Junge Wölfe im Club!

Junge Wölfe im Club!


Das Ziel ist der Club, ein Wochenende im Rausch, sich vergessen, verlieren, gemeinsam tanzen und sich verlieben – Sex ohne Grenzen erleben. Das treibt die fünf jungen Hauptfiguren in Kevin Junks Episodenroman "Fromme Wölfe" an, die zunächst nur locker um ein paar Ecken miteinander zu tun zu haben scheinen. Den heiligen Rausch erleben zu wollen, den man sich für einen Tempel vorbehält, verbindet sie – es geht um viel mehr als das Besorgen und Konsumieren von Drogen.

Es geht um die Sehnsucht nach etwas Höherem, nach einer spirituellen Erfahrungen, auf dass die Seele vergesse, dass sie fleischgeworden ist, und sich aus der Verwunderung, dass sie feststeckt, befreit. Das besonders Packende, was Autor Kevin Junk dabei gelingt, ist die Vielschichtigkeit zu zeigen, die dazu antreibt, druff zu sein: So steckt Tom in seiner Beziehung zu Andreas fest, Andreas hat nur Verachtung für die Partygeher, die er Ziehmäuse nennt. Als Andreas einmal ein Wochenende weg ist, beschließt Tom, das zu wagen, wovon ihn Andreas immer fernhält. Fast zärtlich entfaltet sich hierbei das Grauen der festen Beziehung: Andreas bremst Tom aus – Tom seinerseits hat Andreas benutzt, allein hätte er es nicht aus der Kleinstadt, aus der er stammt, nach Berlin geschafft.

Viktor fährt voll auf harten, dreckigen Sex ab und ist doch vor allem besessen, Lars endlich zu treffen, in den er sich sozusagen virtuell verliebt hat, als er ihn als Freund bei einem Facebook-Freund gesehen hat. Erik, der gar nicht so sehr auf Drogen aus ist, will aber unbedingt Simon, der damit dealt.

Autor Kevin Junk © Cedric Soltani

Was den Roman so fesselnd macht, ist nicht nur die intime Schilderung der Drogen, der Sucht, der Wirkung, der Gefahren, die sie mit sich bringen. Es ist die gekonnte Erzählführung, die die Wege der Protagonisten sich kreuzen lassen, der spannende Tempowechsel, mal rasant, dass man die Seiten nur so verschlingt, mal abrupt gestoppt, dass man erschreckt und einen Satz mehrfach liest und ins Sinnieren kommt, sich fast in einer Gedankenschleife verstrickt.

Es gibt großartige Sexszenen, die das Buch zu einem Leseerlebnis machen, die an einen Bruce LaBruce-Film erinnern, der Fick ist alles – und doch gibt es noch viel mehr. Ein ausgesprochen tiefgründiges und geiles Buch, das Manifest eines Lebensgefühls, dem man sich beim Lesen einfach nur hingeben mag – egal, ob man es selbst erlebt hat, tatsächlich erleben will oder im Gegenteil nie etwas damit zu tun haben wollte. Eigentlich das Beste, was man von einem Buch sagen kann.

Kevin Junk: Fromme Wölfe

D 2021 Querverlag, 256 Seiten, € 18,00


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AUTOR:
Veit Georg Schmidt

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