Sex in Corona-Zeiten?! Was musst du beachten?

Sex in Corona-Zeiten?! Was musst du beachten?


Es ist in diesen Zeiten wahrlich nicht leicht, seine sexuelle Lust auszuleben. Natürlich kann man im Bestfall Spaß mit dem Partner haben, insofern er existiert. Und Lust hat. Aber oftmals sitzen die Kerle allein und dauergeil zu Hause.

© Pierre Simard - pierresimard.com


Selbstverständlich können wir mit kreativer Raffinesse uns trotzdem eine schöne und geile Zeit machen. Wir können uns online gegenseitig heiß machen, Bilder und Videos schicken und so die Lust immer mehr steigern, bis wir förmlich explodieren vor aufgestauter Erregung. Auch online geflirtet wird in diesen Tagen, was das Zeug hält.

Und Portale wie Cam4.Com oder PornHub verzeichnen massive Besucherzuwächse. Wer sich trotz alldem vereinsamt und allein fühlt, für den bietet zum Beispiel auch die Deutsche Aidshilfe unter dem Hashtag #QueerCoronaSupport Hilfe an. Das reicht von ganz praktischen Gesundheitstipps über die Frage, wie und wann ich die PrEP aussetzen kann bis hin zu Beratungen, wenn schwule Männer Existenzängste haben, Nähe vermissen oder merken, dass ihre Psyche gerade am Boden liegt.

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Doch natürlich gibt es auch in diesen Tagen und trotz enger Beschränkungen in den jeweiligen Bundesländern sowie auch in Österreich und der Schweiz einige Kerle, die sich weiterhin zu Sex-Dates treffen. Spricht man die Jungs darauf an, kommt oftmals die Erklärung, dass sie einfach zu horny sind, um dauerhaft nur mit ihrer Hand Spaß zu haben. Trotz aller Aufrufe a la #wirbleibenzuhause treibt sie ihr harter Prügel nach draußen. Natürlich kann man das jetzt kurz und knapp als unmoralisch verdammen, weil sich die Jungs dabei definitiv unverantwortlich benehmen. Nur bringt uns eine moralische Verurteilung nicht weiter.

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Gerade etwas ältere schwule Männer kommen diese Zeiten schmerzvoll bekannt vor, denn auch in der Hochphase der AIDS-Epidemie wurden schwule Badeanstalten, Saunen und Clubs geschlossen und die Cruising-Areas von Polizisten verstärkt überwacht. Die Angst war stets da und es war eine sehr reale Angst, denn in der ersten Zeit wusste man über das tödliche Virus sehr wenig. Die Mortalitätsrate war hoch. Die Männer starben binnen kürzester Zeit und unter massiven Schmerzen. Und niemand wusste, ob man sich nicht bereits durch einen Kuss oder eine einfache Berührung anstecken konnte.

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Doch trotz dieser dramatischen Situation hatten die Männer selbst in diesen zurückliegenden Tagen Sex. Vergangene Zeiten, die damals deutlich dramatischer waren als die aktuelle Covid-19-Krise. Wir wollen nicht versuchen, die weltweite Pandemie des aktuellen Virus kleinzureden, aber es müssen zwei Dinge klargestellt werden: Zum einen sind es viele schwule Männer leider inzwischen gewohnt, mit bedrohlichen Krisen umzugehen. Das sorgt für eine Art von Gewohnheit. Zum anderen bleibt der Wunsch und die Lust nach Sex bis zuletzt erhalten. So haben nun auch bereits diverse Behörden weltweit reagiert und Richtlinien für den sexuellen Umgang miteinander aufgestellt, darunter auch die Deutsche Aidshilfe.

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Die Fakten nach heutigem Stand – Sex und Corona:

+ Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung beim Sex ist generell hoch, schlicht und ergreifend, weil der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann.

+ Blickt man auf die Sexualpraktiken ist Küssen mit Abstand am gefährlichsten. Das Virus überträgt sich meist durch Anhusten oder Anhauchen, sprich durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion. Beides ist beim Küssen gegeben. Freunde von Gesichtsmasken sind hier also im Vorteil – doch sei auch gesagt, nur spezielle Schutzmasken können wirklich hilfreich sein.

+ Der Virus überlebt auch eine gewisse Zeit auf Gegenständen wie Sex-Spielzeug, also nebst den Händen auch alle Hilfsmittel gründlich waschen und reinigen. Auch vor einer Masturbationsrunde zu zweit ist es ratsam, sich ausgiebig die Hände zu waschen.

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+ Ehrlichkeit ist oberstes Gebot. Die Frage „Bist du gesund?“ sollte wahrheitsgetreu beantwortet werden. Soviel Respekt voreinander sollten wir auch bei einem anonymen Date haben. Zeigt das Gegenüber erste Symptome wie Husten oder Fieber, sollte ein Date sofort abgebrochen werden. Trotzdem ist natürlich zu bedenken, dass der Sex-Partner bereits infiziert sein kann, ohne dass sich überhaupt irgendwelche Symptome zeigen.

+ HIV und Covid-19: Nach aktuellem Stand besteht anscheinend kein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf, wenn ein HIV-positiver Mann sich mit dem Virus ansteckt. Grundvoraussetzung ist aber eine gut funktionierende HIV-Therapie. Anderenfalls kann durchaus die Gefahr bestehen, dass das Immunsystem mit dem Corona-Virus schlechter klarkommt. Bedenke: Die Deutsche Aidshilfe schätzt, dass mehr als 10.000 Menschen in Deutschland aktuell mit HIV infiziert sind, ohne dass sie es selbst wissen.

+ Geschlechtskrankheiten und Covid-19: Es lässt sich hier noch nicht sagen, ob eine Geschlechtskrankheit einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung begünstigt. Man spricht von einer „Huckepack-Infektion“. Grundsätzlich können Geschlechtskrankheiten unser Immunsystem schwächen, weswegen davon abzuraten ist, bei Symptomen sexuell aktiv zu sein. Wie immer empfiehlt sich auch hier der baldige Gang zum Arzt.

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+ Es scheint richtig zu sein, dass ältere Menschen und Menschen mit Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma und Diabetes mellitus ein erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf einer Corona-Virus-Infektion haben. Einzig auf das Alter sollte man sich aber definitiv nicht verlassen, da jeder Körper unterschiedlich mit einer solchen Infektion umgeht. Man ist also nicht automatisch sicher, wenn man selbst noch jung ist oder nur mit jungen Kerlen Sex hat.

+ Beim Sex: Die Hauptübertragungswege sind Mund und Nase. Sowie Hände, wenn sie nicht gründlich gereinigt wurden. Generell wäre es also ratsam, sich im Fall des Falles auf andere Körperregionen beim Sex zu konzentrieren.

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+ Reduziere die Zahl deiner Sexualpartner: Wenn du es wirklich zu Hause nicht mehr aushältst, versuche während der Pandemie nur mit einem Mann Sex zu haben. Je mehr Partner du hast, desto höher ist das Risiko, sich gegenseitig anzustecken. In besonderem Maße gilt das natürlich bei privaten Sexpartys mit einer Gruppe von Männern. Und nur zur Klarstellung: Du widersetzt dich damit in den meisten Fällen den behördlichen Kontaktbeschränkungen.

+ Wenn du selbst Symptome hast oder wissentlich Kontakt zu einer Person mit Covid-19 hattest, solltest du es dir trotz aller Lust definitiv verbieten, mit anderen Männern Sex zu haben. Du erwartest im Gegenzug genauso viel Anstand von deinen Dating-Partnern.

+ Im engeren Sinn ist der Corona-Virus nicht sexuell übertragbar, also verbreitet er sich nach jetzigem Wissensstand zum Beispiel nicht über Sperma oder bei dem Kontakt mit der Harnröhre. Bisher wurde der Virus nicht in diesen Körperflüssigkeiten nachgewiesen. Theoretisch ist also sowohl ein Blowjob wie auch Ficken grundsätzlich relativ sicher, lässt man einmal alle anderen Infektionsmöglichkeiten außer Acht. Aber: In der Praxis bleibt ein hohes Übertragungsrisiko bestehen, weil sowohl Anal- wie Oralverkehr selbst bei extrem gut ausgestatteten Herren selten mit einem Mindestabstand von 90 Zentimetern zu bewerkstelligen sind.

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+ Beim Rimmen oder Herumtollen am Arsch liegt die Sachlage so: Es konnten bereits Corona-Viren im Stuhl von Patienten nachgewiesen werden, sodass auch bei gründlicher Reinigung die Region noch befallen sein könnte. In den meisten Fällen scheinen diese Erreger allerdings nicht mehr ansteckend zu sein. Abschließende Forschungsergebnisse gibt es aber nicht. Zudem spielen unsere Finger auch hier eine entscheidende Rolle, denn gerade dadurch können zum Beispiel beim Fingern Viren zusätzlich an unseren Arsch gelangen und dann gegebenenfalls eine andere Person anstecken.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Sex-Dates aktuell ein stark erhöhtes Risiko darstellen, sich mit Covid-19 anzustecken. Das kann im Austausch mit dem Sex-Partner sein, aber auch ganz banal bereits auf dem Weg zum Date passieren. Zudem widerspricht ein solches Treffen in den meisten Fällen den aktuellen Kontaktbeschränkungen und kann somit auch mit Bußgeldern von mehreren hundert Euro belegt werden. Wer trotz alledem auf die Jagd nach Männern geht, sollte wenigstens versuchen, sich an die beschriebenen Umgangsformen zu halten. Mehr zum Thema gibt es hier: Deutsche Aidshilfe

Fotografien: Pierre Simard

AUTOR:
Michael Soze

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