Corona und unsere Lebenslust! Lasst uns mutig sein!

Corona und unsere Lebenslust! Lasst uns mutig sein!

Zuerst haben viele in unserer Community den Corona-Virus ignoriert und bagatellisiert: Party für immer, was interessiert mich das Morgen?! Spätestens mit der zweiten Welle Ende 2020 ist die Party nun erst einmal doch vorbei. Auch der letzte Happy Prince in unserer Community sollte inzwischen in der Realität angekommen sein. Also alles auf Stillstand?

Wir Menschen sind als Spezies die einzige auf diesem Planeten, die versteht, dass es eine Zukunft gibt. Die planen und vorausschauen kann. Das hat uns oftmals einen evolutionären Vorteil verschafft, in diesen Zeiten lässt es uns manchmal erstarren. Wir sitzen Zuhause und die Gedanken kreisen. Um unsere Jobs, um unsere Mitmenschen, um Freunde, Partner, um die LGBTQ-Community.

Auch in unserer Community sind Verluste zu beklagen, Männer direkt aus unserer Gemeinschaft sind an dem Virus verstorben. Wir trauern, wie die Älteren unter uns das zuletzt beim Aufflammen der Aids-Krise getan haben. Unsere Clubs und Vereine kämpfen tagtäglich, um das Schlimmste abzudämpfen. Nicht alle werden es wahrscheinlich überleben. Wer darf unter den Rettungsschirm, wer nicht?

Welche teils irrwitzigen bürokratischen Hürden sind immer noch zu nehmen, obwohl die Hilfe doch so unkompliziert und schnell erfolgen soll? Einige in der Szene sind tief betrübt über die große Kluft zwischen politischen Versprechen und bisher nicht umgesetzten Maßnahmen. Das alles drückt uns nieder, es lässt uns in manchen Momenten kaum noch zu Luft kommen. Dabei können wir viel mehr tun - gerade jetzt.

Wir können füreinander da sein. Das mag manch einem beinahe antiquiert vorkommen, haben wir doch in den letzten Jahren immer wieder gelernt, wie selektierend und kühl die Community manchmal gerade auch innerhalb ihrer eigenen Kreise sein kann. Doch der Virus hat etwas verändert. Wie auch jetzt viele Menschen wenigstens digital wieder näher zusammenrücken, so macht das auch die LGBTQ-Community.

Wer kann, kann Clubs finanziell unterstützen, mit Spenden und manchmal auch nur mit ganz unbürokratischer Hilfe. Wir können unseren Künstlern unter die Arme greifen, Tickets vorab kaufen, Bücher und Filme bei den schwulen Buchläden bestellen. Freunde anrufen, sprechen, Hoffnung schenken, über Skype oder Whatsapp Nähe aufbauen. Und natürlich können wir auch gemeinsam Spaß haben, sei das nun über ein Protal wie Cam4.Com oder im privaten Zweier-Chat.

© Ralf König

Das mag für manch einen albern klingen, oder? In Zeiten der Krise an Sex zu denken? Oder verbietet es sich gerade? Die Realität zeigt uns, dass das nicht der Fall ist. Die täglichen Userzahlen von Pornhub und Co schnellen nach oben. Und vielleicht sollten wir mit mehr Respekt darauf blicken, denn Sex ist auch der Wunsch nach Nähe, nach Lust, nach gemeinsamen Empfinden. Nach sozialem Miteinander.

Ansonsten könnte auch ein Dildo alles bewerkstelligen, was wir so beim Sex treiben, oder? Und so gilt es, unsere Lebenslust und auch unsere Leidenschaft am Leben zu erhalten. Ja, wir müssen jetzt aufeinander aufpassen. Wir müssen gemeinsam stark sein, so wie das gerade unsere Community so viele Male zuvor bereits sein musste, wenn eine Gefahr von außen unser aller Leben, unsere Rechte bedrohte. Wir dürfen uns keinesfalls auseinander dividieren lassen.

Schon jetzt fordern zum Beispiel erste Stimmen, alle CSDs auch 2021 abzusagen.Nicht gar so schnell sollten wir unsere Art zu leben über Bord werfen. Die aktuelle Lage ist eine dynamische, wir müssen sehen, wie sich die kommende Zeit entwickelt.


Was wir aber jetzt und heute tun können, bei all der Angst, bei all der Trauer, bei aller Niedergeschlagenheit, ist unser Leben zu feiern. Trotzdem! Und noch viel mehr als sonst! Die Rede ist nicht von Corona-Partys, definitiv nicht. Doch wir können unser Leben auch zu Hause zelebrieren, Gemeinsamkeiten innerhalb der Community schaffen. Das Internet mit all seinen Möglichkeiten verbindet uns. Wir können uns die Hand reichen, uns gemeinsam bestmöglich durch diese Zeit kämpfen. Wir dürfen unsere Lebensfreude, unseren Willen und unseren Kampf für ein erfülltes Leben nicht aufgeben oder verlieren.

Lasst uns alle gemeinsam diese Zeit überstehen, lasst uns hoffnungsvoll nach vorne blicken. Lasst uns unser Leben feiern, gerade jetzt, gerade in diesen Zeiten. Schreibt, telefoniert, skypt, singt und schreit unsere bunte Community hinaus. Wir dürfen und müssen auch lachen, an Sex denken und uns eine bessere Zukunft ausmalen. Das dürfen wir nicht verlieren. Niemals. Lasst uns gemeinsam Mut haben in diesen manchmal mutlosen Zeiten!

AUTOR:
Michael Soze
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