Der ungarische Journalist, Memoirist und Menschenrechtsaktivist Karl-Maria Kertbeny (geb. Karl-Maria Benkert) wäre diesen Monat 194 Jahre alt geworden. Ihm wird zugeschrieben, als Erster die Wörter heterosexuell und homosexuell geprägt zu haben. 

Zeitgenossen beschrieben ihn als launischen, flatterhaften und unvollkommenen Schriftsteller. Er selbst sagte, dass der Selbstmord eines engen Freundes ihn dazu bewegt habe, Homosexualität und ihre Bedeutung in der Gesellschaft zu überdenken. Zudem wuchs in ihm durch diese Erfahrung der „instinktive Drang, jede Ungerechtigkeit anzupacken“. Der besagte Freund nahm sich das Leben, als er wegen seines Schwulseins erpresst wurde.

1868 zog Kertbeny nach Berlin um, immer noch unverheiratet (44). In seinen Schriften behauptete er, „normal­­geschlecht­lich“ zu sein. In seinen Tagebüchern schilderte er jedoch selbstzensierte Begegnungen mit Jugendlichen und Männern („junger Burschenjunge“; „sehr verliebt in den Burschen“; „ich habe es getan“) und auch eine immer wiederkehrende Angst nach der Verhaftung von Karl Heinrich Ulrichs, mit dem er korrespondierte („Schreckliche Tage! … Schreckliche Albträume. Ich habe alle gefährlichen Buchstaben verbrannt“), was darauf schließen lässt, dass er heimlich homosexuell war.

Kertbeny ist ebenfalls mitverantwortlich für die Ansicht des „medizinischen Modells“ der Homosexualität, also dass Homosexualität angeboren und unveränderlich sei. Gemeinsam mit Heinrich Hössli und Karl Heinrich Ulrichs war er einer der ersten Schriftsteller, der diese Ansicht auch in der Öffentlichkeit verteidigte.

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