Digitale CSDs und Prides – geht das überhaupt?

Die Unkenrufe schallten bereits im Mai und im Juni von den schwul-lesbischen Dächern der großen Städte – ein CSD, eine Pride-Parade nur digital: Wie soll das gehen?

Wie lässt sich Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit zeigen, wenn niemand öffentlich sichtbar ist?

Dieser Mammutaufgabe haben sich die Veranstalter der CSDs München, Stuttgart und Berlin gestellt und entgegen allen negativen Miesepetern ein spannendes und abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt.

Natürlich ist und bleibt es etwas anderes, ob man sich sozusagen analog vor Ort mit vielen tausend Menschen aus dem bunten Reigen der LGBTQ-Welt gemeinsam für Gleichberechtigung und Akzeptanz stark macht, oder ob man diesen Kampf – selbst mit viel Kreativität und bunten Aktionen – hauptsächlich online von zu Hause aus begleitet.

Diesen Fakt wollen auch die Veranstalter der digitalen CSDs nicht bestreiten, doch die spannende Gegenfrage ist doch: Was hätten sie sonst tun sollen?

Einfach nur „BUH“ zu rufen, alles schlecht zu reden und die massiven und vor allem kurzfristig komplett neu geplanten Aktionen einer Großveranstaltung leichtfertig zu diskreditieren, ist sehr kurz gedacht und leider ziemlich einfältig. Alle Veranstalter wie auch jeder einzelne von uns müssen sich der aktuellen Situation um Covid-19 stellen.

In besonderem Maße trifft es die LGBTQ-Community. Nachdem wir im letzten Jahr noch frohgemut 50 Jahre Stonewall feierten, hat sich die politische und gesellschaftliche Lage weiter verschlechtert. In immer mehr Ländern werden schrittweise Rechte für queere Menschen weiter zurückgefahren – jeder zweite LGBTQ-Mensch verheimlicht inzwischen aus Angst vor Diskriminierung seine Sexualität in Europa (Quelle: EU-Agentur für Grundrechte). Jeder zweite!

Gleichzeitig warnte die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ kürzlich erst davor, dass auch die Pressefreiheit zunehmend gefährdet ist. Demokratisch gewählte Diktatoren und schlichtweg verrückte homophobe Staatenlenker in Polen, Ungarn, der Türkei oder auch in den USA setzen alles daran, Homosexuelle weiter ins Abseits zu drängen.

Und wir? Wir können natürlich durch die veränderte Sachlage bezüglich Corona einfach schweigen, denn wenn wir keinen „richtigen“ CSD haben dürfen, dann lieber gar nichts. Oder wir können erkennen, wie grundtief dumm dieser Gedanke ist und dankbar sein, dass viele hundert Ehrenamtliche mit aller Tatenkraft versuchen, den Kampf, die Sichtbarkeit und den Pride-Gedanken auch im einundfünfzigsten Jahr am Leben zu erhalten – und sei es „nur“ digital.

Der weltweite digitale Global Pride Ende Juni mit rund sechzig Millionen Zuschauern sowie einer großen Anzahl internationaler Stars und Politiker hat bereits gezeigt, dass sich auch online ein starkes Signal in die Welt schicken lässt. Mit dabei waren auch Organisatoren von mehreren hundert Pride-Veranstaltungen weltweit. Beim CSD München waren im Schnitt durchwegs 1.000 Zuschauer online mit dabei.

Jetzt liegt es also an uns, ob der Gedanke von Gleichberechtigung und Akzeptanz von Deutschland aus in die Welt gehen wird. Lasst uns keine Unkenrufer sondern ein stolzer Teil der LGBTQ-Community sein!

SAVE THE DATES:

CSD KULTURFESTIVAL STUTTGART, 10-26.Juli – HIER ZUM CSD STUTTGART

DIGITALER CSD BERLIN, 25. Juli – HIER ZUM CSD BERLIN

Credit Bilder: Fotograf: Antonio Arenas – @antonioarenasfotografo – Producer: @lucio_saints – Model: @_mateomarttin

Warum Prides auch wichtig sind? Um manch einem Spinner einzuheizen – wie diesem hier?:

Boom! Wenn Homophoben der Kopf platzt!

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