Ficken um jeden Preis?

Ficken um jeden Preis?

Beim Sex sind viele Kerle nicht wählerisch! Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt eine Umfrage des Portals markt.de: Weder das Alter noch das Aussehen spielen für Dreiviertel aller Befragten beim Sex eine Rolle.

Ein wenig mutet es paradox an, denn auf der anderen Seite zeigt eine britische Studie auf, dass rund die Hälfte aller Homosexuellen unzufrieden mit ihrem eigenen Körper ist. Vier von fünf Kerlen fühlen sich zudem stark unter Druck gesetzt, möglichst sportlich und gut auszusehen.

Dabei wird die Wahrnehmung innerhalb der Community anscheinend immer verzerrter. In zwei Studien der American Psychological Association wurde untersucht, wie Schwule zum Thema Übergewicht stehen. Das heißt, dass schwule Kerle ihr Gegenüber viel früher als “zu dick“ empfinden als heterosexuelle Männer.

Bodyshaming und Ausgrenzung aufgrund von Äußerlichkeiten steigen dabei in der Community seit Jahren an. Wenn es dann allerdings um die bloße Triebbefriedigung geht, verschwinden die eigenen engen Grenzen körperlicher Begehrlichkeiten hinter dem dringenden Wunsch nach sexueller Befriedigung.

Auch Gefühle und Liebe sind nur für eine Minderheit der Deutschen wichtiger als Sex. Nur in puncto Treue und Beziehung kippt die Waagschale dann auf die andere Seite. Noch immer kämpfen Homosexuelle auch hierzulande um Akzeptanz, um eine gleichwertige Sicht auf ihre persönlichen Lebensentwürfe. Da stößt es bitter auf, dass wir unser persönliches Selbstwertgefühl auf der einen Seite so sehr von Äußerlichkeiten abhängig machen, und auf der anderen Seite alles über Bord werfen, wenn die Gier nach Sex am größten ist. Natürlich lassen sich die Zahlen anzweifeln, doch der Online-Marktplatz befragte über 2.600 Nutzer. Das Unternehmen ist eine der größten Kontaktbörsen des Landes mit über fünfhundert Millionen Aufrufe jeden Monat - so ganz von der Hand sind die Ergebnisse also nicht zu wischen.

Vielleicht müssen wir das alles einfach aus einem anderen Blickwinkel betrachten? Ist es nicht schön, dass all die übertriebenen Richtlinien bezüglich der eigenen Schönheit und der Attraktivität der Anderen unwichtig werden, wenn es zur Intimität kommt?

Homosexuelle werden in den breiten Medien immer wieder gerne als triebgesteuerte Wesen dargestellt, einhergehend mit einer direkten oder wenigstens indirekten Herabsetzung ihres Lebensmodells. Vielleicht aber liegt in diesem Fokus auf Spaß am Sex auch abseits aller überhöhten Rollenbilder die wahre Befreiung.

Kann es sein, dass unser Sex uns mehr verbindet, als uns bewusst ist? Dass die Lust am anderen Kerl uns befreit? Sind wir liberaler, wenn wir nackt sind? Immerhin spielen auch Themen wie Geld und Intellekt für die Mehrheit der Befragten eine untergeordnete Rolle.

Sicherlich spielt auch das Wechselspiel zwischen Angebot und Nachfrage hier hinein. In Großstädten gibt es so viele Kerle, die dem Idealbild entsprechen, dass sich nicht perfekte Männer schwerer tun können. Andererseits gibt es genau in diesen Städten aber auch viele Schwule, die eben nicht auf den Modeltpyen stehen.

Am Ende des Tages können wir also selbst entscheiden, ob wir die Fixierung auf Sexualität als Befreiung oder Degradierung unserer Selbst wahrnehmen wollen. Fakt dagegen bleibt, dass Sex für die allergrößte Mehrheit unter uns zu einem der wichtigsten Ankerpunkte eines erfüllten Lebens gehört.

AUTOR:
Michael Soze

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