Seit 2018 gibt es den gay-BDSM.club. Er veranstaltet BDSM-Events, von Kursen über Community Events bis zu BDSM-Play Parties. Inhaber Dan Apus Monoceros hier im Interview.

Hallo Dan, wie kam es eigentlich zu dem Club? Den gay-BDSM.club gibt es seit 2018 und ist aus einer anderen Unternehmung heraus entstanden. Wir haben Sextoys in privaten Shopping Events verkauft und dabei festgestellt, dass gerade zu Themen wie Fetisch und BDSM ein hohes Interesse, aber auch noch viel Aufklärungsbedarf besteht. 

Seriöse Angebote, die professionelle Aufklärung in den Mittelpunkt stellen, gibt es nur sehr wenige. Daher machten wir ein BDSM-Einsteigerseminar, welches super ankam. Ein regelmäßiger Bondage-Kurs folgte und im Laufe der Zeit kamen weitere Angebote dazu. 

Heute bieten wir neben Seminaren auch Netzwerk-Events, eigene Play Partys, einen kleinen Onlineshop, einen Info-Service und vor allem den persönlichen Kontakt an. Am wichtigsten ist uns, Neulingen einen seriösen Einstieg zu ermöglichen und die Hemmschwellen abzubauen. Aber auch neue Fetische, die in etablierten Leder-Clubs häufig nicht zur Geltung kommen oder Angebote für jüngere haben bei uns einen besonderen Stellenwert. Und das Ganze machen wir mittlerweile deutschlandweit und in Zusammenarbeit mit etablierten Fetisch- und BDSM-Einrichtungen.

Im Kern gibt es sechs Bereiche. Ich nenne diese das BDSM-Netz. Die sechs Bereiche sind Kontrolle, Schmerz, Penetration, Erniedrigung, Dirty und Hierarchie- bzw. Rollenspiele.

Wie bist Du selber eigentlich zum BDSM gekommen und wie war dein erstes Mal? Meine erstes Mal BDSM hatte ich im gleichen Jahr wie meinen ersten Sex überhaupt. Das war mit 19. Sowie ich merkte, dass ich auf Jungs stehe, merkte ich auch, dass ich mit den Jungs gerne etwas anderes tue als Gleichaltrige. 

Es ist für einen jungen Master aber gar nicht so leicht, hier passende Partner zu finden. Ohne Equipment, ohne Erfahrung und ohne klare Vorstellung, was wie geht, wird man häufig nicht für voll genommen als Master. Meine ersten Subs waren dann eigentlich selber Master, die mich quasi an ihnen üben ließen. Später fand ich dann auch meinen persönlichen Mentor, mit dem ich viele Jahre gemeinsam übte und von dem ich viel lernte. 

Welche Formen des BDSM gibt es? Das Thema ist sehr komplex und umfangreich und bei jedem sehr individuell ausgeprägt. Ich gebe hierzu regelmäßig Kurse, wo die Leute für sich selber herausfinden können, was sie interessiert, was sie vielleicht noch interessieren könnte, und wie sie sich selber einordnen können. Unter BDSM verstehen wir die Vorlieben für bestimmte Praktiken, die von Fetischen, also der Vorliebe für bestimmte Materialien oder Dinge abzugrenzen sind. Außerdem von Sexualpraktiken, wobei diese Trennlinie von der Gesellschaft und dem persönlichen Empfinden abhängt. Sie ist somit schwammig und unspezifisch. Ein Hauptunterscheidungsmerkmal ist aber, dass BDSM nicht zwangsweise sexuell stimulierend sein muss, sondern auch andere Bedürfnisse befriedigen kann wie das Bedürfnis nach Geborgenheit oder Identität. Im Kern gibt es sechs Bereiche. Ich nenne diese das BDSM-Netz. Die sechs Bereiche sind Kontrolle, Schmerz, Penetration, Erniedrigung, Dirty und Hierarchie- bzw. Rollenspiele. Bei jedem Menschen sind die Bereiche verschieden stark ausgeprägt. Die Bereiche greifen ineinander und zusammen ergeben sie die persönlichen BDSM Vorlieben. 

So kann beispielsweise jemand der weniger auf Schmerzen, dafür aber stark auf Erniedrigung und Kontrolle steht Schmerzen durchaus als Bestrafung für ein Fehlverhalten akzeptieren oder diese als erniedrigende Handlung in gewissen Umfang sogar geil finden. Für jemanden anderen mögen Schmerzen anregend sein, er wünscht sich aber gleichzeitig einen respektvollen Umgang auf Augenhöhe mit dem Partner. Es gibt nicht die eine Variante, sondern sehr viele. 

Fotos: www.markesper.com

Man sagt, dass der Sub die Session kontrolliert. Klingt irgendwie paradox. Was damit gemeint ist, dass der Sub im Vorfeld kommuniziert, was er zulässt, und was er nicht zulässt. Der Dom muss sich hieran halten, wenn er nicht befürchten will, dass die Session durch den Sub abgebrochen wird. Manche besprechen hierbei den gesamten Ablauf einer Session und zusätzlich kann der Sub noch regulierende Mittel wie Stoppwörter oder Ampelsysteme nutzen, um den Dom weiter zu steuern.

Solche Session sind häufig weder für den Dom noch den Sub wirklich geil. Daher gibt es auch andere Wege, eine Session auszugestalten. Hierbei verzichtet man beispielsweise auf detaillierte Absprachen im Vorfeld und setzt lediglich einen groben Handlungsrahmen. Stoppwörter, die ein Abschwächen bewirken, werden weggelassen. Der Sub muss dann ausschließlich durch seine Reaktion dem Dom vermitteln, wie er sich gerade fühlt, und ob dieser weitergehen kann. Der Dom muss dies empathisch richtig interpretieren. Wenn der Sub aber das Stoppwort sagt, würde dies das sofortige Ende der Session bedeuten, was der Sub eigentlich nicht will. Er wird ein absolutes Stoppwort also bedachter verwenden, wie ein abschwächendes. Oder man lässt ein Stoppwort komplett weg und legt hingegen eine Zeit fest, nachdem die Session zu Ende ist. Hiermit wird der Handlungsfreiraum des Subs erheblich eingeschränkt, und er wird sich viel eher wirklich wehrlos fühlen und an seine Grenzen gehen, als wenn er durchgängig volle Kontrolle während einer Session hat.

Als Sub muss man sich fallen lassen können und dem Partner vertrauen, als Dom muss man den Sub non-verbal verstehen und auch ein klares Bild von seinen Vorstellungen haben.

Was sollte man beachten? Wie ich schon sagte, ist BDSM sehr vielschichtig. Daher sollte man sich gut überlegen, auf was man steht. 

Das BDSM-Netz hilft hierbei, sich selbst zu reflektieren. Stellt euch die verschiedenen Bereiche vor oder schaut sie euch in Pornos an. Welcher Bereich davon macht mich besonders geil? Gibt es etwas, dass mich weniger stimuliert? Auch der Austausch mit Gleichgesinnten oder Profis hilft weiter. 

Für deine erste Session muss ein passender Partner gefunden werden. Die Vorlieben und auch die Limits sollten passen. Als Sub muss man sich fallen lassen können und dem Partner vertrauen, als Dom muss man den Sub non-verbal verstehen und auch ein klares Bild von seinen Vorstellungen haben. Das ist letztendlich davon abhängig, wie die Chemie zueinander passt. Chatten kann das nicht klären. Auch wenn es so manche Fantasie zerstört, beim ersten Mal solltet ihr vorher ein paar Worte reden und etwas Zeit miteinander verbringen.

Hast du Fetische? Und was gefällt dir am meisten am BDSM? Echte Fetische, wie oben definiert, habe ich keine. Ich mag schöne Körper und Gesichter (wer nicht). Werden diese durch einen Harness, Lycra oder Protektor-Gear ergänzt, finde ich das sehr reizvoll. Am geilsten finde ich, wenn mein Sub seine Muskeln in einem schönen Bondage flext, das Gesicht zwischen Geilheit und Schmerz verzerrt und ich die Macht über ihn habe. Nun merken wir auch schon, wo ich im BDSM-Netz meine Schwerpunkte habe: Kontrolle, Schmerz und Penetration. Aber das heißt ja nicht, dass ich die anderen Bereiche nicht auch sehr reizvoll finden kann.

Wer sich für den Club interessiert, kann uns gerne über unsere Webseite erreichen www.gay-bdsm.club. Wir sind auch auf Facebook (gay-bdsm.club), Instagram (gay.b.d.s.m.club) und den Classic-Romeo-Gruppen (gay-bdsm-club) zu finden.

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