Unser Garten der Lüste

Unser Garten der Lüste

Lasst uns immer wieder davon träumen, von diesen letzten warmen Sonnenstrahlen eines Jahres. Noch legt sich ein sanfter, warmer Wind über unsere nackten Körper und wir genießen es. Wir küssen uns. Unsere Finger gehen auf Wanderschaft, begierig nach fleischlichen Höhen und Tiefen, nach behaarten und unbehaarten Regionen.

Unsere Lippen folgen ihnen, während unsere Hände stets neugierig weiterwandern. Die Natur ist nicht nur um uns herum, sie ist in uns - lass´ uns natürlich sein, Liebster. Wild. Leidenschaftlich. Wir wollen wie die Tiere im Augenblick leben. Und ihn gänzlich genießen. Kein Gestern, kein Morgen, nur das Jetzt. Ich küsse dich. Ich spüre deine Begierde und du die meine.

Wir laufen weiter und immer weiter durch den Wald, das Rauschen der Bäume begleitet uns. Unter unseren Füßen knacken leise feinste Ästchen über dem kühlen Boden, bis wir abrupt auf einer Lichtung zum Stehen kommen. Lass mich dich von den letzten Hüllen befreien, mein Freund.

Wir setzen uns in ein Bett aus Gräsern und Lippenblütlern und endlich befreie ich den Stab deiner Leidenschaft aus seinem viel zu engen Gefängnis. Wie mächtig, wie sehnsüchtig wartend bäumt er sich vor mir auf. Ich muss dich küssen. Und ihn. Immer und immer wieder, bevor auch ich gänzlich nackt vor dir stehe.

Einen Moment lang schauen wir uns einfach nur still an. Ich stehe vor dir, nackt, während einzelne Sonnenstrahlen meinen Körper streifen. Du liegst vor mir in der Wiese, ich kann das frische Gras riechen. Ich kann deine Männlichkeit riechen. Der Duft von wilder Begierde legt sich über die Lichtung. Beinahe neugierig flüsternd raschelt der warme Westwind durch die grünen belaubten Äste der Bäume, aus der Ferne ertönt das Plätschern eines Baches.

Wir genießen diese Minuten, diese kleine Ewigkeit unserer Wollust. Ein letztes Mal draußen in der Natur, bevor erneut eine Kälte das Land überzieht wie die Dunkelheit in tiefster Nacht das flache Land. Ich knie nieder, abermals liebkosen wir unsere harten Liebesstäbe. Küssen, berühren uns.

Plötzlich ertönt ein leises, ungewohntes Rascheln. Langsam drehen wir uns um und - da steht er. Der Fremde. Nackt und mit gigantischem Gemächt steht er neben einem der kleineren Bäume, fast so, als müsste dieser sich an ihm anlehnen - und nicht umgekehrt. Seine dunkelschwarzen Haare zwischen seinen Beinen führen hinauf von seinem fleischigen Liebesbogen bis zu seinem Bauchnabel.

Was für ein Anblick. Man kann sich in diesen Haaren verlieren - für immer. Beinahe schüchtern blickt er zu uns hinüber. Doch seine Augen verraten ihn. Sie sind gierig, warten auf uns, wollen mehr. Wollen alles. Und er bekommt alles, was er braucht.

Wir küssen seine Lanze, seinen stählernen Körper, jeder Muskel ist unentdecktes Neuland. Wir verschlingen uns nach und nach, drei Männer, die sich verlieren in ihrer Leidenschaft, in ihrer Ekstase. Wir werden eins, bis wir mit den ersten Abendstunden unsere Erschöpfung hinausschreien.

Das Flüstern des Waldes verstummt für einige Sekunden - er ist genauso berauscht von diesem Augenblick, wie wir es sind. Wir werden dich vermissen, Wald. Wir werden dich vermissen, liebste Lichtung. Und dich, unser allerliebstes Liebesspiel mitten in der Natur. Aber noch ist es nicht soweit. Noch nicht, meine Freunde.

Wir sehen uns wie Diebe in der Nacht verstohlen an, keuchen noch immer unsere Gier und Ekstase heraus, während unsere Augen bereits fragen: Und, Lust auf eine zweite Runde?

Credit Bilder: Cockyboys

AUTOR:
Michael Soze
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