Das Russian LGBT Network hat mittlerweile erfolgreich fünfundzwanzig Männer aus Tschetschenien evakuieren können, die aufgrund ihrer Homosexualität dort verfolgt, inhaftiert, gefoltert und getötet werden. Das großangelegte Säuberungs-Vorhaben der Regierung, schwule Männer auszurotten, wird teils durch die eigenen Familien der Betroffenen unterstützt. Tschetschenien ist eine autonome Republik in Russland mit etwa 1,3 Millionen Einwohnern. Die Schwulenverfolgung läuft dort bereits seit Monaten, erste Beweise konnten jedoch erst Anfang April geliefert werden. Über diese Verbrechen zu berichten ist für ansässige Pressevertreter gefährlich. Der für die Enthüllungen verantwortliche Journalist musste wegen ernstzunehmenden Morddrohungen aus Russland fliehen.

Es ist davon auszugehen, dass die Regierung unter Kadyrow ihre Pläne durchsetzten will, bis es in Tschetschenien tatsächlich keine Homosexuellen mehr geben wird.

Die Welt schreit auf, die Nachbarn sehen weg. Denn als Stellungnahme ließ der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow verlauten, im Land gebe es keine Homosexuellen, also könne man diese auch nicht foltern. Falls aber solche Menschen in Tschetschenien existieren würden, würden ihre Verwandten sie zu einem Ort schicken, von dem sie nicht zurückkehren können.

Der Bilderbuch-Tyrann Kadyrow gilt als selbstherrlicher, religiös-fanatischer Diktator, der angeblich sogar der homophoben Kreml-Regierung in Moskau ein Dorn im Auge ist. In der Doku „Tschetschenien. Vergessen auf Befehl“ wird ihm vorgeworfen, dass Dissidenten die Zehen ausgerissen werden und ganze Familien verschwinden. Oppositionelle werden von einer kriminellen Justiz verurteilt, und, wie im Falle des nach Österreich Geflüchteten Umar Israilov, zur Not auch im Ausland auf offener Straße ermordet. Es ist davon auszugehen, dass die Regierung unter Kadyrow ihre Pläne durchsetzten will bis es in Tschetschenien tatsächlich keine Homosexuellen mehr geben wird.

Die Täter zu hassen ist richtig, aber auch einfach. Gegen die eigene Hilflosigkeit und die der Opfer anzugehen schon schwerer. Aus dem Grund findet diesen Samstag in Hamburg ein Benefizkonzert statt. Die Erlöse kommen dem Russian LGBT Network zugute, das sich für eine sichere Evakuierung der Betroffenen einsetzt. Finanzielle Mittel werden dringend gebraucht, auch – und gerade dann – wenn den Opfer die Flucht gelingt. Sind sie einmal der akuten Gefahr entkommen, stehen diese Männer ohne jegliche Mittel da.

Schweigen tötet! Hilfe für Tschetschenien!

Benefizkonzert @ CONTACT-Bar

Samstag, 22. April | 20 Uhr

Danziger Straße 51 | 20099 Hamburg

www.contact-bar.de

www.lgbtnet.org

www.queer-refugees.de

www.queeramnesty.de

www.schwulenberatungberlin.de/queere-fluechtlinge

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