Fürwahr, Bastiaan Mol aus Rotterdam ist ein Träumer und das bereits seit frühester Kindheit. So richtig bewusst wurde ihm das bereits in der Highschool, wo er seine Zeit lieber mit Zeichnen und Träumereien verbrachte, als mit Noten, Nullen und Einsen. So schloss er auch nicht die Schulausbildung ab, sondern arbeitete stattdessen als Hairstylist. Doch die Liebe zum Zeichnen ließ ihn niemals los.

Es ärgerte ihn, dass er oftmals abends nach dem regulären Job zu müde war, um seiner wahren Passion nachzugehen. Also bewarb er sich ohne Schulabschluss schließlich Jahre später an der Akademie für angewandte Kunst in Antwerpen. Und zu seiner Überraschung wurde der Schulabbrecher aufgenommen. Seitdem hat sich viel geändert im Leben des Bastiaan Mol, der seit dreizehn Jahren mit seinem Partner Ronald verheiratet ist.

Bastiaan, dein ganzes Leben ist geprägt von der Liebe zur Malerei. Kannst du dir selbst diese große Leidenschaft erklären?

Ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, was mich zum Zeichnen gebracht hat. Ich habe schon immer gezeichnet, seitdem ich denken kann. Meine Eltern mussten mir einen Skizzenblock nach dem anderen kaufen, weil ich ansonsten alles Mögliche dafür benutzte. Zeichnen war für mich immer Ausdruck meiner Phantasie. Schon in der Schulzeit zeigten meine Lehrer meine Werke herum. Das war mir immer peinlich. Ich bin auch heute noch am glücklichsten, wenn ich alleine in meinem Zimmer bin und mich darauf konzentrieren darf, etwas Neues zu erschaffen.

Du greifst in deinen Werken unterschiedliche Thematiken auf, aber Dreiviertel deiner Arbeiten drehen sich um den männlichen Körper. Was fasziniert dich so daran?

Ich interessiere mich generell für Menschen, aber Männer stehen schon im Zentrum meines Interesses, sie sind mein Objekt der Begierde. Natürlich liegt Schönheit immer im Auge des Betrachters. Ich male, was mir selbst gefällt, und ich versuche es, auf sehr ästhetische Weise festzuhalten. Schon als Kind habe ich mir viele Gedanken über die anderen Jungs in der Schule gemacht, besonders die sportlichen und muskulösen Jungs mit blonden Haaren waren für mich wie Engel. Ich fand diese Gefühle auch niemals seltsam, aber als Kind redet man nicht darüber oder denkt über Sex nach. Diese Jungs waren für mich einfach wie Magneten ohne irgendwelche Hintergedanken.

Seit einigen Jahren arbeitest du als Künstler Vollzeit. Wie sieht dein Leben seitdem aus?

Ich male wirklich jeden Tag und ich liebe es. Ich hoffe, ich werde es bis zu meinem letzten Tag machen dürfen. Ich habe immer Ideen für neue Werke, eine Blockade im Kopf, wie manche Schriftsteller es haben, kenne ich nicht. Ich versuche immer, besser zu werden und fordere mich auch gerne selbst heraus. Ich will nicht mit meinen Gemälden berühmt werden. Auch Museen sind für mich nicht so wichtig, ich freue mich viel mehr, wenn ein Bild von mir bei einer Privatperson zu Hause hängt, die es wirklich zu schätzen weiß. Meine Freunde sind sogar die treibende Kraft dahinter, dass ich überhaupt meine Werke veröffentliche. Reich wird man damit aber nicht. Künstler sind selten reich und ich bin auch nur ein armer Zeichner. Allein davon könnte ich nicht leben, aber mein Mann und ich haben zusammen ein gutes Leben. Ich würde mir wünschen, dass all diese wunderbaren Künstler da draußen von ihrer Kunst auch leben könnten.

Musik spielt für dich eine zentrale Rolle, wenn du deine Werke anfertigst. Stimmt das?

Ja, Musik ist für mich sehr inspirierend. Sie beflügelt seit meiner Kindheit meine Phantasie, das hat wahrscheinlich mit meiner romantischen Ader zu tun. Vor allem Frauen haben es mir angetan wie zum Beispiel Eartha Kitt, Zarah Leander, Hildegard Knef, Edith Piaf oder Josephine Baker. Ich habe auch ein unvollendetes Porträt von Hildegard Knef gezeichnet. Sie hat es gesehen und mir gesagt, ich solle nichts daran ändern. Ihr gefiel es so, wie es war, und sie hat es signiert.

Du malst sehr erotische Bilder und liebst es, die Imagination des Betrachters zu befeuern. Einfach nur nackte Tatsachen sind dir zu stillos.

Ja, das stimmt. Porno wird ziemlich schnell auch langweilig. Ich habe nichts dagegen, wenn andere Künstler pornografische Werke zeichnen. Aber für mich ist es einfach nicht interessant, ein Bild anzusehen, nur um einen großen Penis zu betrachten. Nacktheit nur um der Nacktheit willen ist nicht mein Ding. Ich bevorzuge es, sinnliche oder erotische Bilder zu zeichnen, und zwar so, dass die Betrachter dazu aufgefordert werden, über die Aussage nachzudenken. Die Leute sollen ihre eigene Geschichte in ihrem Kopf erleben, wenn sie meine Werke betrachten.

Wir leben schon in einer sehr prüden Zeit. Das geht soweit, dass selbst Jungs in Sportclubs ihre Unterhosen anbehalten, um nicht nackt duschen zu müssen. Genauso verrückt verhält es sich online, wo jede Form von Nacktheit verboten wird, selbst die Kunst.

Ich wurde schon vier Mal von Facebook deswegen gesperrt. Es ist für mich wirklich schwer, damit klarzukommen, denn ich habe das so noch nie zuvor erlebt. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der die Menschen immer freizügiger wurden, wenn es um Sex oder Nacktheit ging.

Ich verstehe einfach nicht, was so falsch sein soll an einem nackten Körper. Nackt zu sein hat erst einmal nichts zu tun mit Sex oder Porno. Aber genau das wollen uns die Leute glauben machen lassen. Wir machen gerade einen großen Schritt zurück in die Vergangenheit und das ist nicht gut. Den Menschen wird beigebracht, sich für ihren Körper zu schämen und eingetrichtert, Sex und Nacktheit seien etwas Dreckiges. Und natürlich spielen die verschiedenen Religionen eine große Rolle dabei.

Ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen, aber die Religionen haben im Namen ihrer Götter schon viel Böses getan. Gerade auch in Anbetracht von Homosexuellen. Du darfst einfach anderen Menschen nicht vorschreiben, wie sie zu leben oder was sie zu glauben haben. Du beraubst die Menschen damit ihrer Freiheit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen! Kurzum, Nacktheit ist für mich etwas ganz Natürliches. Jeder von uns wurde nackt geboren. Der Rest ist Kultur.

Wie sieht deine Vorgehensweise bei einem neuen Bild aus?

Um ehrlich zu sein, ich habe nie große Pläne, sondern ich fange einfach an. Jeder Künstler malt das, was ihn interessiert. Ich bevorzuge bestimmte Blicke bei Männern. Und ich arbeite sehr gerne alleine ohne Models. Ich verwende stattdessen Skizzen und Fotos von Männern, die ich zuvor angefertigt habe. Das dient aber nur als Vorlage, ich ändere immer sehr viel in meinen Zeichnungen. Alles entsteht spontan, während ich daran arbeite.

Bist du jemand, der heute sein Leben genießt?

Ich habe schon wirklich viel in meinem Leben ausprobiert – von Leder über SM bis hin zur Travestie. War aber alles nicht so richtig mein Ding. Trotzdem, mein Motto ist: Wenn du es nicht ausprobiert hast, kannst du dir auch keine Meinung darüber erlauben.

Welche Teile des männlichen Körpers findest du besonders sexy?

Der Hals und die Stelle zwischen den Schultern. Ich liebe es, wenn der Körper leicht muskulös ist und trotzdem noch etwas Körperfett aufweist, sodass sich die Haut und die Muskeln so weich anfühlen wie ein Kissen. Ich bin auch kein großer Fan von Körperbehaarung und ich mag kleine Hinterteile sehr gerne. Auch ein eckiger Kiefer ist für mich klassisch sehr schön. Einige Kerle sind schon wirklich beschenkt worden von der Natur.

Du hast uns erzählt, dass es immer noch sehr schwer ist eine Kunstgalerie davon zu überzeugen, Zeichnungen von nackten Männern auszustellen. Fehlt ihnen der Mut dazu oder woran liegt es?

Schwule sind eine Minderheit und viele Galeristen denken, das verkauft sich daher nicht. Sie sagen, die meisten Kunsthändler seien heterosexuelle Männer, die daran kein Interesse haben. Ich will das einfach nicht glauben, denn ich denke, ein schönes Gemälde bleibt schön, egal was es zeigt. Doch diese festgefahrene Meinung in der Welt zu ändern, wird schwer, solange uns die Religionen immer wieder eintrichtern, wie falsch Nacktheit ist.

 

Religiöse Menschen enden in der Regel doch stets als frustrierte Personen, die heimlich das tun, wonach sie sich sehnen. Wir brauchen ein neues Jahrhundert der Gedankenfreiheit, in dem uns niemand vorschreibt, was wir betrachten dürfen und was nicht. Das ist wichtig, nicht nur für die schwule Gemeinschaft, sondern für uns alle!

 

Online:

Besuch Bastiaan online:  Bastiaanmol-art.com und Bastiaanmol.com

Instagram: @bastiaan_mol.art

 

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