In einem Interview von 2016 sagte Drangsal dem Musikmagazin Noisey, dass die Produktion seines ersten Albums Harieschaim „aalglatt“ verlaufen sei. Im Gegensatz dazu gibt er sich ansonsten erfrischend kantig, rau und ehrlich. Am Telefon erzählt er von seinem zweiten Album Zores, dass am 27. April 2018 erscheint.

Wie weißt du, wann ein Song fertig ist? Wenn er rausgekommen ist. Als Künstler ist man immer unzufrieden, zumindest geht es mir so. Ich würde immer gerne wieder etwas ändern. Ich höre den Song eine Woche nicht, dann höre ich ihn wieder und denke: Das hätte man anders machen können. 

Streitest du dich mit deinem Produzenten? Ja, immer, über ganz kleine, unwichtige Dinge, die im Endeffekt niemanden betreffen außer mich selbst. Wir hatten uns zum Beispiel über drei Töne in einer Bassline, die ich hätte weglassen sollen, gestritten. Mit mir muss man schon über Dinge krass diskutieren, bis ich sie mache. Das heißt auch gar nicht, dass ich sie nicht machen will – ich habe halt immer das Gefühl, dass ich mich erst wehren muss, bevor ich „Ja“ sagen kann. 

Ist es nicht schwer, einen Song in einer Fremd­­sprache wie Englisch zu schreiben? Ich bin größtenteils zweisprachig aufgewachsen, für mich fühlt sich also das nicht viel schwieriger an. Ich entscheide mich nicht vorher, ob es deutsch oder englisch werden soll. Bei meiner neuen Platte ist es aber viel weniger Englisch, weil ich glaube, das hat sich bei mir ein bisschen auserzählt. Ich habe ja die ersten Jahre, wo ich Musik gemacht habe, fast ausschließlich auf Englisch geschrieben, und irgendwann hatte ich das Gefühl, mir fällt nichts mehr ein. Ich lese aber viel auf Englisch, damit ich meine Idee von der Sprache erhalte. 

„Ich bin ein bisexueller junger Mann – was ich aber nie zum Thema gemacht habe.“

Ist deine Musik queer? Ja, klar. Übrigens ist Boner Magazine das beste Magazin. Bei meiner ersten Platte habe ich so sehr versucht wie es ging, auf das Cover zu kommen.

Warst du also bereit dein Penis zu zeigen? Das war der Plan! Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ich bin auch ein bisexueller junger Mann – was ich aber nie zum Thema gemacht habe. Bei der ersten Platte war ich es so leid, das direkt gefragt zu werden. Mir war es wichtig eine private Person zu bleiben und eher die Neugier der Leute zu erwecken. Damals hatte ich auch nicht das Gefühl, dass das viel mit meiner Musik zu tun hatte. Das ist jetzt anders. Deswegen ist es vielleicht auch sinnvoll, mehr darüber zu reden. Aber ich glaube nicht, dass ich so Probleme hatte wie viele andere. Für das Musikvideo zum Song „Turmbau zu Babel“, von meinem neuen Album, haben wir vorher Klamotten anprobieren müssen. Eine junge Transgender-Frau in dem Video, eine Freundin von mir, kam zu dem Fitting und hat sich vor allen ganz selbstverständlich nackt gemacht. Das fand ich so mutig. 

Ich finde es gut, dass du manchmal öffentlich sagst, wenn du andere Bands schlecht findest. Schlagen sie manchmal zurück? Nee, die trauen sich das alle gar nicht. Aber weißt du, ich saß zwanzig Jahre in meinem Zimmer und habe mich so aufgeplustert ob meines exorbitanten Geltungsdrangs. Ich saß da und habe mich gefragt, warum sich niemand für meine Meinung interessiert. Dann, als man mir endlich ein Mikrofon hingehalten hat, bin ich explodiert. Ich werde immer sagen, was ich gut und was ich schlecht finde, aber ich würde lieber in Zukunft meine Energie darauf fokussieren, über Dinge zu reden, die mich betreffen und was ich gut finde.  Obwohl es besser ist, die Sache beim Namen zu nennen, als Negatives nur anzudeuten. Man muss nur das Echo vertragen können. Es ist krass, wie brüskiert manche Leute sind, wenn man sie scheiße findet. Seit wann gibt’s einen Zusammenhalt, nur weil beide Musik machen? Aber wie gesagt, ich will nicht, dass alle dieses Bild von mir haben. Ich werde mir größte Mühe geben, es weniger zu tun. 

Das neue Album „Zores“ kann man hier vorbestellen!

Interview: Jeff Brown

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