Nervosität macht sich in der Schöneberger Szene breit, erneut gehen Bezirk und Polizei gegen sexpositive Treffpunkte vor. BONER wagt eine kritische Betrachtung.

Ja, ich finde es gut, wenn kommunale Behörden den Brandschutz und andere sicherheitstechnische Belange in Kneipen und Veranstaltungsorten prüfen – und diejenigen, die sorglos oder nachlässig sind, ermahnen und disziplinieren. Der Schöneberger Kiez hat vor zwei Jahren nicht nur eine Brandkatastrophe mit drei Toten in der Apollo-Sauna erleben müssen, auch der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz ereignete sich in direkter Nachbarschaft, bloß einen Kilometer von der Motzstraße entfernt. Oft genug habe ich Locations und Situationen erlebt, wo ich gehofft habe: Lass’ hier bloß nie eine Panik ausbrechen.

Dass der Bezirk Tempelhof-Schöneberg auf Einhaltung der Vor­schriften pocht und dies auch kontrolliert, ist seine Pflicht gegenüber seinen Bewohnern und Besuchern. Ob Fluchtwege wirklich frei sind oder der Bierkisten-Vorrat für die Nacht sie verstellt, ist tatsächlich nur während des laufenden Betriebs möglich zu prüfen. Und wenn ein Darkroom eine potentielle Feuerfalle für die Gäste darstellt, dann muss sich dort etwas ändern. Die wilden 90er, wo in Berlin irgendwie alles ging, die sind vorbei, und für die schwulen Szenetreffs der Stadt gibt es auch keinen „Wowi-Bonus“ mehr. So mancher signifikanter Renovierungsstau löst sich erst jetzt auf. Und das ist auch gut so.

Aber: Warum handelt die Verwaltung erst jetzt? Brandschutz­technische Begehungen hätte man nach dem tödlichen Saunabrand viel früher erwarten dürfen. Zudem erleben Bauherren, wie zäh das Bauamt Anträge bearbeitet – egal ob Eigenheimneubau oder Darkroom-Modernisierung. Wieso rückt die Polizei in Amtshilfe für das Ordnungsamt gleich in Kommando-Stärke an? Das verstört die Szene, die die homophobe Entwicklung bei unseren Nachbarn in Warschau, Budapest und Moskau natürlich auf dem Radar hat und in der eigenen Stadt wieder zunehmend mit Ablehnung zu kämpfen hat? Razzien in schwulen, sexpositiven Schutzräumen dürfen nicht zur Gewohnheit werden. Das hatten wir schon einmal in Berlin. Und genau das birgt politischen Sprengstoff.

Lärmschutzfonds startet!

Die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe hat grünes Licht gegeben für den Startschuss zum Lärmschutzprogramm für Clubs. Im Topf sind eine Millionen Euro für Lärmschutzmaßnahmen in Clubs, in erster Linie für bauliche Maßnahmen – aber auch innovative Ansätze zur Lärmminderung können gefördert werden. Das Beste: Das Land Berlin übernimmt 80–90% der Kosten – je nach Antragshöhe! Maximal stehen jedem Antragsteller 50.000 Euro Zuschüsse zu Verfügung, aber auch kleine Vorhaben sind natürlich förderfähig. Über die genauen Bedingungen kann man sich auf der Webseite www.laermschutzfonds.de informieren.

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