Die Sehnsucht nach Natürlichkeit – und die Leidenschaft zwischen zwei Männern

Christopher – so hieß der Junge in A.A.Milnes Weltbestseller „Pu der Bär“. Der junge Mann machte sich darin mit seinem besten Freund, dem Stoffbären Pu, auf, im Hundert-Morgen-Wald zusammen mit seinen Freunden die Welt und die Natur zu erkunden.

Ein anderer, ebenso naturverbundener Christopher ist Christopher Sabisch aus Nordrhein-Westfalen. Der schwule Mann ist einunddreißig Jahre alt und liebt es, die Natürlichkeit auf Papier festzuhalten – und dazu gehören neben Darstellungen von Pflanzen und Tieren auch nackte Männer und explizite Liebesakte.

Für ihn auch eine wunderschöne Form von Natürlichkeit. Seit kurzem beschäftigt er sich nach einer längeren Pause wieder intensiv mit dem Malen und seine Fangemeinde wächst und wächst. Privat lebt er sehr glücklich seit nunmehr dreizehn Jahren mit seinem Freund zusammen.

Du zeichnest sehr sexy Kerle – woher nimmst du deine Modele?

„Ich lasse mich von Fotografen und Männern inspirieren, die ich in verschiedenen Medien finde. Bisher hat mir noch keiner Model gestanden. Ich benutze auch eigentlich lieber Fotos, weil ich für ein Bild meistens mehrere Stunden über mehrere Tage brauche. Die meisten Vorlagen finde ich auf Instagram. Viele schreiben mich auch an, was mir die Suche oft erleichtert“.

Verrate uns ein wenig über deine Technik bitte.

„Mit Bleistift mache ich anfangs eine Skizze, diese übertrage ich dann auf festes Papier und darauf male ich anschließend mit Aquarellfarben weiter. Die Aquarelltechnik habe ich mir selbst beigebracht. Für mich ist dann eigentlich immer klar, wo die Reise hingeht. Ich halte mich gerne genau an die Vorlage, um die Körper sehr realistisch aussehen zu lassen. Am Computer male ich nicht. Meine Kunst bleibt analog. Also alles noch Handarbeit.“

Bei einigen deiner Bilder sind die Gesichter verwischt. Möchtest du damit etwas Spezielles zum Ausdruck bringen? 

„Ich würde jetzt gerne sagen, dass das einen tieferen Sinn hat. Anfangs rührte es daher, dass das Malen von Gesichtern nicht so meine Stärke war. Inzwischen finde ich aber, dass es eine Art Anonymität ausdrückt, die ich sehr mag.“

Auf einem Bild ist ein Kerl mit Basketballcap zu sehen, der eine rote Rose im Mund hat. Wie kam es dazu?

„Tatsächlich hat mich der Typ auf Instagram angeschrieben und gefragt, ob ich Lust habe, ihn zu zeichnen. Er war mir schon vorher aufgefallen und ich war begeistert von diesem Foto. Ich mag einfach das Zusammenspiel von einem Mann und Pflanzen.“

Fühlst du dich der Natur im besonderem Maße verbunden?

„Ja. Ich bin in einer kleinen Stadt mit viel Natur aufgewachsen. Wenn ich in der Natur bin, fühlt es sich nach zu Hause an. Die Leidenschaft zwischen zwei Männern sollte genauso natürlich sein. Hauptsächlich male ich gerne, was mich visuell anspricht. Es macht mir sehr viel Spaß, auch Tiere und Pflanzen zu malen, weil es mir die Möglichkeit gibt, mehr mit Farben und Texturen zu arbeiten.“

Auf der einen Seite zeigst du uns schwulen Sex sehr direkt, dann malst du aber auch Wassermänner mit einer großen Schwanzflosse. Verbirgt sich in dir ein Romantiker?

 „Romantiker? Ich? Nein! Aber tatsächlich habe ich oft Fernweh ans Meer. Wahrscheinlich kommt daher meine Begeisterung für Meerjungmänner und Wassertiere.“

Du konzentrierst dich derzeit darauf, online eine größere Fangemeinde aufzubauen. Wie sind die bisherigen Reaktionen darauf?

„Bis jetzt habe ich tatsächlich nur positive Feedbacks bekommen, wofür ich sehr dankbar bin. Ohne Instagram und meine Follower würden meine Bilder nur bei mir zu Hause liegen. Jetzt verschicke ich sie in die ganze Welt, was mich sehr glücklich macht.“

Nackte, schwule Männer zu zeichnen hat in diesen Zeiten oftmals auch eine unterschwellige politische Nachricht. Wir scheinen immer mehr in eine Zeit der Prüderie zurückzufallen. Machst du diese Erfahrungen auch?

„Anfangs habe ich das alles echt nur wegen der Schönheit des männlichen Körpers gemacht. Aber mir ist sehr schnell klar geworden, dass das dann doch eine politische Botschaft hat. Ich würde mich freuen, wenn meine Bilder dazu beitragen können, freier über Homosexualität oder generell über Sexualität sprechen zu können.“

Was hat für dich einen besonderen Reiz bei einem Mann?

„Ich würde sagen, dass es nicht unbedingt ein Körperteil ist. Persönlich finde ich Behaarung am schönsten an einem Mann. Es kommt meiner Meinung nach nicht auf einen perfekten Körper an, sondern auf die Ausstrahlung.“

Mehr von Christopher gibt es direkt bei INSTAGRAM

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