Sex in Berlin - roh und magisch!

Sex in Berlin - roh und magisch!

Verdammt gute Pralinen - das fällt einem wohl als erstes ein, wenn man an Belgien denkt. Oder sind es doch eher die besten Pommes Frites der Welt? Wer etwas anderes behauptet, war einfach noch nie wirklich in dem kleinen Land zwischen Frankreich und den Niederlanden. Gut, ja, es gibt noch so atemberaubende Städte wie Gent oder Antwerpen, doch lassen wir das alles einmal kurz beiseite - denn vielleicht wird das Land bald für einen jungen Kreativen berühmt sein, einen jungen, etwas schlaksigen Mann mit weißer Baseballcap, der gerade dabei ist, die Kulturszene mächtig aufzumischen. Sein Name: Anthony Schatteman. Ein neuer Bildband des Mannes macht verdammt neugierig.

Der junge Künstler aus Brüssel absolvierte die KASK-School of Arts in Gent und erhielt zusätzlich noch den Master-Abschluss für „Filmwissenschaft und visuelle Kultur“ an der Universität Antwerpen. Er hat kommerzielle Werbeclips und vier Kurzfilme gedreht, allesamt internationale Festivallieblinge. Das Publikum zeigte sich dabei stets von seinem sehr intimen und einfühlsamen Blick auf die Protagonisten begeistert. Eigentlich arbeitet er jetzt am Drehbuch für seinen ersten abendfüllenden Spielfilm mit dem Titel „Alter Ego“ - dafür besucht er auch immer wieder Berlin, einer der Drehorte des Films. Und wie so viele andere Künstler ist er der Stadt ein Stück weit verfallen:

„Ich bemerkte, dass ein großer Teil der Jungs, die ich traf, der Hauptfigur in meinem Drehbuch ziemlich ähnlich waren. Jeder von ihnen hatte eine andere Geschichte, aber alle kamen aus demselben Grund: Sie alle kamen nach Berlin, um auf irgendeine Weise „frei“ zu sein.“

In den darauffolgenden zwei Jahren wurden diese jungen Männer Teil seines Lebens und so beschloss der schwule Künstler, diese Erfahrungen mit den Berliner Männern festzuhalten:

„Wenn du einen Mann online triffst, um Spaß zu haben, dauert diese Begegnung manchmal nicht länger als zehn Minuten, und ich hatte das Gefühl, dass diese Momente wichtiger werden, wenn ich sie irgendwie festhalte. Ich wollte sie für die Ewigkeit einfrieren. Dabei war mir sehr wichtig, die Jungs nicht einfach posieren zu lassen, sondern nur den Augenblick festzuhalten, den wir gemeinsam teilten. Ich fragte die Jungs daher nur, ob es in Ordnung sei, ein paar Schnappschüsse zu machen, während wir zusammen waren. Aus diesem Grund hatten die Jungs auf meinen Bildern auch keine Zeit, sich vorzubereiten. Sie wurden genau so in den Bildern eingefangen, wie sie sind.“

Ein wesentlicher Grund, warum Schattemans Bilder so roh und echt aussehen. Es gibt keine zusätzlichen Blitz- oder Dekor-Elemente. Da ist nur der Belgier, die Jungs und eine analoge Kamera. Wie magisch diese Bilder sind, war Schatteman wohl nicht von Anfang an bewusst - umso schöner, dass jetzt daraus trotzdem ein Bildband mit dem vielsagenden Titel „YOU DON’T HAVE TO SAY YOU LOVE ME“ geworden ist.

 

Ein sehr intimes Werk, das einen in verschiedener Weise in seinen Bann zieht. Schatteman hat es geschafft, den Betrachter seinen Fokus darzulegen, auch wenn er selbst kaum zu sehen ist:

„Es geht mir um die Erfahrung selbst. Da alles zumeist aus meinem Blickwinkel aufgenommen wurde, ist der Betrachter immer auch ein Teil des Bildes. Mein Ziel ist es, den Betrachter zur eigentlichen Hauptfigur in den Aufnahmen zu machen. Es ist ein Moment, dem er selbst begegnet.“

Das hat der junge Belgier bravourös geschafft und so sind wir uns über zwei Dinge absolut sicher: Wir werden von dem jungen Mann noch einiges hören. Und bald wird man an noch etwas ganz anderes denken, wenn man über Belgien sprechen wird - nämlich an Anthony Schatteman. Mehr über Anthony Schatteman findest du auf seiner Homepage oder auch direkt auf Instagram.

AUTOR:
Michael Soze
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