Vernissage: Winckelmann- Das göttliche Geschlecht

DETAILS

WANN
15.06.2017
19:00

Veranstaltungsort
Schwules Museum
Lützowstraße 70-73, 10785 Berlin, Berlin

Weiterführende Links
Facebook Event anzeigen
Webseite anzeigen
Email senden

Kalender Import
iPhone (.ical)
Android (Google Calender)

Lade Karte ...

ABOUT

Johann Joachim Winckelmann (geb. Stendal 1717, gest. 1768 Triest/Italien) gilt als Begründer der modernen Archäologie und Kunstwissenschaft. Seine mehrbändige Geschichte der Kunst des Altertums (1764) war ein internationaler Bestseller, der in mehrere Sprachen übersetzt wurde; sie gilt noch heute als Standardwerk der Kunstgeschichte. Der Weg des aus einfachen Verhältnissen stammenden Gelehrten führte über Halle, Jena und Dresden nach Italien. Hier, unter dem Einfluss der Kunstdenkmale und Bildhauerwerke der griechischen und römischen Antike, definierte er seinen neuartigen ‘Kanon des Schönen‘, der Maßstäbe für die stilkritische Bestimmung der Kunstepochen setzen sollte.

Fast ebenso wirkungsmächtig wie sein Werk war die schon zu Lebzeiten geheimnisumwitterte Person Winckelmann.

Seine von ihm selbst kaum verhehlte Homosexualität, die schon so berühmte Zeitgenossen wie Casanova, Herder und Goethe kommentierten, sowie die mysteriösen Umstände seiner Ermordung im Jahr 1768, sind von der überwiegend heteronormativen Winckelmann- Forschung stets dezent heruntergespielt worden. Dass ausgerechnet ein Homosexueller den kunstgeschichtlichen Kanon für Generationen verbindlich definierte und zugleich in seinen Schriften eine eigene Technik der Camouflage entwickelte, entbehrt nicht der Ironie. Dies war für das Schwule Museum* Anlass, im Jahr von Winkelmanns 300. Geburtstag eine Gedächtnisausstellung zu Leben und Werk auszurichten und speziell den Aspekt seiner sexuellen Orientierung vor dem Hintergrund der Biografie und Schriften neu zu hinterfragen.

Die Ausstellung im Schwulen Museum* trägt den gewollt doppeldeutigen Titel Winckelmann – Das göttliche Geschlecht. Im Mittelpunkt steht die Antikenrezeption des Gelehrten. Anhand von rund 100 Skulpturen und Gipsabgüssen, Gemälden und Zeichnungen, Stichen und Druckwerken des 18. und 19. Jahrhunderts wird der von Winckelmann neu angestoßene Diskurs um den Kanon des Schönen nachvollzogen. Dabei erscheint die Beschäftigung mit und das Sprechen über Kunst stets auch als eine Möglichkeit, wenn nicht als wesentliches Moment der Sublimierung erotischen Begehrens. Den Schlusspunkt der Ausstellung bildet die Zeit um 1850, als Winckelmanns Epocheneinteilung in eine universalhistorische Lesart von Stilabfolgen mündete und sich die Kunstgeschichte endgültig als wissenschaftliche Disziplin etablierte.

In Seitensträngen werden auch kulturhistorische Aspekte beleuchtet: Da wird das Italien des 18. Jahrhunderts zum Sehnsuchtsziel homosexueller Reisender und Kunstsammler, werden die historischen Bedingtheiten und Grenzen von der gesellschaftlichen Norm abweichenden Lebensentwürfen vor bzw. um 1800 ebenso thematisiert wie der Einfluss von Winckelmanns ästhetischem Entwurf auf die Ausbildung von Künstler_innen an den Akademien.

Mit der Klassik Stiftung Weimar, die zum Auftakt des Jubiläumsjahrs im Neuen Museum Weimar die Ausstellung Winckelmann – Moderne Antike (7.4.-2.7. 2017) präsentiert, ist das Schwule Museum* in den Bereichen Bildung, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing eine Kooperation eingegangen. Auch als Leihgeber hat Weimar das Berliner Projekt unterstützt. Weitere hochkarätige Leihgaben zu der überwiegend aus Eigenbestand bestrittenen Ausstellung steuern unter anderem die Alte Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, die Staatsbibliothek zu Berlin, das Deutsche Historische Museum, das Lindenau- Museum Altenburg sowie mehrere Privatsammlungen bei.

THE LOCATION

Schwules Museum

Das Schwule Museum bemüht sich seit 1985 um die Erforschung und Darstellung schwulen Lebens. Aus dieser Arbeit bildet sich eine einzigartige Sammlung zur schwulen Sozialgeschichte und zur Entwicklung der schwulen Emanzipation, die aber auch die Unterdrückung schwuler Selbstäußerungen dokumentiert.


schwulesmuseum.de
kontakt@schwulesmuseum.de