Küsse für die Ewigkeit!

Küsse für die Ewigkeit!


Er hat schon viele berühmte Persönlichkeiten gezeichnet, angefangen vom Boner-Coverkerl Sam Morris über das berühmte französische Model Jess Vill oder einen schwedischen Starkoch bis hin zu dem ein oder anderen Pornostar. Der Meister am Bleistift ist stets Arian Tehrani.

Der Künstler aus Teheran lebt seit vielen Jahren in Göteborg, plant eine Ausstellung in Schweden und würde sehr gerne seine Kunstwerke auch einmal in Berlin präsentieren. Und wir? Wir würden diese hoch erotischen Bilder verdammt gerne in der Landeshauptstadt sehen!

Du arbeitest mit einem normalen Bleistift, weil du viel Wert auf Details und eine sehr realistische Darstellung legst. Man merkt deinen Bildern an, wie wichtig sie dir sind. 

Ich versuche diese besonderen Momente der Intimität festzuhalten, weil diese Augenblicke so ausdrucksstark für mich als Künstler sind. Diese Verbindung, die zwei Männer eingehen, wenn sie miteinander Sex haben, ist für mich etwas sehr Besonderes. Zwei Körper und zwei Seelen verbinden sich in Ekstase miteinander. Ich lebe alle meine Wünsche und Begierden in meinen Werken aus. Meine Bilder reflektieren meine Leidenschaften, die ich ausgelebt oder in die ich mich hineingeträumt habe. Und ich wünsche mir, dass auch andere dies genießen können. 


Kunst spielt in deinem Leben schon lange die eine zentrale Rolle, oder?

Ja, seitdem ich zwanzig Jahre alt bin, arbeite ich professionell als Künstler. Die Kunst begleitet mich bereits mein ganzes Leben lang und gibt dem Ganzen einen tieferen Sinn. Ich habe einen Master of Arts und habe viele Jahre abstrakte Kunstwerke erschaffen, bevor ich mich vor fünf Jahren immer mehr auf heiße, schwule Kerle konzentriert habe.


Wo findest du die Männer, die du zeichnest? 

Ich finde viele Models auf Instagram. Zunächst einmal müssen die Männer etwas Besonderes haben, das in mir eine Leidenschaft weckt. Der Körper muss eine sexuelle Energie ausstrahlen, zudem muss die Gesamtkomposition der Darstellung für mich stimmen. Früher hatte ich auch oft männliche Aktmodelle, speziell als ich Student war. Es ist definitiv sehr aufregend, ein Model live vor sich zu haben. Allerdings finde ich in Schweden nicht so viele sexy Männer – vielleicht einmal im Jahr oder so. Ich habe da nie wirklich gute Erfahrungen gemacht. Für mich ist das schwule Leben in Schweden extrem langweilig, außer man steht natürlich auf extrem hellblonde Twinks mit einem weiblichen Touch. Aber einige von ihnen haben wenigstens einen netten Arsch! 


Wenn man sich in deine Werke vertieft, merkt man schnell, dass du dich neben einzelnen Körperpartien vor allem auf den Blick eines Mannes konzentrierst. Was fasziniert dich dabei besonders?  

Alles Licht geht vom Auge aus und ergreift alle Objekte mit seinem Strahlen – Plato. Augen sind für mich das Tor zur Seele und drücken tiefste verborgene Gefühle aus. Augen spielen eine zentrale Rolle, wenn man beim Sex eine wirkliche Verbindung herstellen will. Wenn ein Künstler dies festhält, können die Augen die ganze Geschichte dahinter erzählen. 


Gibt es für dich als Künstler den perfekten Mann, das perfekte Abbild?

Das ist sehr kompliziert! Ich denke, niemand ist perfekt, aber das hängt sicher auch von der eigenen individuellen Definition ab. Aber einige Männer sind durchaus mit einem natürlichen Charme und einer besonderen Schönheit gesegnet. Gerade in der Phantasie schwuler Männer weltweit gibt es natürlich einige Merkmale, wie der perfekte Mann aussehen könnte. Ich bekam die Gelegenheit, einige Männer zu treffen, die ich persönlich für perfekt hielt, aber eine Formel habe auch ich nicht. Perfektion ist ohne Persönlichkeit und Charakter bedeutungslos. Ich betrachte den Körper eines Mannes wie einen Tempel und schätze jedes Teil davon. Ich liebe die Linien und Bewegungen. Besonders verrückt machen mich große Oberschenkel, haarige Haut, Bärte und ein fetter Schwanz! Ich habe meinen perfekten Mann vor neun Jahren getroffen. Ich liebe ihn immer noch wie am ersten Tag.


Einige Bilder von dir haben mich besonders in ihren Bann gezogen, zum Beispiel ein Dreier oder jenes Bild, in dem ein Mann dem anderen leidenschaftlich an der Lippe knabbert. Du hast ein besonderes Auge für kleine Momente.  

Danke! Sex zu dritt ist einfach eine der heißesten Sex-Phantasien. Es macht doppelt so viel Spaß, mit zwei verschiedenen Körpern zu spielen, auch die sexuelle Anziehung ist doppelt so intensiv, gerade auch wenn man sich gegenseitig dabei zusehen kann, wie diese liebevolle Verbindung wächst und man hautnah miterlebt, wie der eine Mann in den anderen eindringt. Das Küssen dann ist die puristisch sexuellste und romantischste Annährung zwischen zwei Menschen gleich welchen Alters. Es ist ein Symbol für Liebe und hat stets etwas Geheimnisvolles an sich. Ich selbst habe mich bereits beim allerersten Kuss darin verliebt.


Ein deutscher Schauspieler hat neulich gesagt, Bilder würden allesamt den Tod repräsentieren, denn schon Momente nach ihrer Entstehung ist der festgehaltene Augenblick Vergangenheit. 

Ich sehe das entschieden anders! In allen Zeiten haben Künstler Bilder oder Zeichnungen erstellt, um flüchtige Momente für die Ewigkeit festzuhalten, sodass sie jeder nacherleben und für sich selbst entdecken kann – befreit von der Zeit. Es sind noch immer lebende Augenblicke, die nur einfach nicht mehr existieren. 

In einigen deiner Werke porträtierst du auch Stierkämpfer – auch eine tiefe Leidenschaft von dir?  

Lassen wir die Problematik bezüglich Tierrechten einmal außer Acht, haben Stierkämpfer einen sehr charismatischen Charakter und strahlen Kraft und sexuelle Energie aus, die beide Geschlechter begeistert. Mich faszinieren zudem Männer in glamourösen Gewändern. 

Ist es für dich als Künstler einfacher in Schweden zu arbeiten, weil das Land als besonders liberal gegenüber Homosexuellen gilt? 

Vertraue niemals einem Klischee! Ja, Schweden ist ein liberales Land, das auf Gesetzen basiert und insgesamt ist es in Ordnung hier, aber die meisten Menschen sind nicht sehr offen und die Realität sieht einfach anderes aus. Ich habe vor vier Jahren zum Beispiel von zwei Galerien die Antwort bekommen, dass meine Werke zwar großartig seien, aber sie würden zu viel zeigen, um ausgestellt zu werden. Ich habe nie viel Widerstand von der Gesellschaft erlebt, aber deswegen bin ich noch lange kein Fan davon, auch wenn das viele denken. Es ist mir ehrlich gesagt scheißegal, ob jemand mit mir klar kommt, wenn er mich nicht so akzeptieren kann, wie ich bin!

Mehr von Arian Tehrani findest du auf seiner Homepage und bei Instagram.

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AUTOR:
Michael Soze

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