gentherapie-Impfstoff, der die Produktion eines Antikörpers gegen das Affen-HIV (SHIV) anregte. Einer der beiden Affen blieb trotz sechs intravenöser Infektionsversuche mit hochinfektiösem Virus über einen Zeitraum von über dreieinhalb Jahren nicht infiziert. Daher wollte man untersuchen, ob ein ähnlicher Impfstoff zur Heilung einer bestehenden Infektion eingesetzt werden könnte.

Der „Miami-Affe“ ist nicht vollständig von seiner Infektion geheilt. Die Forscher konnten virales Erbmaterial (RNA und DNA) in geringer Menge im Körper des Affen finden. Behandelte man das Blut des Affen mit einem Wirkstoff, der die Abwehrzellen zerstörte, konnte man wieder vermehrungsfähiges Virus isolieren. Dies deutet darauf hin, dass das Immunsystem im lebenden Tier zur Kontrolle des Virus beiträgt. In einem Test zur Infektiosität wurde Blut des infizierten Affen auf zwei nicht infizierte Affen übertragen. Dies führte nicht zu einer Infektion, weshalb man den Affen als nicht infektiös und folglich zumindest funktionell geheilt ansehen kann.

Bei den beiden verwendeten Antikörpern handelte es sich um dieselben breit neutralisierenden Antikörper (bNAbs), die kürzlich in einem Experiment am Menschen eingesetzt wurden, bei dem sieben von elf Personen eine nicht nachweisbare Viruslast (ohne klassische HIV-Medikamente) für durchschnittlich fünf Monate aufrechterhielten.

Der Unterschied zu diesem Experiment besteht darin, dass die Antikörper nicht direkt verabreicht wurden, sondern gleichsam nur die „Bauanleitung“ für die Antikörper. Diese bestand aus zwei modifizierten Genen, die mittels einer harmlosen Transporter-Virus in das Immunsystem des Affen eingebracht wurden. Dieses Virus verursacht keine Krankheit, ist aber in der Lage, die Gene in das Wirtsgenom einzubauen.

Dies veranlasste das Immunsystem des Affen, die bNAbs zu bilden. Es handelt sich um einen echten therapeutischen Impfstoff, im Gegensatz zu den bNAbs im menschlichen Experiment, die einfach infundiert wurden und im Laufe der Zeit wieder vom Körper abgebaut werden.

Ein Problem bei dieser Methode ist allerdings, dass der Körper oft „Anti-Antikörper“ entwickelt, also Antikörper, die die eigentlich erwünschten Antikörper neutralisieren und unwirksam machen. Auch in diesem Experiment entwickelten einige Affen Anti-Antikörper: 

Der Affe, der Anti-Antikörper gegen alle drei bNAbs entwickelte und daher eine Art „funktionelles Placebo“ erhielt, starb leider an seiner SHIV-Infektion in Woche 100. Von den beiden, die nur einen wirksamen Antikörper produzierten, hatte einer eine fast unveränderte Viruslast; interessanterweise hatte der andere Affe eine nicht nachweisbare Viruslast, die (unter 15 Kopien/ml) mit gelegentlichen Blips von nicht mehr als 150 Kopien/ml.

Der vierte Affe hatte eine Viruslast, die dauerhaft nicht nachweisbar war und immer noch ist, 242 Wochen nach der SHIV-Infektion und 158 Wochen (etwas mehr als drei Jahre) nach der Gentherapie-Impfung; Er hat auch konstant hohe Plasmaspiegel von beiden Antikörpern.

Wie bereits erwähnt, scheint der Affe immer noch HIV in einigen seiner Zellen zu haben, aber die dauerhaft vorhandenen Antikörper und das Vorhandensein einer Immunreaktion deuten auf eine anhaltende Unterdrückung der HIV-Infektion oder sogar eine funktionelle Heilung hin.

In einem zweiten Experiment wiederholten die Forscher das Impfstoffdesign bei acht Affen mit einem Gentherapie-Impfstoff, der zur Bildung von vier bNAbs führen sollte. Wiederum wurden zwei oder drei dieser bNAbs durch Anti-Antikörper neutralisiert, aber drei der acht Affen, die einen wirksamen Titer an einem Antikörper aufrechterhielten, haben auch für ein Jahr nach der Impfung nicht nachweisbare Viruslasten aufrecht erhalten, die durch ein paar Blips unterbrochen wurden.

Diese Ergebnisse sind zunächst ein „proof of concept“; Nun müssen die Forscher einen Weg finden zu verhindern, dass das Immunsystem Anti-Antikörper gegen die bNAbs bildet. Aber dies ist eine der ersten Beweise, dass ein Impfstoff, der entwickelt wurde, um die Bildung spezifischer Antikörper hervorzurufen, tatsächlich zu einer funktionellen Heilung führen kann.

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