Schluss du Schlampe! Lust vor Konsum!

Schluss du Schlampe! Lust vor Konsum!


Du bist eine echte Konsumschlampe! Glaubst du nicht? Schau dich einmal in deiner Wohnung um. Sind da wirklich nur Dinge, die du alle dringend brauchst? Im Durchschnitt besitzt jeder von uns rund 10.000 davon! Vor einhundert Jahren standen einer Familie im Schnitt nicht mehr als 180 Gegenstände zur Verfügung. Statistisch gesehen ist das Konsumverhalten der Mitteleuropäer in den letzten zehn Jahren stetig angestiegen, im Schnitt wird pro Jahr für über 1,7 Milliarden Euro in Deutschland geshoppt (Quelle: Statista).

Blickt man auf das Konsumverhalten von homosexuellen Männern, zeigt sich überdies, dass wir in fast allen Bereichen - vom Urlaub über Kleidung bis hin zu technischen Spielereien - deutlich mehr Geld ausgeben als Heterosexuelle. Teilweise doppelt so viel sogar. Nur wenn es um Dinge wie Bücher geht, scheinen wir dem Trend der Deutschen zu folgen und immer weniger zu lesen, gerade einmal etwas mehr als die Hälfte von uns greift überhaupt noch zu einem Buch (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Nun könnte man leichtfüßig sagen, dass Homosexuelle schlicht und ergreifend im Durchschnitt wohl mehr Geld zur Verfügung haben als die Klischeefamilie mit zwei Kindern. Das mag stimmen, doch geht diese Argumentation am Kern vorbei: Es geht nicht darum, wieviel du dein Eigen nennen kannst, sondern was dich davon wirklich glücklich, wirklich zufrieden macht. Und wie schaffst du den Weg von dem schnellen Konsumverhalten hin zu einer Lebenseinstellung, in der du wirklich all die Dinge, die du dir gönnst, auch genießen kannst?


Im Grunde ist es relativ einfach: Wir können Dinge genießen, wenn wir uns Zeit für sie nehmen und sie als etwas Besonderes wertschätzen. Weg von den Wegwerfartikeln, hin zu mehr Qualität. Diese Lebensphilosophie klingt nach Küchenpsychologie, doch sie durchdringt tatsächlich all unsere Lebensbereiche. Beginnen wir doch gleich einmal mit unserem Sex? Wie viel davon ist wirklich noch Genuss? Ist Leidenschaft? Ist echte Ekstase und das Gefühl, sich komplett hingegeben zu haben?

Und wieviel Prozent sind nur noch Gewohnheit oder die schlichte Tatsache, sonst nicht so viel mit sich anfangen zu können. Was machen wir sonst am Freitag oder Samstagabend? Netflixen vielleicht? Also wieder konsumieren, ja? Ist das wirklich die beste Idee? Sicherlich brauchen wir das manchmal, die schnelle Befriedigung - ob zwischen unseren Lenden oder auf dem Teller. Da braucht es den fetten Burger. Aber, Hand aufs Herz, genießt du dein Fastfood wirklich?

Oder neigst du nicht viel mehr dazu, dein ganzes Leben immer mehr den Prinzipien eines schnellen Lebens, eines Fast-Food-Lifes unterzuordnen? Wir können uns alles liefern lassen, vom Sexdate bis zur Pizza. Die unterbezahlten Sklaven der Lieferdienste und Versandhändler schleppen uns alles bis zur Haustür und der schnelle Fickhengst des Abends will zum Glück ja gar nicht wirklich wissen, wer du bist.

Richtig? Wir wissen längst, dass Konsum uns nicht glücklich macht, aber hey, never stop a running system, oder? Schon ploppt das nächste Sonderangebot auf unseren Smartphones auf. Und wann ist noch einmal der nächste Black Friday, der nächste After-Christmas-Eastern-Holiday-Summer-Herbstsail-Sonderverkauf?


Schluss! Hör auf damit. Und fang endlich wieder an, dein Leben zu genießen. Wie? Wie wäre es damit, dass du alles, was du nicht brauchst, aus deinem Leben verschwinden lässt? Verkaufe es auf Online-Portalen (zum Beispiel Rebuy oder Momox) oder verschenke es und mache anderen Menschen eine Freude damit. Genuss braucht nämlich neben Zeit auch Platz. Und der Genuss fühlt sich in einer komplett überfüllten Wohnung und einem komplett überfüllten Leben irgendwie nicht wohl. Bedenke dabei eines: Natürlich darfst du extravagant sein, wenn du das willst. Du darfst auch einmal so richtig schlemmen, die besten Leckereien genießen, den heißesten Kerl und die größten Schwänze vernaschen.

Aber bevor du das machst, gönne dir die Zeit, diesen Moment wirklich zu genießen. Mach ihn für dich besonders. Zelebriere ihn. Es ist egal, ob du dir jeden Tag deine kleine Home-Orgie leisten könntest oder ob du dafür sparen musst - Genuss hat nicht etwas mit deinen finanziellen Möglichkeiten zu tun. Ja, du hast recht, natürlich kostet die Flasche Champagner mehr als der Rotkäppchensekt. Und das medium-rare-Steak aus Argentinien mehr als die Angebots-Restwurstware bei Aldi oder Lidl. Aber wahrer und wirklicher Genuss ist etwas, was in deinem Kopf geschieht, nicht auf deinem Teller oder um dich herum. Genuss ist eine Lebenseinstellung und wenn du es schaffst, dir mehr Genuss zu gönnen, wird dein Leben hundertmal reicher und erfüllender werden, als wenn du immer dem nächsten Konsumwürmchen nachschnappst, der wie ein Köder im Meer unserer Möglichkeiten herumschwimmt.

Wir müssen es mit allem nicht übertreiben, wir müssen nicht nur noch mit 100 Dingen leben, wie manche extremen Konsumverweigerer ihr Leben gestalten. Aber grundsätzlich stimmt es doch tatsächlich, dass weniger mehr ist. Zahlreiche Studien der letzten Jahre zeigen offen auf, dass uns zu viel Besitz und Konsum sogar krank macht. Anders ausgedrückt: Es ist verdammt schwer, frei zu sein, wenn dich deine Besitztümer immer wieder zu Boden drücken.

Wenn du arbeitest, nur um dir den Status quo überhaupt noch leisten zu können. Nur damit du auf der nächsten Party immer wieder ein neues heißes Teil präsentieren kannst. Weißt du überhaupt noch, wie viele Klamotten du im Schrank hast? Das Ausmisten unseres Lebens und unserer Wohnung hat übrigens noch einen anderen, wunderbaren Effekt - es ist Platz für Neues.

Das bedeutet nicht, sofort wieder in den Konsumirrsinn zu verfallen, sondern stattdessen bewusst zu entscheiden, welche Dinge du möchtest, um dein Leben genussvoller werden zu lassen. Ein anderer Aspekt unserer Mentalität des „immer mehr“ ist zudem, dass unsere Besitztümer auch unsere Identität festigen. Die Dinge, die uns umgeben, geben uns nicht nur Halt und wirken wie eine sichere Umgebung, sie können auch immer mehr definieren, wer wir sind oder wie wir sein wollen - welche Rolle wir nach außen spielen wollen.

Bist du es nicht langsam leid, immer wieder nur ein Schauspieler in deinem eigenen Leben zu sein? Wäre es nicht einfach einmal richtig cool, der Regisseur zu sein? Oder gleich der Produzent, der alle Fäden in den Händen hält? Wie irrational teilweise unsere Gier nach Besitz ist, zeigt sich auch, wenn schwule Männer im Freundeskreis in Clubs auflaufen. Wie oft wird das zu einem Schaulaufen, als würden wir alle darauf warten, dass Heidi Klum um die Ecke biegt und wir mit bangen Blick Angst haben müssen, ob sie ein Foto für uns hat und ob wir es in die nächste Runde geschafft haben.

Wir gewinnen aber nicht, wenn wir es in die nächste Runde schaffen, wir gewinnen nur, wenn wir erkennen, dass das ganze Spiel gar nicht wichtig ist. Wie wäre es einmal mit einem Gedankenexperiment: Stelle dir vor, deine Wohnung brennt komplett nieder. Alles wird ein Raub der Flammen. Jetzt frage dich selbst, was würdest du wirklich vermissen? Welcher Verlust würde dich wirklich traurig machen und warum? Je mehr wir in uns hineinhören, desto mehr merken wir, dass es zum einen gar nicht so viele Dinge sind und zum anderen handelt es sich fast immer um sehr persönliche Gegenstände.

Am Ende des Tages sind nur die Dinge wichtig, mit denen wir Menschen oder Erlebnisse verbinden. Und genauso verhält es sich mit allem in unserem Leben - die Menschen zählen, nicht die Dinge. Wir können nur wahrhaft genießen und Genuss zelebrieren in unserem Leben, wenn wir einen Blick dafür bekommen, was uns ganz persönlich wirklich wichtig ist. Befreien wir uns von allem anderen, auch wenn uns der Abschiedsschmerz mit unserer eigenen Endlichkeit konfrontieren mag. Nehmen wir es mit Freude: Endlich haben wir wirklich Platz in unserem Leben für die richtig wichtigen Dinge, die wirklich wichtigen Kerle und den wirklich guten Sex. Klingt das nicht verdammt gut?     

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AUTOR:
Michael Soze

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