Kunst oder Pornografie?

Kunst oder Pornografie?


Der kanadische Regisseur und Autor Bruce LaBruce gehört seit vielen Jahren zu den spannendsten Filmemachern unserer Zeit – gerade für schwule Männer. Wie kaum ein zweiter versteht er es, die Grenze zwischen Pornografie und Kunst nicht nur genüsslich immer wieder zu überschreiten, sondern gänzlich zu verwischen und obsolet werden zu lassen.

Nebst kreativen Köpfen wie Matt Lambert (Filmtipp: Flower) oder John Cameron Mitchell (Filmtipp: Shortbus) ist LaBruce einer der wichtigsten Regisseure des New Queer Cinemas. Seine Filme liefen bei der Berlinale, dem Sundance Film Festival oder den Internationalen Filmfestspielen von Venedig ebenso wie beispielsweise auch im Museum of Modern Art in New York.


Begonnen hat der Kanadier seine Karriere mit dem Publizieren queerer Punk-Magazine, zahlreicher Fotografien und Super-8-Filmen. Sein mutiger Debütfilm „No Skin Off My Ass“ gilt bis heute als eines der Hauptwerke der großen Erneuerungsbewegung des schwul-lesbischen Kinos in Nordamerika und Großbritannien. Von Anbeginn an war sein Stil dabei erkennbar, jene einzigartige Mischung, in der er Elemente des Independent-Kinos mit einer dezidiert schwulen Pornoästhetik verbindet.


Dazu blitzt im Erstlingswerk bereits Bruce LaBruces wunderbarer schwarzer Humor und jene besondere lustvolle Kraft auf, die seinen Filmen innewohnt. Inhaltlich dreht es sich um einen Punk-Friseur, der in einem Park in Toronto einen sexy jungen Skinhead aufgabelt und ihn zu sich nach Hause nimmt. Er sperrt den Jüngling ins Schlafzimmer ein, doch der Knabe kann entkommen, nur um nach diversen Erlebnissen und Abenteuern doch wieder reumütig zum Friseur zurückzukommen.


Inspiriert von Fellinis Klassiker „Achteinhalb“ reflektiert Bruce LaBruce kurz darauf in seinem zweiten Spielfilm „Super 8 ½“ semi-autobiographisch den tiefen Fall eines selbstdestruktiven Porno-Autors, immer dicht an der Grenze des guten Geschmacks entlang, um dann mit seinem dritten Kultfilm „Hustler White“ einen liebeskranken Autor nach Los Angeles zu begleiten, der dort in die Stricher-Szene eintaucht.


Die Liebe zu diesem Milieu funkelte bei LaBruce bereits hier auf und hat sich bis heute gehalten. In diesem dritten Werk spielt er lustvoll mit der Besessenheit seines Protagonisten, der einem sexy Stricher verfällt – und uns zieht er beinahe voyeuristisch mit hinein in diesen Tunnel der Begierde und Lust. 

LaBruces Filme einfach nur als subversiv oder kontrovers zu bezeichnen, wäre so, als würde man feststellen, der Papst sei katholisch. LaBruce ist mit den Jahren ein wahrer Meister seines Fachs geworden und hat es geschafft, eine provokative, spannende und ureigene Bildsprache zu finden, was nur den wirklich Großen im Business gelingt.

Inzwischen wurde der Kanadier auch mehrfach ausgezeichnet für seine Arbeit: Er hat beispielsweise den Großen Preis der Jury beim Festival du Nouveau Cinema in Montreal gewonnen wie auch den Special Jury Prize beim Teddy Award der Berlinale. Dabei ist es spannend, noch einmal in die Frühwerke des Meisters einzutauchen – dank dem Salzgeber Verlag ist dies nun möglich.

Die drei Erstlingswerke von LaBruce kann man jetzt in der digital restaurierten Fassung ganz neu erleben. Ein Must-Have gleichermaßen für Filmkenner wie Neueinsteiger in die prickelnde Welt von Bruce LaBruce.

NO SKIN OFF MY ASS

73 Minuten, englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

SUPER 8 ½

99 Minuten, englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

HUSTLER WHITE

79 Minuten, englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Credit alle Bilder: Salzgeber Verlag

Dir gefallen die Artikel des Boner Magazine? Dann hole Dir das Boner Magazine direkt nach Hause - als Print oder ePaper weltweit zu bestellen. Braucht nicht jeder Kerl einen Boner zu Hause?

AUTOR:
Michael Soze

WERBUNG

Reload 🗙