Das Comeback der “Verbotenen Liebe”

Ein Beitrag von Derek Meyer aus New York

Ich selbst war etwas erstaunt, als ich die Meldung erhielt – da war bei uns in New York noch nicht einmal die Sonne aufgegangen. Seitdem flippen die Fans aus, zahlreiche Posts auf Facebook berichten von dem Comeback der Fernsehserie “Verbotene Liebe”. Inzwischen gibt es auch eine offizielle Bestätigung des Fernsehsenders RTL.

Schwule Fans weltweit!

Schwule Fans gibt es nicht nur in der alten Heimat, sondern auch im europäischen Ausland noch jede Menge. Viele von ihnen sind 2014 auf die Barrikaden gegangen, als die ARD nach gut 20 Jahren verkündete, dass die Soap für eine neue Spielshow des Moderators Jörg Pilawa den Sendeplatz räumen sollte.

Als Reaktion wurde die Facebook Gruppe “Verbotene Liebe Retten” schnell ins Leben gerufen, deren 15.000 Mitglieder appellierten, zurückblickten und an zahlreiche Situationen im Zusammenhang mit ihrer Serie erinnerten.

Tatsächlich schien die ARD mit den Fans anfangs etwas erbarmen zu haben und so wurde aus der Daily Soap eine Weekly Soap. Doch viele Zuschauer konnten sich mit dem neuen Format nicht anfreunden und so endete nach 4.664 Folgen im Frühjahr 2015 die Soap scheinbar für immer.

Schwules Leben real und zum Träumen im Fernsehen

Aber was war eigentlich an der Verbotenen Liebe so besonders, in der es nacheinander die Sprösslinge der Adelsfamilien von Anstetten, von Beyenbach und natürlich von Lahnsteins gab, die in ihren Schlössern in der Nähe von Düsseldorf wohnten und sich in flippige junge Leute aus Köln verliebten und jede Menge Abenteuer erlebten und etliche Intrigen über sich ergehen lassen mussten?

Die Verbotene Liebe war eine Serie, die sich von der ersten Folge an von anderen Seifenopern abgrenzen wollte. Die Zuschauer mussten sich nicht über billige Studioaufnahmen ärgern und viele der Darsteller hatten sich bereits vorher als Schaupieler etabliert und fanden auch nach dem Serienende Engagements.

Wenn ich mich an die 80er und 90er Jahre erinnere, dann wurde das Thema Homosexualität im deutschen Fernsehen eher wenig thematisiert. Es gab den schwulen Steven aus dem Denver Clan, den Matt vom Melrose Place und natürlich Carsten Flöter aus der Lindenstrasse.

Aber die meisten dieser Charaktere schienen mit ihrem Leben zu hadern und gaben mir den Eindruck, dass das Leben als junger Schwuler nicht immer ganz einfach sein würde.

Irgendwann gab es dann für Carsten Flöter sogar ein “Kuss-Verbot”, da sich viele der Zuschauer am Ende der 80er Jahre noch nicht in der Lage sahen, am Sonntagabend mit der ganzen Familie vor dem Abendbrot zwei Männer küssend auf der Mattscheibe zu sehen.

In der Verbotenen Liebe wurde jedoch schnell aufgezeigt, dass die Liebe zwischen zwei Männern alles andere als verboten war, als sich der Verlobte der Grafentochter Julia von Anstetten, Gero von Sterneck zu seiner eigenen Homosexualität bekannte.

Und so wurde die schwule und auch lesbische Liebe immer wieder zum Thema in der Glamour Soap und Dirk Bach traute schließlich in der Rolle des Pfarrers Christian Mann und Oliver Sabel zu Mann und Mann, deren Liebe auch in der ausländischen Fan-Gemeinde auf große Begeisterung stieß. Ihre Fans nannten sie liebevoll „Chrolli“ und schnitten hunderte Fanvideos mit den besten Szenen für Youtube zusammen.

Jo Weil, der den Oliver Sabel zwischen Ende 1999 und dem Serienende mit zwei Unterbrechungen verkörperte, trug mit seinen Partnern dazu bei, dass das Thema “Schwulsein” auf den deutschen Fernsehbildschirmen normalisiert wurde. 2017 spielte er im britischen Film „Sodom“ erneut einen homosexuellen Mann, bevor er sich dann 2020 selbst als tatsächlich schwul outete.

Gerade in seiner Fernseh-Ehe mit Christian erlebte er in der Soap alle möglichen Höhen und Tiefen, die es auch in einer echten Beziehung gibt. Es fiel ihm zum Beispiel schwer, sich damit abzufinden, dass Christian auch ein paar Mal mit Frauen fremdging.

Als das Paar schließlich ein kleines Mädchen namens Lilly adoptierte, war die Begeisterung groß. Doch die zwei Männer mussten sich auch erst einmal an die Vaterrolle gewöhnen, was die meisten schwulen Väter unter uns vermutlich so erlebt haben.

Und während die Verbotene Liebe ihren Zuschauern damals von montags bis freitags eine Vielzahl von sozialen Themen bot, gab es plötzlich nicht nur im Fernsehen, sondern auch in den Medien immer mehr schwule und lesbische Charaktere, die von ihren Zuschauern respektiert und geachtet wurden.

Ich erinnere mich noch gerne daran, wie ich mit meinen Mitbewohnern vor dem Fernseher im Studentenwohnheim in Hannover saß und begeistert erkannte, dass es plötzlich fast normal geworden war, anders zu sein.

2020 scheint die LGBTQ Community von dieser Entwicklung weiterhin zu profitieren. Wir können heiraten und Kinder adoptieren. Ich selbst bin erst vor kurzem zum zweiten Mal Vater geworden. Aber auch wenn unsere Mitmenschen glauben, dass wir alles erreicht haben, trügt der Schein oft.

Gerade hier in den USA hat es sich Donald Trump zum Ziel erklärt, die Schwulen-Ehe und die Adoption zusammen mit allen möglichen Gesetzen, die uns vor Diskriminierung schützen, wieder abzuschaffen, während Polen danach strebt, immer mehr Regionen des Landes zu „säubern“ und homosexuelle Landsleute zu vertreiben.

Die meisten der ehemaligen Fans der Verbotenen Liebe sind im Leben angekommen und vermutlich unsicher, ob sie dem Reboot  eine Chance geben werden.

Aber genau wie im Jahre 1995 wird es junge Zuschauer geben, die kurz vor ihrem eigenen Outing stehen und einen ehrlichen Charakter wie den des beliebten Oliver Sabel im Fernsehen sehen wollen, der mit seinen besten Freunden zusammenlebt und wie der Rest von uns einfach nur den Mann für´s Leben finden möchte.

Lust ein wenig in den alten Zeiten zu schwelgen? Hier gibt es ein Best-of Chrolli:

Quelle Serienbilder: Screenshot ARD Presse

Lust auf mehr verliebte Jungs? Wie wäre es hiermit?:

Schwule Liebe für alle!

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