Wie geil wird unsere Zukunft?

Wie geil wird unsere Zukunft?


Zukunft? Ist das nicht das, was wir einmal glaubten zu haben, bevor Corona die Welt in den Würgegriff genommen hat? Angesichts von einer Wiederbelebung der Homophobie in neuem Gewand und dem Wegfall zahlreicher schwuler Community-Treffpunkte, mag es uns beinahe unmöglich erscheinen, positiv in die Welt zu blicken. Ach, ja genau, Klimakrise ist ja auch noch, oder? Fakt ist, dass auch immer mehr schwule Männer aktuell (rund 50 Prozent, Studie: Die Welt) ängstlich in die Zukunft blicken oder sich dazu entschlossen haben, die Realität einfach einmal eine Zeit lang auszublenden.

Wie singt es Mika so schön in seinem Song Last Party: “If it´s the end of the world, let´s party. And wrap your arms around everybody. If we´re all gonna die, let´s party, let´s party, let´s party.“ Also einfach Augen zu und durch? Ganz ähnlich haben sich wohl auch rund 30 Prozent der schwulen Männer in Amerika verhalten, die im November 2020 abermals Donald Trump ihre Stimme gegeben hatten – trotz seiner LGBTQ-feindlichen Politik. Machen wir es also einfach wie die drei Affen, die sich Augen, Ohren und Mund mit den Händen zu halten und abwarten?

© Cockyboys

Ganz so einfach sollten wir es uns vielleicht nicht machen. Zukunftsforscher weltweit streiten aktuell darüber, ob  wir wie in der These des verstorbenen Astrophysikers Stephen Hawking in weniger als einhundert Jahren den Planeten verlassen werden müssen, weil wir uns selbst und ihn zugrunde gerichtet haben, oder ob doch der technische Fortschritt und die damit steigende weltweite Vernetzung und fortschreitende Bildung uns in eine bessere Zukunft trägt.

Wir neigen dazu, den Unkenrufern stets mehr zu glauben – und ja, vielleicht behalten sie auch recht. Aber wenn sie sich doch irren? Wie könnte die schwule Lebensrealität der Zukunft aussehen? Wie würden wir daten, lieben, ficken? Klar ist, wir können Corona als Chance begreifen und spätestens mit der großflächigen Verbreitung der Impfstoffe gemeinsam entscheiden, wollen wir weiter wie bisher leben oder zu einem spannenden, neuen Ufer eines gemeinsamen Miteinanders aufbrechen? Gerade wir schwulen Jungs kennen uns doch mit dem verführerisch anderen Ufer aus, warum sollten wir also nicht zu Vorreitern werden?

Also, was bietet uns bestenfalls unsere Zukunft?


Unsere Community:

Dieses Jahrhundert wird das Zeitalter der Digitalisierung werden. Das 5G-Netz (in Deutschland wahrscheinlich mit zehnjähriger Verspätung) lässt uns in Echtzeit miteinander kommunizieren, sprich, wir erleben einen noch stärkeren Austausch von Gleichgesinnten und Communitys weltweit. Vermutlich werden wir unsere Weltsicht mehr auf die direkte Nachbarschaft und die Gay-Community konzentrieren und uns dabei mehr als Europäer oder gleich Weltbürger betrachten – nationale Gesinnungen werden immer weniger werden.

Eine solche Gesellschaft wird auch immer mehr rückständiges Denken und Homophobie als inakzeptabel brandmarken – und das auch in Ländern, in denen Homosexuelle heute noch isoliert sind und verfolgt werden. Einhergehend zeigen Studien der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland, dass auch die Macht der Religionen samt ihrer meist durchwegs negativen Einstellungen zu Menschen jenseits der heterosexuellen Norm stark auf dem Rückzug ist. Rund 40 Prozent der Deutschen glauben bereits heute an keinen Gott mehr, bei den jungen Erwachsenen bis 27 Jahren würden sich aktuell nur noch 19 Prozent als gläubig beschreiben – Tendenz weiter fallend.

Hass und Anfeindung unter dem Deckmantel einer Religion hat in der Zukunft keinen Platz mehr. Das Internet wird zum größten Wissensspeicher der Welt, zum Beschleuniger hin zu einer neuen Zivilisation. Auf dem Buckel der Bildung wird der Wohlstand gleichmäßiger verteilt werden. Studien belegen zudem, dass durch mehr Wohlstand weniger Kinder gezeugt werden, sodass sich bis Ende des Jahrhunderts die Weltbevölkerung wahrscheinlich auf etwa 11 Milliarden eingependelt haben wird. Ein weiterer Vorteil: Mehr Wohlstand für alle bedeutet auch weniger oder gar keine Kriege.    


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Unsere Wohnungen:

Bereits in den nächsten zwanzig Jahren sollen die allermeisten unserer Gegenstände online gehen können – von der Tapete bis zum Butt Plug – das „Internet der Dinge“ geht an den Start, das eigenständig Gleitcreme nachbestellt, bevor dein nächstes Date allzu hart werden würde. Wir müssen ein Stück weiter zusammenrücken und leben in Super-Hochhäusern sowie in schwimmenden Städten auf oder unter dem Wasser sowie in Wohnungen, die dreißig Stockwerke tief unter der Erdoberfläche liegen.

Der neue Wohnungsstil ist vernetzt, energieeffizient und bedarfsoptimiert und so wird sich künftig beim Daten nicht die Frage stellen, in welchem Stadtteil der heiße Kerl wohnt, sondern in welchem Stockwerk. Alles, was wir uns wünschen, werden wir künftig durch Drohnen geliefert bekommen. 


Unsere Körper:

Werden wir künftig zu einer Mischung aus Mensch und Maschine? Klingt nach Science Fiction a la Terminator oder Robocop, oder? Ganz so schlimm wird es wohl nicht werden, es gibt aber Forscher, die davon überzeugt sind, dass wir unsere Körper mit Nanotechnologie und elektronischen Bauteilen deutlich verbessern werden. Damit wäre auch die eigene Manneskraft stets gewährleistet und wir würden künftig zu hören bekommen: Du fickst ja wie ne Maschine!

Angst vor der berühmten künstlichen Intelligenz müssen wir übrigens vorerst nicht haben – auch wenn KIs im begrenzten Umfang unser Leben vereinfachen werden (Reparaturarbeiten, Essenszubereitung, ärztliche Dienste) – gerade da, wo größte Präzision gefragt ist – sind wir in der Realität noch meilenweit entfernt, eine selbstständig denkende KI zu entwickeln. Bis heute haben wir noch nicht einmal verstanden, wie der Mensch wirklich denkt oder unser eigenes Bewusstsein konkret arbeitet. Wir schwulen Jungs können das nur bestätigen, wenn wir uns einmal mehr zwischen lauter Verrückten im Dating-App-Dschungel verirrt haben, oder?  


Unsere Gesundheit:

Unsere Lebenserwartung wird weiter rapide ansteigen! Forscher rechnen damit, ab 2050 den Alterungsprozess aktiv dank Biotechnologie steuern und verlangsamen zu können. Nie mehr Daddy-Sex also? Ganz so schlimm wird´s wohl nicht werden, aber schon zuvor wird unsere Gesundheit merklich besser sein. Ähnlich wie in Star Trek soll es künftig handgroße Scanner geben, sogenannte „medi-pods“, die automatisch einen Check deines Körpers durchführen. Eine Krankheit oder STI-Ansteckung kann somit sehr schnell erkannt und behandelt werden.

Gerade auch in der Medizin soll Nanotechnologie dazu beitragen, dass wir länger und besser leben. Defekte Gene werden repariert und Selbstheilungsprozesse vorangetrieben. Im Bedarfsfall werden ganze Organe gezüchtet und neu eingesetzt werden. So können wir sicherlich auch alle zu Männern werden, die mindestens 20 Zentimeter in der Hose vorzuweisen haben.

Auch unsere Ernährung wird gesünder – weniger Fleisch, mehr Gemüse direkt von der Farm vor Ort: An den Außenwänden unserer Hochhäuser könnten vertikale Farmen in Hydrokultur angelegt werden. Geschätzt bereits 80 solcher Farmen würden ausreichen, ganz Berlin mit Nahrung zu versorgen. Zusätzliche Möglichkeiten sind gentechnisch veränderte Lebensmittel und Produkte aus Algen oder Insekten. Bio, gesund und regional sind die neuen Kernpunkte. 

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Unsere Freizeit:

Ein neues Bewusstsein, dass ein „Immer weiter so“ nicht mehr funktioniert, könnte dazu führen, dass wir deutlich weniger reisen oder mobil sein werden. Dank Virtual Reality können wir auch so jeden Ort der Welt besuchen. Ob die Jungs in ihren engen Badehosen am Strand dann allerdings genauso sexy sein werden wie im realen Leben, darf bezweifelt werden. Wenn wir unterwegs sind, dann meist in gemieteten, selbstfahrenden Fahrzeugen, angetrieben durch Sonnenenergie oder Magnetkraft.

Genug Energie könnte problemlos dank Sonnen- und Windkraft sowie umweltfreundliche Kernfusion vorhanden sein. Bereits heute sehen Forscher in der Jugend den Trend, einen bewussten Schritt zurück zu mehr sozialem Miteinander zu machen. Bedeutet im Klartext, wir treffen uns wieder mehr mit unseren Freunden und Dates im realen Leben - als bewusste Abgrenzung zur den unbegrenzten digitalen Möglichkeiten und unserem Lebensmittelpunkt zu Hause als Basis für Job und Privatleben.


Unsere Jobs:

Die meisten von uns werden wohl hauptsächlich in Home Office arbeiten, allerdings mit weniger Arbeitsstunden und einer trotzdem guten Bezahlung. Eine Art Grundeinkommen sorgt für soziale Sicherheit und eine internationale Mittelschicht. Die fortschreitende Technologie wird uns in vielen Belangen Arbeit abnehmen, sodass eine Lebensbasis für alle unabhängig vom Beruf geschaffen werden muss. Bedeutet für schwule Jungs auch: Keine Angst mehr vor einem Outing am Arbeitsplatz.    

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Unser Sex:

Mehr Lust auf reale Treffen bedeutet auch mehr Gay-Community und mehr reale Sex-Dates. Dank einfachem und sekundenschnellem Gesundheitscheck kann die Angst vor einer Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit gleich aus dem Weg geräumt werden. Das Paradies für Bareback-Freunde. Auch digitaler Sex wird deutlich zunehmen, dank 3D-Hologrammen - in Verbindung mit verbundenen Masturbatoren oder Ganz-Körper-Anzügen können wir künftig digital mit jedem Kerl auf der Welt Sex haben. Ein Universalübersetzer sprengt die letzten Kommunikationsprobleme.

Für besondere Ansprüche oder Fetischfreunde wird es bezahlbare 3D-Drucker geben, die dir alles produzieren können, was das schwule Herz oder der interessierte Bottom begehrt. Für Freunde besonderer Erlebnisse wie dem sexuellen Eintauchen in ganze Fantasiegeschichten bieten digitale Avatare eine weitere Möglichkeit, die Grenzen des Sex´ weiter auszudehnen.

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AUTOR:
Michael Soze

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