Der Alltag mit Corona: Was vermissen wir?

Der Alltag mit Corona: Was vermissen wir?


Ein neuer Alltag hat Einzug in unsere Lebensrealität gehalten. Und trotz einiger Lockerungen im alltäglichen Leben, ist unsere alltägliche Realität inzwischen deutlich anders als zuvor – und wir? Gewöhnen wir uns langsam daran oder nicht?

Auch ob all die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen richtig sind oder doch übertrieben, werden wir in aller Sachlichkeit erst in den nächsten Jahren rückblickend ernsthaft analysieren können. Die hitzige Debatte darüber ist indes bereits in vollem Gang. Viele schwule Single-Männer sehnen sich nach Nähe und auch die Zweisamkeit mit dem Partner zu Hause ist auf Dauer für viele nicht genug.


Fakt ist nach einer aktuellen repräsentativen Studie der Universität Mannheim, dass die Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung massiv gesunken ist. War anfangs noch jeder zweite Deutsche für die Maßnahmen wie eine Ausgangssperre, befürworten das jetzt nur noch 33 Prozent, Tendenz weiter fallend. Das Gefühl der Vereinsamung ist dagegen allseits präsent.


Auch innerhalb der Gay-Community wird der Frust und das Unverständnis über die Maßnahmen immer lauter. So stellten zu Beginn der Krise rund siebzig Prozent der Menschen ihre sozialen Kontakte komplett ein, inzwischen sind es nur noch weniger als die Hälfte. Die Sehnsucht noch Normalität ist zu groß.

Wir haben einige unserer Leser gefragt, was sie am meisten derzeit vermissen?:

SEX

An erster Stelle ganz klar steht der Sex. Wir wissen, dass es wohl sinnvoll ist, derzeit auf risikoreiche Sexkontakte zu verzichten. Trotzdem fällt es vielen von uns sehr schwer und immer mehr von uns halten sich wohl nicht mehr oder nur noch teilweise an die Kontaktsperren und Beschränkungen, wie Patrick berichtet:

„Ja, ich weiß, ich sollte es nicht tun. Aber irgendwann ist die Lust, die pure Geilheit einfach zu groß. Ich will Sex haben! Ich brauche einen harten Schwanz vor meiner Nase! Ich will niederknien und blasen! Dank des warmen Wetters geht das inzwischen wieder draußen. Und ich kann und will auch nicht darauf verzichten!“


PARTY

„Mein Gott, wenn ich daran denke, dass ich wahrscheinlich das ganze Jahr über weiterhin auf keiner großen Party mehr tanzen und abfeiern darf, dann macht mich das echt depressiv!“

Christoph aus Berlin fasst so seinen Frust gegenüber dem Boner Magazine zusammen. Natürlich könne man im kleinen Rahmen feiern beziehungsweise nur mit dem Partner zu Hause Spaß haben, doch eine durchtanzte Nacht im Club lässt sich damit laut Christoph niemals gänzlich kompensieren.


FLIRTEN

„Das mag albern klingen, aber ich bin Single. Bin ich auch gerne. Oder war ich bis zu Corona. Jetzt vermisse ich das Flirten ungemein. Blicke, Lächeln, ne schnelle Geste in den Schritt mitten in der U-Bahn. Fuck! Das soll alles wegsein? Ich meine, ich kann durch die Maske ja nicht mal sehen, ob mich ein Kerl anlächelt oder gerade nur niesen muss.“

Manuel und auch einige andere Männer haben diesen Punkt vor allem als eine psychisch schwere Veränderung in ihrem Leben eingeschätzt. Es sind diese kleinen, zwischenmenschlichen Begegnungspunkte, die früher kaum in Erinnerung geblieben sind und heute umso mehr vermisst werden.


URLAUB


Daniel dagegen vermisst vor allem die Möglichkeit, für ein verlängertes Wochenende einmal schnell irgendwohin reisen zu können:

„Bei mir muss es gar nicht die ganz große Reise sein, also Thailand oder so. Aber mal für ein paar Tage Freunde treffen oder irgendwo in Italien am Strand liegen, das wäre schon toll. Früher bin ich mit meinem Freund immer mit unserem kleinen Wohnwagen herumgefahren. Das jetzt nicht tun zu können, ist scheiße. Ich arbeite echt viel in meinem Job und da wäre diese Abwechslung irgendwie echt wichtig.“


KÜSSEN

„Sex, Ficken, alles am Arsch! Ich will endlich wieder küssen! Und zwar geile andere Jungs. Geht gerade alles nicht und keiner will auch so richtig. Die treffen sich eher noch auf nen Blowjob mit dir, aber Küssen – Nein Danke! Man könnte ja den Virus einatmen. Ich sehne mich nach den Lippen eines anderen Mannes!“

Vor Corona gehörten wie auch bei Sven Zärtlichkeiten bei einem Treffen mit einem anderen Mann für 94 Prozent aller Männer dazu (Quelle Studie Deutsche Aidshilfe), mehr als die Hälfte von ihnen verlangte danach bei jedem Date.


SEXCLUBS & SAUNEN


Im Schnitt besuchte vor der Covid-19-Krise einer von vier schwulen Männern immer mal wieder Sex-Clubs, Sex-Partys oder auch schwule Saunen. Wann diese wieder ihre Tore öffnen dürfen, ist aktuell noch gar nicht absehbar, was die Situation für viele Freunde des anonymen Gruppentreffens noch schwieriger macht. Einer davon ist Paul:

„Ja, ich hör´ es schon, die perversen Schwuchteln und der Sex in Clubs. Blablabla. Aber verdammt, ich steh´ echt einfach drauf und ich finde, ich darf das auch ausleben. Das jetzt nicht mehr zu können, zieht mich echt runter – und viel schlimmer ist, man weiß gar nicht, wann das überhaupt wieder möglich sein wird. 2021 vielleicht? Bah! Ich wäre dann für die Einführung eines Orgien-Monats, wo es durchgehend nur abgeht!“


Was vermisst du am meisten aktuell?

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Credit Bilder: Cockyboys

Die Interviews sind telefonisch oder online entstanden und wurden redaktionell zusammengefasst.

AUTOR:
Michael Soze

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