Ich bin gerne ein Bottom!

Ich bin gerne ein Bottom!


Ty Mitchell ist nicht nur ein verdammt heißer Pornodarsteller mit Lippen, die man einfach küssen will - er ist auch ein junger Mann aus Brooklyn, der sich immer wieder lautstark für Gleichberechtigung oder zuletzt auch für die Black-Lives-Matter-Bewegung einsetzt. Ein starker Kerl mit einem ungewöhnlichen Muttermal auf seiner Brust, das ihm in seiner Jugend durchaus zu schaffen machte. Heute mit Mitte zwanzig kann ihn nichts mehr so schnell aus der Bahn werfen. Neben seiner Arbeit als Darsteller schreibt er für diverse Magazine Essays und lebt seit drei Jahren glücklich mit seinem Partner im Big Apple. Ein spannender, verdammt sexy Kerl mit Tiefgang!

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Ty, wie verlief deine Jugend?

Ich bin in Las Vegas, Nevada aufgewachsen. Die Familie meines Vaters ist ein Mix aus gebürtigen Hawaiianern und Vorfahren von anderen pazifischen Inselbewohnern. Das war früher sehr wichtig für mich und ist der Grund, warum ich wohl so aussehe. Inzwischen hat es für mich aber nicht mehr so viel Bedeutung in meinem Leben. Ich habe heute eine normale Beziehung zu meinem Vater, bin aber mit meiner alleinerziehenden Mum aufgewachsen. Ich denke, dass hat mein Bild von Familie sehr beeinflusst. Ich verstehe mich heute wirklich gut mit meiner Familie, aber mein alltägliches Leben ist sehr weit weg von dem ihren. Mein Coming Out war allerdings relativ einfach - meine Mutter war nicht sehr überrascht davon. Bereits während meiner Kindheit hatte sie einige schwule Freunde. In dieser Hinsicht bin ich also wirklich sehr privilegiert aufgewachsen.

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Du bist in jungen Jahren nach New York gezogen und sagst, dass dich die Stadt bis heute sehr beeinflusst hat. Wie?

Ich war schon vor meinem Umzug nach New York geoutet und engagierte mich in der Gay Community, aber die Menschen, die ich in New York traf, brachten mich mit radikaleren Ideen in Kontakt und sorgten so dafür, dass ich heute kraftvoll und laut die Welt kritisiere, in der wir leben. Ich durfte mich auch kreativ in den Aufbau der Community hier vor Ort einbringen - auch das hat viele meiner Ansichten beeinflusst und mir gezeigt, was alles möglich sein kann! Heute würde ich sagen, dass Gleichheit und Akzeptanz sehr niedrig gefasste Ziele sind. Ich würde es vorziehen, wenn heterosexuelle Menschen endlich kritischer gegenüber ihren eigenen Institutionen und den dortigen Missbräuchen sind.

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Wie meinst du das genau?

Akzeptanz ist mir nicht sehr wichtig! Ich werde niemals heterosexuelle Menschen darum bitten, von ihnen akzeptiert zu werden! Ich bin besser als sie! Was ich mir wünsche und brauche, sind heterosexuelle Menschen, die sich von heterosexuellen Privilegien und den damit verbundenen Institutionen, die sie wahren, endlich distanzieren. Ich würde es wichtig finden, wenn heterosexuelle Menschen endlich die Ehe abschaffen und sie sich zusammen mit queeren Menschen Gedanken darüber machen, wie man wirklich eine offene, ehrliche und gerechte Form von menschlicher Intimität schaffen kann.

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Starke Worte! Sex ist für dich dabei auch ein wichtiger Schlüsselaspekt, wenn ich dich richtig verstehe - auch wenn Sex gerade innerhalb der Community manchmal negativ besetzt sein kann.

Ich denke, Sex gibt uns die Möglichkeit, Intimität und Gemeinschaft mit Menschen zu erleben, ohne dass der Kapitalismus dabei eine Rolle spielt. Leider gibt es aber auch einige schwule Männer, die andere Kerle mies behandeln, nur weil sie keinen Sex mit ihnen haben wollen. Sex kann somit auch eine extrem hierarchische Sache sein. Ich denke, es ist wichtig, dass jeder Mensch über seine sexuellen Wünsche nachdenkt und offen mit Sex umgeht, damit wir gemeinsam starke und vielfältige sexuelle Gemeinschaften aufbauen können, ohne dabei jene Menschen auszuschließen oder sie klein zu machen, die wir nicht ficken wollen.

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Mein Stichwort - Ficken! Du bist die meiste Zeit in deinen Filmen ein Bottom. Und ich bin mir sicher, es gibt da draußen viele Männer, die dich wirklich sehr gerne ficken wollen würden. Sind deine privaten Leidenschaften ähnlich wie dein Sex vor der Kamera?

Ich ziehe es wirklich auch privat vor, der Bottom zu sein. Aber bei manchen Jungs bin ich dann auch gerne mal der Top. Das hängt immer von der gemeinsamen Chemie und der Anziehungskraft ab, die ich bei jemandem erlebe. Vor der Kamera ist es leichter für mich der Bottom zu sein und ich fühle mich auch sehr wohl in dieser Rolle.

Wir mögen dich so oder so - ob als Bottom oder Top. Und deine Fans schwärmen von deinen vollen Lippen, die sie gerne küssen würden. Oder auch ganz andere unanständige Sachen mit ihnen machen würden.

Vielen Dank! Ich muss gestehen, am meisten bin ich auch selbst stolz auf meine Lippen. So gesehen habe ich in dieser Weise echt Glück im Leben gehabt.

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Du bist ein großer Berlin-Fan und hast auch eine besondere Beziehung zu dieser Stadt - richtig?

Ja! Ich erinnere mich sehr gerne daran, wie ich in Berlin mit meinem Airbnb-Gastgeber gefickt habe. Zuerst habe ich mich um seinen Schwanz gekümmert, während er auf einer alten Ledercouch saß und seelenruhig einen Joint gerollt hat. Während wir dann das Ding gemeinsam geraucht haben, habe ich seinen Schwanz geritten. Ich bin eben erst von der Nacht zuvor ein wenig runtergekommen und deswegen fühlte sich das alles so verdammt gut und relaxt an. Wahrscheinlich ist es mir deswegen so positiv in Erinnerung geblieben.

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Ty, lass uns noch über deine spannenden Tattoos reden. Da gibt es ein Paar Damenschuhe zu sehen oder eine Kampfszene vor einem Schloss. Magst du uns über die Bedeutung deiner Tattoos etwas verraten? 

Erst einmal cool, dass sie dir aufgefallen sind! Das Tattoo auf meiner Brust zum Beispiel ist ein Zitat aus meinem damaligen Lieblingsroman „Die Glasglocke“ von Sylvia Plath. Das war mein erstes Tattoo. Das Paar Damenschuhe auf meinem Brustkorb ist allen Frauen gewidmet, die mich geliebt, unterstützt und für mich gekämpft haben. Zugleich ist es eine Widmung an die Drag-Queen-Community, die ein wichtiger und großer Teil meines Lebens war. Ein anderes Tattoo auf meinem Unterarm dagegen ist eine Szene aus einem animierten Musikvideo - das Lied dazu hat mir meine Mutter immer vorgesungen. Ich würde sagen, dass ist auch das wichtigste Tattoo für mich.  

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Das ist wirklich schön! Was für Pläne hast du für deine Zukunft?

Ich würde gerne ein Buch schreiben - und natürlich auch noch gerne weitere Essays in Magazinen. Ansonsten echt schwer zu sagen, wie die Zukunft sonst aussehen könnte. Ich bin auch nicht der Typ, der sich wie im Märchen einfach was wünscht, denn das würde mich doch um die Möglichkeit bringen, etwas Wichtiges dabei zu lernen, während ich es aus eigener Kraft versuche. Obwohl, so eine schöne Milliarde Euro auf dem Konto würde jetzt nicht direkt schaden.

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AUTOR:
Michael Soze

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